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Beim Vorlesen gibt es keine Verlierer

18.02.2013 | 18:36 Uhr
Beim Vorlesen gibt es keine Verlierer
Foto: Steffen Schwab

Hilchenbach. Sie sind die besten Vorleserinnen und Vorleser in Siegen-Wittgenstein, die neun Jungen und Mädchen, die unter dem Dach der Wilhelmsburg ihrem Auftritt entgegensehen. Die einen mehr oder weniger gelassen, noch einmal in das Buch vertieft, aus dem sie gleich der Jury ein vier Minuten kurzes Stück vortragen werden. Die anderen lassen sich noch einmal den Rücken stärken von Vätern, Müttern, Geschwistern oder den kleinen Fanclubs aus ihrer Klasse.

„Es gibt nur einen Sieger“, sagt Gerold Wagener unten in der Stadtbücherei. Der Fachgebietsleiter im Kreisjugendamt stimmt die Jury auf ihr Amt ein: „Alle anderen sind Zweite.“ Soll heißen: Wie knapp jeder an Sieg (oder Niederlage) vorbeigeschrammt ist, bleibt das Geheimnis der Juroren. „Ich kann die Bewertungsbögen schreddern“, bietet Birgit Latz an, die Leiterin der Hilchenbacher Stadtbücherei.

Die JuryFoto: Steffen Schwab

Eduard Knoll aus der Realschule Erndtebrück muss den Anfang machen. Er hat sich ein Stück aus den „Drei ???“ ausgesucht. Fabian Müsse von der Hauptschule Bad Berleburg folgt mit den fürchterlichen „Herdmanns“. Julia Rahrbach von der Realschule Netphen hat ein witziges Buch über Liebesbriefe mitgebracht. In der ersten Reihe kreisen die Bleistifte der Preisrichter: Lesen die Kandidaten flüssig, vermitteln sie die Stimmung des Texts richtig, ist der ausgewählte Textausschnitt verständlich vorgestellt und in einen Zusammenhang gebracht worden? Mit-Juror Bahman Pournazari erinnert, das „russische Notensystem“ zu verwenden: Die „5“ ist Spitze, die „1“ ganz schlecht.

„Bin ich froh, dass ich hier nicht vorlesen muss“, hat Hilchenbachs stellvertretender Bürgermeister Klaus Stötzel schon bei der Begrüßung gestöhnt. Für Laura Dechert von der Realschule Wilnsdorf, Lea Hoffmann von der Hauptschule Bad Laasphe, Merlin Grebe von der Carl-Kraemer-Realschule Hilchenbach, Nele Wagener von Stift Keppel, Tom Kneppe vom Gymnasium Netphen und Selma Blöcher vom Städtischen Gymnasium Bad Laasphe gibt es kein Entrinnen. Nach und nach lernt das Publikum die ganze Palette von der Fantasy-Geschichte bis zum Klassiker kennen, die die Kinderzimmerregale füllt.

Vielfältige Talente und Interessen

„Das erstaunt mich immer wieder“, freut sich Thomas Günther, stellvertretender Leiter der Siegener Stadtbücherei, über die Vielfalt der Talente und Interessen. Eva-Maria Graß, die Hilchenbacher Buchhändlerin, plaudert in der Pause aus dem Nähkästchen: Eher interessieren sich Mädchen mal für den Jungs-Stoff, als dass Jungen in den für Mädchen bestückten Regalen stöbern.

Nach der Pause zeigen sich die wahren Meister im Umschiffen von Wortungetümen und fremdsprachigen Klippen. Denn den Text, der nun vor ihnen liegt, haben sie noch nie gesehen. Die Jury braucht danach nicht mehr lange: Nele Wagener hat das Rennen gemacht.

Steffen Schwab

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