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Bäckers verlieren ein zweites Zuhause

23.01.2015 | 00:11 Uhr

Siegen. „Ob wir die Gasflaschen noch zurück bringen können“, fragt Karin Bäcker und muss herzlich lachen. Denn besagte Flasche liegt wie eine aufgeplatzte Melone vor ihr. Nur die Feuerwehr kann mit diesem Klumpen Metall noch was anfangen. Als Anschauungsmaterial, um die Kräfte sichtbar zu machen, die bei einem Feuer entstehen. „Humor ist unsere Art damit umzugehen“, sagt ihr Mann Siegfried Bäcker. „Wir werden den Täter nicht auch noch damit bestätigen, dass wir jetzt Trübsal blasen“, gibt sich auch seine Frau kämpferisch. „Jetzt fängt ein neues Kapitel an.“ Eine beeindruckende Einstellung, wenn man bedenkt, dass das Paar am Dienstagabend ein zweites Zuhause verloren hat. Sie wurden Opfer einer Serie von Brandstiftungen, die in Siegen seit drei Wochen für Angst und Schrecken sorgen.

Drei Explosionen

Das Feuer zerstört das Wohnmobil, erst das Feuer und dann drei Explosionen, die den Himmel über Siegen erhellen ließen. Weithin war der Schein zu sehen. „In dem Moment denkt man erstmal gar nichts. Du bist wie in Trance“, sagt Siegfried Bäcker, der das Feuer mit seinem Handy gefilmt hat. „Alles weg“, hört man ihn dort fassungslos sagen. „Alles weg.“ Ein Nachbar hatte ihn abends gegen 23 Uhr gerufen. Das Fahrzeug parkt nur 150 Meter von Bäckers Wohnung entfernt. Die lodernden Flammen konnte er aus dem Fenster sehen.

Auch zwei Tage danach liegt der Ruß noch in der Luft. Die rollende Ruine ist mit Flatterband abgesperrt. Spaziergänger stoppen, machen Fotos. Auch Autos halten extra an. Auf dem Boden liegt ein verschmorter Paprikastreuer und die Lieblingstasse von Enkelin Kimberly (11). Verkohle Reste früherer Camper-Gemütlichkeit. „Aber einen Eisbergsalat haben wir noch“, sagt Karin Bäcker und deutet an eine Stelle, wo früher einmal der Kühlschrank gewesen sein könnte. „Ein Heißbergsalat.“ Gelächter.

Fast dreimal um die Welt

In den letzten zwölf Jahren sind Bäckers mit ihrem Wohnmobil fast dreimal um die Welt gefahren. Weit mehr als 100 000 Kilometer quer durch Europa. Siegfried Bäcker war Fallschirmspringer, das Paar fuhr überallhin zu den Wettkämpfen. Bis er vor zehn Jahren einen Herzinfakt hatte, während eines Sprungs. Auf dem gleichen Flugplatz auf dem Jürgen Möllemann in den Tod sprang. Aber das ist eine andere Geschichte. Die in Bäckers Fall gut ausging. Nur mit dem Fallschrimspringen war es dann vorbei. Das Wohnmobil und das Gefühl der Freiheit blieben.

„Ich mag es, dass wir alles dabei haben“, erzählt Karin Bäcker. Bäckers sind gesellige Menschen. „Wir haben gern Menschen um uns“, sagt sie und serviert Kaffee, während ihr Mann Fotos von den letzen Urlauben zeigt. Auf dem Stellpätzen fahren Bäckers immer gleich die Markise aus. Dann werden die Stühle rausgeholt und die Girlanden angeknipst. Siegried Bäcker rollt einen der drei Grills raus. Und manchmal gibt’s noch einen vom selbstgemachten Aufgesetzten. „Bei Bäckers ist immer was los“, sagt Karin Bäcker und lacht.

Heute kommt der Sachverständige. „Und wenn wir ein neues Wohnmobil haben, sagen wir Ihnen Bescheid“, sagt Siegfried Bäcker. „Dann feiern wir ein Fest hier oben.“ Bei Bäckers ist eben immer etwas los.

Ilka Wiese

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2015-01-23 00:11
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