Bankräuber mit Schulden

Foto: Mike Röser
Foto: Mike Röser
Foto: WAZ

Siegen.. „Geld!“ habe der Mann von ihr gefordert. Zwei Mal. Dabei habe er eine Pistole auf die Bankkauffrau gerichtet. Er habe die Waffe durch den Zwischenraum geschoben, der für das Hindurchreichen des Geldes am Kassenschalter gedacht sei, erzählte die Angestellte der Stadtsparkasse Hilchenbach, die am 18. Juli 2011 überfallen wurde.

Die Frau musste dem Räuber 15 150 Euro aus der Kasse holen, die er in eine kleine Herrenhandtasche steckte. Dann schob er ihr einige Scheine zurück und verließ die Dahlbrucher Filiale. Was danach geschah, blieb auch am gestrigen Donnerstag im Landgericht unklar.

Der Täter, ein gebürtiger Mazedonier (29), gab die Tat zu und entschuldigte sich bei der Angestellten. „Es tut mir wirklich leid. Ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen“, versicherte er. Seinen Bruder als Mittäter wollte er allerdings nicht belasten.

Der Angeklagte war im Dezember 2010 illegal wieder in die Bundesrepublik eingereist, nachdem er einige Jahre zuvor nach diversen Kollisionen mit dem Rechtssystem abgeschoben worden war. Er habe enorme Spielschulden in seiner Heimat gehabt und den Druck nicht mehr ausgehalten, nannte er als Grund für die Rückkehr.

Erst sei er mit seiner Frau in die Schweiz zu Verwandten geflohen, aber dort hätten ihn die Geldeintreiber gefunden. Schließlich sei er zu seinen Eltern in Kreuztal gekommen und habe dort bis zum Überfall gelebt. Seine Frau, zu diesem Zeitpunkt schwanger, sei wieder abgereist, er aus Angst nicht. Die ständigen Anrufe seiner Gläubiger hätten ihn am Tattag bewogen, eine Spielzeugwaffe aus dem Keller zu holen und mit dem Fahrrad nach Dahlbruch zu fahren. „Ich war dort als Kind immer im Hallenbad und kannte die Örtlichkeit“, begründete er die Wahl des Tatorts. Er habe damit gerechnet, erwischt zu werden. „Ich war in Kreuztal bekannt, meine Vorstrafenliste war schon voll.“ Er habe sich auch bewusst nicht maskiert.

Mit dem Geld lief er nach eigener Aussage zu Fuß nach Kreuztal zurück. Dort stieg er in den Zug, fuhr in die Schweiz und zahlte einen Teil seiner Schulden ab. Dann ging es weiter nach Mazedonien, wo er bis Ende des Jahres mit seiner Frau und dem im August geborenen Kind lebte. Im November kehrte er wiederum nach Deutschland zurück. Er habe befürchtet, in Mazedonien von der deutschen Justiz erreicht zu werden, „meine Frau wusste von alldem nichts“. Im Gegensatz zu seinen Eltern.

Im Dezember wurde er in Herne bei einem Bekannten verhaftet. Er gab alles zu. Ein Zeuge wollte allerdings etwa zur Tatzeit gesehen haben, wie ein Mann zu einem in der Nähe der Sparkasse geparkten dunklen BMW lief. An dessen Steuer wartete ein anderer Mann mit Glatze, der den Wagen mit quietschenden Reifen startete und beim Einfädeln Richtung Kreuztal beinahe einen Unfall verursacht hätte. „Das alles passt genau auf ihren Bruder“, warf Richter Wolfgang Münker dem Angeklagten vor. Der Bruder habe nichts damit zu tun, blieb dieser aber fest. Er habe die Tat auch nicht vorher geplant. Die Tatwaffe ist ebenso verschwunden wie das Geld. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.