Besuch aus West-Papua
07.02.2012 | 18:08 Uhr 2012-02-07T18:08:00+0100
Siegen.Die Szene war zumindest befremdlich: Nur einige wenige Zuschauer sahen der aus West-Papua angereisten Gruppe zu, die in Baströcken, Kopfschmuck und weißer Körperbemalung den Ratssaal betrat und einen einheimischen Tanz aufführte. Dabei gaben sich Gastgeber wie Besucher größte Mühe, Grenzen zu überwinden.
So war es auch nicht der abseitige Auftritt an sich, der einen bizarren Eindruck hinterließ. Es war auch nicht die kleine Siegener Delegation um den stellvertretenden Bürgermeister Jens Kamieth (CDU), die die Gäste von der pazifischen Insel herzlich willkommen hieß. Es war vielmehr das Spiel mit ausgetretenen Klischees, das für das Verständnis zweier verschiedener Kulturen doch zunächst beendet werden müsste.
Kamieth nahm den Tanz als „etwas Traditionelles“ wahr, verglich die Aufführung mit dem bayerischen Schuhplattler. Nur: Welcher Deutsche möchte im Ausland reduziert wahrgenommen werden als schnauzbärtiger Mann in Tracht, der sich in seiner Freizeit auf seine Schuhsohlen klatscht?
Besuch im Gedenken – und zur Werbung
Die Gäste von der äquatornahen Insel Neuguinea, deren Teil West-Papua seit 1969 unter indonesischer Verwaltung steht, wollten die Gelegenheit nutzen, sich vorzustellen, für ihr Land, ihre Kultur und den Tourismus zu werben. Gekommen waren sie, um das Grab Gottlob Geisslers auf dem Lindenbergfriedhof zu besuchen.
Nach fast dreijähriger Reise hatte er als Missionar gemeinsam mit Karl Wilhelm Otto am 5. Februar 1855 erstmals die Insel betreten und schließlich die Kirche „Gereja Kristen Injili die Tanah Papua“ begründet. Noch heute ist der Tag ein Feiertag in West-Papua – im Gedenken an die Christianisierung der Bevölkerung ruht jegliche Arbeit. „Wir sind sehr dankbar für die Missionarszeit“, sagte Pastor Hengki Satia, der die Gruppe gemeinsam mit Abgesandten der Tourismusbehörde begleitete. „Die beiden brachten das Licht nach Neuguinea.“
Nur eine gute Woche haben die Papua Zeit für ihre Exkursion auf den Spuren Geisslers: für Besuche in Siegen, Berlin und Utrecht.
Kamieth freute sich, dass die Delegation „zu den Wurzeln ihres Glaubens zurückgekommen“ ist. Satia lud die Siegener zum Gegenbesuch ein. Die tanzen dann hoffentlich keinen Schuhplattler.
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