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Bedrückende Informationen über politische Lage in Israel

20.05.2007 | 05:07 Uhr

Siegerland. In zwei korrespondierenden Veranstaltungen der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland wurden die Besucher mit bedrückenden Hintergrundinformationen konfrontiert.

Elisabeth Engel berichtete über ihre Reise nach Bethlehem und in die besetzten Gebiete mit Bildern von dem Alltagselend der Familien - vor allem der Christen in Bethlehem.

Alon Sander ergänzte diese persönlichen Eindrücke aus der Sicht eines israelischen Journalisten in Deutschland, der die Vorgänge in seiner ersten Heimat aufmerksam verfolgt und seine eigene Position eingangs mit einem Hinweis auf den verstorbenen Philosophen Leibowitz deutlich machte.

Das Grundübel ist nach Leibowitz die israelische Besetzung palästinensischer Gebiete. Wer besetzt, muss schuldig werden und beschädigt damit das Judentum und Israel, das nur als Land der Juden seine Existenzberechtigung hat.

Gegen diese Besetzung gibt es Widerstand auch in Israel. Zurzeit engagieren sich etwa 16 Gruppen dagegen, ohne allerdings auf palästinensischer Seite auf Partner zu treffen, die gegen den Terror aufstehen.

Sander selbst zählt sich zu den Unterstützern der "Genfer Initiative" vom 2003, in der moderate Israelis einen Vertrag ausgearbeitet haben, der bis ins Detail eine Zweistaatenlösung vorbereitet hat. Der Referent zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen Situation: Mit einem pragmatischen Programm hatte die Kadima-Partei bei der letzten Knesset-Wahl versprochen, den traditionellen Graben zwischen Rechten und Linken in Israel zu überwinden. Dem Rückzug aus Gaza - von Scharon gegen den Widerstand der Siedler durchgesetzt - sollte der Rückzug aus den besetzten Gebieten schrittweise folgen, wenn die Terroraktionen der Palästinenser aufhören.

Diese Hoffnung ist arg enttäuscht worden von beiden Seiten. In Israel drohen immer mehr Politiker in "einem Sumpf von Korruption" zu versinken. Die Palästinenser - in der arabischen Welt mit Abstand das Volk mit dem höchsten Bildungsniveau - wählen mit 70 Prozent die fundamentalistisch-islamische Hamas an die Macht, deren offen erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist.

Der islamistische Terror bekommt Aufwind, deutet den Gazarückzug und den Libanonkrieg als Sieg um und beschiesst Israels Städte Sederot und Aschkelon mit Kassam Raketen. Allein im März wurden 23 Selbstmordattentate versucht.

Nach dem schonungslos selbstkritischen Winogradow-Bericht über Fehler im Libanon Krieg zerbröselt das Ansehen der Regierung und der Kadima-Partei. Politikverdrossenheit und Rückzug ins Private nehmen zu.

Die zentrale Frage "Mit wem soll Israel jetzt verhandeln?" erläuterte Sander mit Informationen über die wachsende Anarchie in Gaza und im Westjordanland, wo die Kämpfe zwischen Hamas und Fatah-Aktivisten zunehmend auch Opfer unter allen finden, die als "fremd" eingestuft werden.

Das bedrückende Fazit von A. Sander:"In Palästina gibt es zurzeit keinen, mit dem man über Frieden sprechen kann. In Israel gibt es keinen, der über Frieden sprechen will." Eine hoffnungsstiftende Vermittlung von aussen - vielleicht aus Europa - hält Sander für wichtig.

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