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Betrugsverdacht – Stadt Siegen sagt Eiskönigin-Musical ab

14.01.2016 | 08:00 Uhr
Betrugsverdacht – Stadt Siegen sagt Eiskönigin-Musical ab
Mit diesem Plakat hat der Veranstalter die Vorführung beworben. Statt des versprochenen Live-Musicals hätte das Publikum eine Mischung aus Kino, Playback-Gesang und Puppentheater erwartet.Foto: Tim Schulze

Siegen.   Die Stadt Siegen hat die Vorführungen des „Eiskönigin“-Musicals, die in der Siegerlandhalle stattfinden sollten, abgesagt. Sie verdächtigt den Veranstalter des Betrugs.

Es ist eine enttäuschende Nachricht, die einer noch enttäuschenderen Erfahrung vorbeugen soll: Die beiden Vorführungen des Kindermusicals „Die Eiskönigin“, die am 23. Januar in der Siegerlandhalle stattfinden sollten, fallen aus. Wer ein Ticket gekauft hat, bekommt das Geld inklusive der Vorverkaufsgebühr erstattet. Siegens Kämmerer Wolfgang Cavelius begründete die Absage damit, dass die Stadt erhebliche Zweifel daran habe, dass die Vorführung die Erwartungen der Zuschauer erfülle.

Musik kommt vom Band

Ende Dezember erzürnten die Eiskönigin-Vorführungen bereits Zuschauer in Bad Hersfeld und Eschwege. „Es war einfach nur schrecklich“, sagt Melanie Benning, Pächterin der Stadthalle in Eschwege, die die Stadthalle Siegen vor dem angeblichen Musical warnte. „Es war gar kein Musical, sondern eine Kinovorstellung mit Zubehör.“ Während auf einer Leinwand der Disney-Film gelaufen sei, hätten im Vordergrund lediglich in Schwarz gekleidete Menschen die Puppen der Eiskönigin und ihrer Freunde hin und her geschoben.

„Es gab auch keinen Live-Gesang, die Musik kam vom Band.“ Schon nach etwa 40 Minuten sei der Spuk dann vorbei gewesen. „Dabei haben die Tickets 25 Euro gekostet.“ Rund 1300 Menschen hätten sich in der Eschweger Stadthalle drei Vorstellungen angesehen, einzelne riefen noch während der Vorführung die Polizei und erstatteten anschließend Anzeige wegen Betrugs gegen den Veranstalter „Live-Kindertheater“.

„Wir wollten die Menschen vor dieser Enttäuschung bewahren und gleichzeitig einen zu befürchtenden Imageschaden von der Stadt und dem Veranstaltungsort abwenden“, sagt Wolfgang Cavelius. Die Stadt Siegen habe am Dienstag Anzeige weges Betrugs bei der Polizei erstattet. Beide Vorführungen in Siegen waren mit je rund 700 Zuschauern restlos ausverkauft. „Es gab einen richtigen Run auf die Tickets“, erzählt Hallendirektor Friedrich Schmidt.

Klage gegen „Live-Kindertheater“

Die Stadt Siegen sei von dem Mietvertrag mit dem Veranstalter zurückgetreten, sagt Cavelius. Man bereite zudem eine Klage gegen die Firma „Live-Kindertheater“ vor, die den Mietpreis noch nicht überwiesen hatte. „Wir machen den Ausfall von rund 5000 Euro geltend – Miet- und Personalkosten.“

Über einen Anwalt habe die Stadt den Veranstalter von der Absage informiert, der sich daraufhin aber nicht gemeldet habe. Glücklicherweise, so Hallendirektor Schmidt, habe man die Einnahmen aus den Ticketverkäufen – rund 40 000 Euro – bislang nicht an den Veranstalter überwiesen. Die Siegerlandhalle hatte den Kartenverkauf selbst übernommen und das Geld treuhänderisch verwaltet.

Die Stadt wisse darum, dass der Veranstalter ebenfalls wegen des Ausfalls der Einnahmen aus dem Ticketverkauf klagen könne. „Wir gehen aber davon aus, dass die Chancen auf einen Erfolg äußerst gering sind“, sagt Cavelius. Wenn alles normal laufe, bleibe die Stadt auf keinerlei Kosten sitzen.

Ärger mit Walt Disney

Dem Veranstalter könnte noch weiterer Ärger drohen, denn die Vorführung war nicht vom Rechteinhaber The-Walt-Disney-Company lizensiert. „Wir haben die Walt-Disney-Niederlassung in München kontaktiert. Dort distanziert man sich ausdrücklich von der Vorführung. Die Lizenzverstöße nimmt Walt Disney ernst“, sagt Friedrich Schmidt. Mit den gezeigten Filmausschnitten, den Werbeplakaten, den szenischen Darstellungen, dem Design der Puppen sowie dem Gesamttitel soll der Veranstalter Lizenzverstöße begangen haben. Besonders dreist: Gegenüber der Siegerlandhalle soll der Veranstalter angekündigt haben, dass die Original-Darsteller aus dem Disney Land in Paris auf der Bühne stehen.

Warnungen aus anderen Städten

Schmidt betont, dass die Verantwortlichen bei der Siegerlandhalle beim Abschluss des Mietvetrags im Juli vergangenen Jahres keine Anhaltspunkte auf betrügerische Absichten des Veranstalter gehabt hätten. „Er hat schon einmal eine kleinere Vorführung hier gehabt. Da gab es keine Probleme.“ Erste Zweifel an der Seriosität von „Live-Kindertheater“ hätten sich eingestellt, als der Veranstalter im Herbst kaum zu erreichen war. „Da sind wir schon vorsichtig geworden.“

Später kamen die Warnungen aus anderen Städten. Ticketinhaber aus Siegen hätten gefordert, die Veranstaltung abzusagen, nachdem sie in den Medien von den enttäuschenden Vorführungen in Eschwege und Bad Hersfeld erfahren hatten.

In Zukunft werde man sich bei ähnlich gelagerten Veranstaltungen die Lizenzrechte vorlegen lassen, kündigt Schmidt an. Einen vergleichbaren Fall habe er bislang nicht erlebt. „Wir mussten noch nie von einem Mietvertrag zurückgetreten.“ Von der Dreistigkeit des Veranstalters zeigt sich auch Kämmerer Cavelius schockiert: „Mir tut es vor allem leid für die Kinder, die sich so darauf gefreut haben.“

Gekaufte Tickets können ab Montag, 18. Januar, täglich von 14 bis 18 Uhr bei der Siegerlandhalle abgegeben werden. Es wird kein Bargeld erstattet. Deshalb sollten Karteninhaber ihre IBAN-Nummer bereithalten. Die Siegerlandhalle bietet zudem an, die Rückerstattung postalisch zu regeln.

Unter wwwsiegerlandhalle.de gibt es ein Formular, das mit den Tickets per Post gesendet werden kann an Tages- und Kongresszentrum Siegerlandhalle, Koblenzer Straße 151, 57072 Siegen. Die Siegerlandhalle kündigt an, Karteninhaber mit kleinen Geschenken entschädigen zu wollen.

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Tim Schulze

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2016-01-14 08:00
Nachrichten aus Siegen, Kreuztal, Netphen, Hilchenbach und Freudenberg