Babyleichen-Prozess im Zeichen der familiären Verhältnisse

Der Prozess um zwei Babyleichen in Siegen wird am Donnerstag, 23. April, um 9 Uhr in Saal 165 fortgesetzt.
Der Prozess um zwei Babyleichen in Siegen wird am Donnerstag, 23. April, um 9 Uhr in Saal 165 fortgesetzt.
Foto: Jens Plaum
Was wir bereits wissen
Der jüngste Verhandlungstag im Siegener Babyleichen-Prozess stand im Zeichen des Verhältnisses der Angeklagten (32) zu ihren Eltern. Zeugen sagten aus.

Siegen.. Das Verhältnis zur Mutter? „Das ist schwierig für mich zu beurteilen“, sagt die 33-jährige Assistenzärztin vor dem Schwurgericht. Trotzdem zeichnet sie das Bild einer Frau, die gern Entscheidungen trifft, nicht nur für sich, auch für andere.

Der Prozess um den Tod von zwei Säuglingen im September 2013 und August 2014 wird fortgesetzt. Die Polizei fand die Leichen im vergangenen Sommer in Bonn und in Siegen – beide tiefgefroren. Der 32-jährigen Mutter wirft die Staatsanwaltschaft zweifachen Totschlag vor. Ein wichtiger Aspekt an diesem Mittwoch ist die Beziehung der Promotionsstudentin zu ihren Eltern. „Es war schon so, dass sie sich auf ihre Eltern verlassen konnte“, sagt die Zeugin. Schwarzes Shirt, blaue Jeans, Doc Martens, die langen dunklen Haare zu einem Zopf zusammengebunden: „Richtige emotionale Innigkeiten habe ich aber nicht erlebt.“

Babyleichen Sie kennt die Beschuldigte seit ihrer Kindheit. Die beiden waren befreundet, haben zusammen Abitur gemacht. „2008 war sie meine Trauzeugin“, sagt die Assistenzärztin. Die Beklagte soll großen Wert darauf gelegt haben, was ihre Umwelt von ihr hält: „Es war ihr sehr wichtig, wie andere beurteilen, was sie macht. Sie war ein bisschen unselbstständig.“

Die Angeklagte begann ebenfalls ein Medizinstudium, obwohl sie offenbar nicht habe Ärztin werden wollen. „Ich glaube, dass es von ihren Eltern ausging, etwas Angesehenes nach dem Abi zu machen“, sagt die Zeugin. Die selbst streng erzogene Mutter habe sich ins Leben der 32-Jährigen eingemischt, „weil sie sich mit ihrem eigenen Leben gelangweilt“ habe. „Ihr Vater war lockerer“. Er soll allerdings auch nicht amüsiert gewesen sein, als seine Tochter ihm sagte, dass sie das Medizinstudium abbrechen würde, um Anglistik zu studieren. „Ich glaube, ihre Eltern waren nicht glücklich.“

Schwangerschaften bemerkt

Gegenüber dem Kriminalbeamten, der sie am 10. August vergangenen Jahres über vier Stunden verhörte, soll die 32-Jährige gesagt haben, dass sie beide Schwangerschaften bemerkt hätte. Das betonte der Polizist – er versieht seinen Dienst für die Mordkommission Hagen – ebenfalls am Mittwoch im Zeugenstand. Die Schwangerschaft 2013 bereits zu Ostern, also etwa sechs Monate vor der Geburt, die Schwangerschaft 2014 im Mai, knapp vier Monate vor der Niederkunft. „Ich konnte kaum glauben, dass niemand von den Schwangerschaften etwas mitbekommen haben will“, sagt der Beamte. „Ich erkenne eine Schwangere eigentlich schon auf 50 Meter Entfernung.“

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