„Besser Wohnen“ fängt nicht erst im Alter an

Aufforderung zum Maßnehmen: Gundolf Janz, Alois Michalek und Veronika Beckmann von der Wohnberatung, Paul Wagener, Eva Vitt und Heike Büdenbender von der Stadt Netphen (von links).
Aufforderung zum Maßnehmen: Gundolf Janz, Alois Michalek und Veronika Beckmann von der Wohnberatung, Paul Wagener, Eva Vitt und Heike Büdenbender von der Stadt Netphen (von links).
Foto: WP

Netphen..  „Besser wohnen — jetzt und im Alter“ heißt die Ausstellung, die am Freitag im Rathaus eröffnet worden ist. Netphen ist die erste Station, wo die noch junge Wohnberatung Siegen-Wittgenstein zeigt, wie die verschiedenen Wohnbereiche barrierefrei gestaltet werden können, wer dabei hilft und welche Fördermöglichkeiten es gibt.

Worum geht es?

Je älter Menschen werden, desto intensiver wird die Bindung an die immer länger vertraute Umgebung, sagt Bürgermeister Paul Wagener. Die passende Gestaltung der eigenen vier Wände, so Wagener, „ist die wichtigste Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben im Alter.“ Angesichts der Bevölkerungsentwicklung habe das Thema „zunehmend große Bedeutung“, sagt Alois Michalek, Vorsitzender des Vereins Wohnberatung Siegen-Wittgenstein.

Ab wann soll man sich denn um das „bessere Wohnen“ kümmern?

Am besten sofort. „Wir wollen ein Bewusstsein schaffen, sich mit barrierefreiem Wohnen nicht erst im Alter, sondern schon beim Planen von Wohnraum zu befassen“, sagt Alois Michalek. Wer selbst baut, sagt Innenarchitektin Veronika Beckmann, „sollte sein Haus mit Blick auf die Zukunft gestalten.“ Veronika Beckmann und Gundolf Janz, Fernmeldeelektroniker und Sozialpädagoge, sind die beiden hauptamtlichen Berater, die die Ratsuchenden unterstützen.

Welche konkreten Tipps können die Berater geben?

„Bauen ohne Treppe wird im Siegerland nicht gehen“, sagt Veronika Beckmann, „aber Wendelungen sollte man vermeiden.“ Beim Bauen kann es auch hilfreich sein, an künftige Nutzer zu denken: Wer allzu extravagant plant, zahlt drauf, wenn er am Ende doch umziehen muss und seine Immobile nicht los wird, warnt Gundolf Janz. Abgesehen davon: Eine bodengleiche, barrierefreie Dusche macht auch in jungen Jahren Spaß. Manches Wissen haben die Berater sogar Handwerkern voraus. Die moderne, energiesparende Eingangstür mit Anschlag lässt zwar die Luft draußen, ist aber nicht barrierefrei. Janz: „Es gibt Lösungen, die beidem gerecht werden.“

Die Lupe, die in den Visitenkarten der Wohnberatung versteckt ist, macht ja Sinn. Aber warum den Zollstock als Mitgebsel?

„Als Symbol“, sagt Gundolf Janz, „als Anregung, einfach einmal eine Türbreite oder eine Toilettenhöhe zu messen.“ Das ist auch der Grund, warum Wohnberatung eine „zugehende Beratung“ ist: In der persönlichen Umgebung können die Fachleute am besten erkennen, wo Verbesserungsmöglichkeiten sind und wo mehr als Technik gebraucht wird — zum Beispiel auch ein Sozialdienst, der ein paar Hürden des Alltags überwinden hilft.

Ist „Besser wohnen“ nur ein Bau-Thema?

Es kann auch um Wohnformen gehen. Senioren-Wohngemeinschaften zum Beispiel. „Leute suchen gezielt danach“, weiß Gundolf Janz, „aber Angebot und Nachfrage haben sich da noch nicht synchronisiert.“

Aktionstag mitmobiler Wohnung und Vorträgen

Die Wohnberatung Siegen-Wittgenstein ist aus einem ehrenamtlichen Angebot des Vereins Alter Aktiv hervorgegangen, in dem sich vor allem im sozialen und technischen Berufen erfahrene Ruheständler engagiert haben. „Alter Aktiv“ hat 2012 gemeinsam mit Caritas und AWO den Wohnberatungs-Verein gegründet, dessen Arbeit je zur Hälfte vom Kreis Siegen-Wittgenstein und den Pflegekassen finanziert wird.

Die Wohnberatung hat ihr Büro in der St. Johann-Straße 7 in Siegen. Viele Ratsuchende werden von den kommunalen Senioren-Servicestellen vermittelt, aber auch von den Pflegekassen oder den Sozialdiensten der Krankenhäuser. Die Ausstellung in Netphen ist bis zum 13. März geöffnet. Am Donnerstag, 5. März, findet ab 11 Uhr ein Aktionstag statt. Dort wird dann auch die Siegen-Wittgen­steiner Beratungsstelle „Besser Leben im Alter durch Technik“ mit einer mobilen Modellwohnung auf dem Rathausplatz stehen. Im Ratssaal beginnt um 17 Uhr eine Reihe von Vorträgen.