Besuch in Kreuztaler Moschee – Ein Freitagsgebet für alle

Das Gebet am Freitag ist für Muslime das wichtigste der Woche. 15 Besucher (hinten rechts) sehen sich das Freitagsgebet in der Kreuztaler Fatih-Moschee an.
Das Gebet am Freitag ist für Muslime das wichtigste der Woche. 15 Besucher (hinten rechts) sehen sich das Freitagsgebet in der Kreuztaler Fatih-Moschee an.
Foto: Sonja Riedel
Was wir bereits wissen
Die Fatih Moschee in Kreuztal hat Menschen aller Glaubensrichtungen zum Freitagsgebet eingeladen. Ein Rundgang mit den Besuchern.

Kreuztal.. „Man geht mit dem rechten Fuß zuerst in die Moschee“, sagt Nilgün Camgöz. Sie trägt ein beigefarbenes Kopftuch mit lila Blumenmuster. Ihr farblich passendes Gewand verhüllt die Kleidung komplett. „Im Alltag trage ich kein Kopftuch, aber im Koran steht, dass wir Frauen uns beim Besuch von Gottes Haus bedecken sollen.“

Als erstes zieht jeder die Schuhe aus und stellt sie ins Regal. Über eine Treppe mit rotem Teppich schreiten 15 Besucher in den ersten Stock der Fatih Moschee. An ihren Füßen tragen sie gelb-geringelte Socken, dicke grüne Wollstrümpfe oder Nylon-Söckchen. Nur barfuß darf keiner in den Gebetsraum, darauf weist ein Schild hin. Die Kreuztaler Moschee zeigt in der Woche gegen Rassismus Flagge: Freitagsgebet für alle.

Kranke oder Alte beten im Sitzen

Im ersten Stock hat das Gebet schon angefangen. Männer knien auf dem Boden mit rotem Muster. Einige tragen eine Kappe oder Mütze. Die Zuschauer setzen sich in eine Ecke auf Holzstühle. Von hier aus können sie alles beobachten. Nilgün Camgöz bleibt vor ihnen stehen und erklärt, was passiert. Auf einer kleinen Empore hinten im Raum singt ein älterer Mann ins Mikrofon. „Das ist der Muezzin, der ruft zum Gebet“, sagt die junge Frau. Ein paar Meter weiter sitzen ältere Männer auf Stühlen. „Wer krank oder alt ist, darf im Sitzen beten“, sagt Camgöz. Außer den Besuchern und Nilgün Camgöz gibt es keine Frauen im Raum. „Wir haben einen Gebetsraum nur für uns. Wir dürften zwar auch hinter den Männern beten, aber wir wollten das lieber so“, sagt sie.

Imam Cüneyt Ayaz trägt ein weißes Gewand und eine passende Kopfbedeckung. Er steigt rechts im Raum eine Empore und erzählt – auf türkisch. Auf einmal kommt ein deutscher Satz: „Nächste Woche ist das Freitagsgebet um 14.30 Uhr.“ Männer halten jetzt bunte Perlenketten in den Händen. Das sind Gebetsketten, erklärt Nilgün Camgöz. 99 Perlen hat jede, sie symbolisieren die Namen Allahs.

Als das Gebet beendet ist, stehen die Männer auf und schütteln sich die Hand. Der Imam kommt zu den Besuchern und grüßt – auf deutsch. Nilgün Camgöz und er erklären, was es mit der Anzeigetafel auf sich hat, die hinten an der Wand hängt. Darauf sind Uhrzeiten zu sehen. „Das sind unsere fünf Gebetszeiten am Tag.“ „Und die sechste Uhrzeit?“, fragt ein junger Mann. Nilgün Camgöz übersetzt die Frage für den Imam ins türkische und übersetzt seine Antwort. „Das ist die Anfangszeit für unseren Fastenmonat Ramadan.“

Iman aus Türkei nach Deutschland

Beide führen die Gruppe zur anderen Seite vor eine Nische, die mit Holz verkleidet ist. Darin hängt ein Kronleuchter Es ist die Gebetsnische. Sie zeigt Richtung Mekka. Die Besucher stellen Frage um Frage. Manche muss Nilgün Camgöz nicht übersetzten, der Iman versteht sie. Und erklärt auch, warum. „Ich bin in Deutschland geboren, habe in der Türkei studiert und bin jetzt seit fünf Jahren wieder hier.“

Als alle Fragen beantwortet sind, geht die Besuchergruppe ins Erdgeschoss. Sie nehmen ihre Schuhe aus dem Regal und ziehen sie an. Eine Frau scherzt mit einem anderen Besucher, ob er lieber ihre Schuhe anziehen wolle.

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