Bären gegen die bösen Geister

Die Bärengruppe im Jubiläumsjahr.
Die Bärengruppe im Jubiläumsjahr.
Foto: Jürgen Schade

Helberhausen..  Die Bären sind los — an diesem Neujahrsmorgen ebenso wie am 1. Januar 1915, als die verkleideten Junggesellen zum ersten Mal durch Helberhausen zogen, um die bösen Geister zu vertreiben.

Um sechs Uhr geht es los, um acht Uhr ist Zeit für ein Frühstück und neue Schminke — seit zwei Jahren ist die Familie Wied dann der Gastgeber, nachdem vorher über 30 Jahre lang die Familie Schmidt an der Ferndorfstraße den Bären Raum zum Aufwärmen geboten hatte.

Wohl bekannt ist die Bärengruppe in Hadem, Helberhausen und Oberndorf. Jahr für Jahr nimmt der Bärenführer den Bären an die Kette, ziehen die jingen Männer mit lauten „Pascha“-Rufen durch das Dorf. Nur in Kriegszeiten setzten die Bären aus, dann und auch in den Jahren danach blieben die Kostüme jeweils für längere Zeit eingemottet.

Wer nicht zahlt, wird eingeschwärzt

Frank Hein ist als Präsident der Bärengruppe und diesmal mit der Kasse dabei. Viele Dorfbewohner kommen nicht zum Ausschlafen am Neujahrsmorgen. Manche erscheinen noch im Nachtgewand an der Tür, um ihre Spende abzugeben. Wer nicht spendet, so er Brauch, dem wird mit Schuhwichse das Gesicht schwarz gemacht. Mit Akkordeonmusik laufen die Bären von Haus zu Haus, der Teufel hat zudem seine Teufelsgeige dabei. Auch Autofahrer, die durch den Ort fahren, kommen nicht zu kurz. Wer keinen Wegezoll entrichtet, der bekommt sein Gesicht geschwärzt.

Am Bärenlauf teilnehmen dürfen Junggesellen, die mindestens zehn Jahre in einem der drei Dörfer wohnen. Anfangs durften diese als Jungbären erst nach einer Warte- und Probezeit mitlaufen. Wer heiratet, muss die Gruppe verlassen. Nachwuchssorgen haben die Bären nicht. So mancher Jugendliche, der heute mit durch den Ort zieht. ist Sohn eines „alten“ Bären.

Die Nachbarn, die im Laufe des 14-stündigen Marsches besucht werden, bieten den Wanderern oft auch Hochprozentiges an, das die Bären „von innen“ wärmen soll. Natürlich muss das Angebot bei dem einen oder anderen Haus dankend abgelehnt werden — schließlich sollen ja alle bis zum Ende durchhalten. Auf der langen Wanderung werden Spenden eingesammelt, mit denen zum einen der Kostümfundus finanziert wird. Der größte Teil jedoch wird einem sozialen Zweck zugeführt.

Nur wenige halten durch

Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre startete die Bärengruppe immer erst am Neujahrsnachmittag. Damals wurden noch Würste statt Geld gesammelt — schließlich wurde in vielen Häusern noch selbst geschlachtet. Die Würste wurden dann in Stammlokal, im Haus Menn, abgegeben, wo eine deftige Erbsensuppe gekocht wurde. Zum 100-jährigen Bärenlauf lebt diese alte Tradition auf — abgewandelt. Denn diesmal werden Würste nicht eingesammelt, sondern verteilt. werden diesmal Würste an die Bürger verteilt. Altbär Karl-Herbert „Kalli“ Dornhöfer, der Bär im Jahr 1992, hat die Rolle des „Wurstkorbs“ übernommen, die zur Feier des Tages noch einmal besetzt worden ist. Auf dem jährlichen Bärenball war die Rolle unter allen interessierten Altbären versteigert worden. Aus dieser Auktion ging Christoph Bald als Sieger hervor. Da dieser den Lauf nicht antreten konnte und auch seine Stellvertreter abgesagt hatte, wurde die Rolle nun ganz neu besetzt.

Sind die Bären alle wohlbehalten beim letzten Haus der Route angekommen, werden sie von ihren Helferinnen und Helfern (meist die Freundinnen der dann leicht mitgenommen Gesellen) zum Bärenball nach Helberhausen im Gasthof Menn chauffiert. Dort hat sich dann bereits der ganze Ort versammelt, um die Helden des 1. Januars zu feiern. Auch neun ehemalige Bären sind mit dabei. Der Höhepunkt ist die Versteigerung des Hexenbesens, den in diesem Jahr Friedrich Stötzel hergestellt hat. Nur ganz, ganz wenige Bären halten nach so einem langen Tag über Mitternacht hinaus durch…

Sven Oliver Krämer war diesmal der Bär. Die Kasse hatte Präsident Frank Hein und Bärenführer war Carsten Rockenfeller. Christian Schwermer war als Mexikaner verkleidet und im Teufel steckte Heinrich Schulmeister. Das Negermädchen war Thomas Wied, der Matrose war Malte Schwarzpaul und als Hexe fungierte Marvin Stenzel.