Beim Fotokreis Siegen gehen die Lichter an

Der Nebel zieht sich in dieser Aufnahme von Uwe Schmidt durch Neustadt an der Weinstraße, beleuchtet von den Strahlen des Sonnenaufgangs.
Der Nebel zieht sich in dieser Aufnahme von Uwe Schmidt durch Neustadt an der Weinstraße, beleuchtet von den Strahlen des Sonnenaufgangs.
Foto: Uwe Schmidt
Was wir bereits wissen
„Im Licht“ hat der Fotokreis Siegen seine Jahresausstellung im Haus Seel genannt. Zu sehen gibt es einen leuchtenden Bahnhof, grelle Details und eine sehr grüne Insel.

Siegen..  Licht ist am Bahnhof Liège-Guillemins im belgischen Lüttich tragendes Element der Architektur. Im Gebäude aus Stahl, weißem Beton und Glas scheint es, als würden sich die filigranen geschwungenen Linien der Dachkonstruktion wie Strahlen über die weiträumige Halle ergießen. Gunter Scholtz zeigt eine Serie dieser Aufnahmen in der Jahresausstellung des Fotokreises Siegen im Haus Seel. Titel der Präsentation, an der sich 18 von 30 Mitgliedern der Gruppe beteiligen: „Im Licht“.

Natur – oder nachgeholfen?

„Der Titel wird vorher festgelegt“, erklärt Hermann Schäl vom Fotokreis. Die Teilnehmer können dann entweder passende Beiträge anfertigen oder sie aus ihren Beständen einreichen. „Ein vielseitiges Thema“, sagt Schäl. Und ein grundlegendes, wie er mit Verweis auf Malerei anmerkt: „Das Licht ist die Farbe des Fotografen.“ Eine Farbe, die es in bunt und in schwarz-weiß gibt, die mal unverfälscht die Gegebenheiten des Motivs wiedergibt und mal durch digitale Bearbeitung Akzente setzt.

Das Spektrum der Ausstellung ist groß, sowohl was Bildinhalte als auch Herangehensweisen betrifft. Uwe Schmidt zum Beispiel macht Nahaufnahmen, die durch ihre Perspektive und oft enorme Farbigkeit Verfremdung einbauen. Rostige Schrauben, abgeblühte Tulpen oder grelle Strohhalme werfen im ersten Moment die Frage auf, was eigentlich zu sehen ist – und liefern die Antwort auf den zweiten Blick.

Eindeutiger wirken die Irland-Aufnahmen von Joachim Rodepeter. Doch neben allem Raffinement, mit dem hier Blickwinkel und Inszenierung des Himmels als Lichtquelle gewählt sind, drängt sich auch die Überlegung auf, ob am Computer eingegriffen wurde – oder nicht. Rodepeters „Grüne Insel“ ist so erstaunlich grün, dass eine Manipulation wahrscheinlich sein dürfte. Gerade in dieser Unklarheit liegt viel Reiz: Was ist Natur – und was ist digital?

Mit diesem Spannungsverhältnis spielt auch Hermann Schäl. In seiner phänomenalen Landschaft säugt eine Stute ein Fohlen – nur dass die Pferde ursprünglich in einer Ortschaft standen und am PC umgesiedelt wurden. Die Überästhetisierung der Montage lässt die Versatzstücke erkennen, jongliert mit dem Widerspruch von Künstlichkeit und perfekter Naturidylle.

Dicht am Impressionismus

Keinerlei Hehl aus der Nachbearbeitung machen einige Beiträge von Manfred Klaus. Doch auch sie überschreiten Gattungsgrenzen: Fotos von langen Fluren oder von der 775-Jahr-Feier in Netphen bearbeitet er nach, bis sie wie impressionistische Gemälde aussehen.

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