Bahnhof in Hilchenbach ist reif zum Verkauf
13.01.2011 | 18:05 Uhr 2011-01-13T18:05:00+0100
Hilchenbach.Ausverkauf bei den Bahnhöfen: Nur noch sechs der mehr als 70 historischen, aber von der Bahn nicht benötigten Empfangsgebäude in NRW müssen verkauft werden, freute sich die Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft (BEG) noch vor wenigen Tagen.
Einkalkuliert in ihre Erfolgsbilanz hatte das Gemeinschaftsunternehmen von Land und Bahn da allerdings schon die Übertragung des Hilchenbacher Bahnhofs an die Stadt Hilchenbach. Die hat ihren Jugendtreff aber bekanntlich bereits im Einkaufszentrum Gerberpark neu untergebracht. „Dann sind es jetzt sieben“, sagt Carsten Kirchhoff, einer der für die Empfangsgebäude zuständigen Projektleiter bei der BEG.
Dabei war das Wertgutachten, auf das die Stadt eine ganze Weile gewartet hat, nun endlich erstellt – und sogar der unglückliche Vorabverkauf des Güterschuppens ist kein Problem mehr. Den hatte die DB Netz AG als Eigentümerin an einen Handwerksbetrieb verkauft, ohne bei der Schwesterfirma DB Station und Service nachzufragen. Dabei ist die Infrastruktur beider Gebäude miteinander verbunden. „Wir kriegen das hin, dass das ordentlich getrennt wird“, verspricht Kirchhoff, „es geht jetzt nur noch darum, den Kaufvertrag zu stricken.“
Hände einer „Heuschrecke“
Nun aber hat Hilchenbachs Baudezernent Michael Kleber es gar nicht mehr eilig. Die ursprünglich vorgesehene Nutzung für einen Jugendtreff hat sich erledigt – „rein aus dem Stegreif würde mir nichts Neues einfallen.“ Zumal sich auch im Umfeld nichts tut: Das Grundstück gegenüber dem Bahnhof, im Dreieck von Herrenwiese, Bruch- und Hindenburgstraße liegt brach; der dafür aufgestellte Bebauungsplan „Im Bruch“ würde eine Bebauung mit Wohnungen und Geschäften, Büros, Gewerbe und Gastronomie erlauben. Mit dem Angebot aus den „Liegenschaftspaketen“, in die die BEG von der Bahn nicht mehr benötigte unbebaute Flächen und Böschungen packt, mag die Stadt ebenfalls nichts anfangen. „Wir haben daran wenig Interesse“, stellt Kleber fest.
Bundesweit sind Mitte des letzten Jahrzehnts tausend Bahnhöfe in die Hände einer „Heuschrecke“ gelangt. Die „First Rail Estate“ wurde insolvent, mittlerweile gehören die Bahnhöfe vier luxemburgischen Fonds und werden von einer englischen, in Frankfurt ansässigen Management-Gesellschaft verwaltet. In Nordrhein-Westfalen hat das Land den Kommunen ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Erst wenn die absagen, kommt ihr Bahnhof auf den Markt. Wie in Erndtebrück: Den versucht die BEG derzeit, über ein Internetportal, für 5 100 Euro loszuwerden.
Gleichzeitig einfahren
Das alles heißt nicht, dass sich an der Bahn in Hilchenbach nichts tun soll. Dort soll mit der Beschleunigung der Rothaarbahn begonnen werden: zum einen durch Umbauten von Weichen und eine Schranke auf dem Mittelbahnsteig, die es ermöglicht, dass die sich begegnenden Züge gleichzeitig einfahren können und der eine nicht mehr minutenlang auf den anderen warten muss; zum anderen durch Ampel- und Schrankensicherung oder Aufhebung des Bahnübergangs Hillnhütter Straße. Derzeit werde eine Finanzierungsvereinbarung erarbeitet, berichtet Günter Padt, Geschäftsführer des Zweckverbandes Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS). Im internen „Leistungsplan“ ist das die Stufe 2.
Bis gebaut wird, ist die Stufe 9 erreicht. „Wir wollen das so schnell wie möglich über die Bühne bringen“, sagte Padt. „Schnell“ ist allerdings relativ: Selbst für die Änderung an einem Bahnübergang muss ein Planfeststellungsverfahren erfolgen, zu dem alle Betroffenen und Beteiligten angehört werden.
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