Bauarbeiter protestieren gegen Minusrunde
24.03.2011 | 18:39 Uhr 2011-03-24T18:39:00+0100
Siegen-Eiserfeld.Rote Fahnen wehten am Donnerstag vor der Haupteinfahrt des Siegener Bauunternehmens Drössler im Gewerbegebiet Marienhütte. Es waren die Banner der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Rund 100 Beschäftigte der Firma verbrachten ihre Frühstückspause im Freien. Denn sie wollten ein Zeichen setzen zur zweiten Runde der laufenden Tarifverhandlungen, die zeitgleich in einem Berliner Hotel für die Baubranche begonnen hatte.
Die regionale Vertretung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt hatte ihre Mitglieder zu der auf die 30-minütige Pause begrenzten Aktion aufgerufen. Nach der ersten Verhandlungsrunde vor drei Wochen hatte sich schon abgezeichnet, dass die Arbeitgeber auf eine „Minusrunde“ zusteuern, wie es IG-BAU-Regionalleiter Jürgen Czech vor dem Drössler-Werkstor ausdrückte.
5,9 Prozent sind
gefordert
Gefordert sind von der Gewerkschaft in dieser „reinen Lohnrunde“ 5,9 Prozent höhere Einkommen. Stattdessen lautet das Gegenangebot: keine Lohnerhöhungen, sondern allenfalls einen Festbetrag, der sich nicht auf die Tariftabellen auswirkt. Zudem soll die ebenfalls von der IG BAU gewünschte Anhebung der im Baugewerbe für ungelernte und ausländische Arbeitnehmer gezahlten Mindestlöhne nicht berücksichtigt werden, führte Czech aus. Nur die niedrigere der beiden Stufen soll für die „neuen“ Bundesländer erhalten und moderat erhöht werden: „Aber 20 Jahre nach der Wiedervereinigung wird es Zeit, dass die Löhne in Ost und West angeglichen werden“, fand der Regionalleiter.
Aktionen wie das Baustellenfrühstück am Donnerstag bei Drössler sind nur als Vorstufe für weitere Auseinandersetzungen anzusehen. In der Folge kann es zu (ganztägigen oder stundenweisen) Warnstreiks kommen, zur Urabstimmung und schließlich zu längeren Arbeitsniederlegungen.
Der Behauptung der Arbeitgeberseite, es gebe wegen der noch anhaltenden Krise im Baugewerbe „keinerlei Verteilungsspielraum“, widersprach Jürgen Czech. Er kritisierte die von den Arbeitgebern in Aussicht gestellte Streichung des Urlaubsgeldes in Höhe von 25 Prozent eines Monatsgehalts, um damit in den östlichen Bundesländern die Kosten für eine Zusatzversorgungskasse zu kompensieren. Denn zusammengerechnet würde dies für die Beschäftigten der Baubranche ein um 1,6 Prozent niedrigeres Einkommen bedeuten.
Letzte Verhandlungsrunde vor Ablauf der Friedensfrist ist am 30. und 31. März vorgesehen. Kommt es bis dahin nicht zu einer Einigung, werde die IG BAU weitere Schritte überlegen. In Siegen-Wittgenstein haben Vertreter der gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter der großen Baubetriebe ihre Bereitschaft zu weiteren Aktionen signalisiert.
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