Barrierefreiheit ist Wirtschaftsfaktor

Hilchenbach..  Barrierefreiheit ist nicht nur eine soziale Aufgabe, sondern auch Wirtschaftsfaktor für eine Stadt. Das hat Gudrun Roth, Beauftragte der Stadt Hilchenbach für bürgerschaftliches Engagement und für die Senioren-Service-Stelle, jetzt im Stadtentwicklungsausschuss deutlich gemacht: Zum einen bedeuten Investitionen in den Umbau von Wohnungen und Häusern Aufträge für das örtliche Handwerk, zum anderen ist die barrierefreie Erreichbarkeit ein Pluspunkt, mit dem Handel und Gastronomie in Hilchenbach für sich werben.

Wirtschaftsförderer Kyrillos Kaioglidis hatte seine Kollegin in den Stadtentwicklungsausschuss gebeten, um diesen sonst wenig betrachteten Aspekt zu beleuchten — mit der Fachklinik für Neurologie und ihren Therapiereinrichtungen und mit dem überdurchschnittlich hohen Anteil alter Menschen an der Einwohnerschaft spielt das Thema für die Stadt eine Rolle. Wer die eigenen vier Wände barrierefrei machen lassen möchte, hat dafür viele Fördermöglichkeiten: Die NRW-Bank und die KfW-Bank gewähren Darlehen beziehungsweise Zuschüsse, Geld kommt auch aus dem „Wohn-Riester“, der Wohnungsbauprämie und der Pflegeversicherung. Seit 1. Oktober gewährt die KfW Investitionszuschüsse in Höhe von acht Prozent der Kosten, maximal 4000 Euro, je Maßnahme: „Eine tolle Sache“, findet Gudrun Roth.

Anreiz für Handel und Gastronomie

Um Handel, Gastronomie und Dienstleister zu gewinnen, ist der ehrenamtliche Arbeitskreis Barrierefreiheit aktiv — zum Beispiel mit der Aktion „Tausch doch mal“, bei der sich Menschen ohne Handicap künstlich in die Lage von Geh- oder Sehbehinderten versetzen, um den Gang durch die Innenstadt aus deren Perspektive nachzuvollziehen. „Rote Karten“ hat der Arbeitskreis Falschparkern auf Behindertenparkplätzen hinter die Scheibenwischer geklemmt. Hilchenbach hat mittlerweile auch einen Stadtplan, der barrierefreie Wege darstellt, und ein Verzeichnis von Gastronomiebetrieben, in denen die Erreichbarkeit zum Beispiel für Rollstuhlfahrer dargestellt wird.

Gudrun Roth kann mittlerweile eine lange Liste erfolgreichen Engagements vorlegen: angefangen vom tief gehängten Briefkasten am Rathaus und dem Rollstuhlfahrer-Einkaufswagen im Gerberpark bis zu den Außenaufzügen an Wilhelmsburg und Sparkasse. In diesem Jahr soll, so Gudrun Roth, „der erste barrierefreie Treffpunkt in Hilchenbach“ geschaffen werden: eine Sitzgelegenheit im Außenbereich des Gerberparks, „für alle Generationen“. Außerdem wird eine Fotoausstellung vorbereitet: „Trotz Handicap mitten im Leben.“