Ausweg aus kritischer Finanzlage

Niederschelden..  Die sinkende Zahl von Gemeindegliedern und damit verbundene finanzielle Einbußen zwingen den Evangelischen Kirchenkreis Siegen die Kirchengemeinde Niederschelden auf einen Standort zusammen zu ziehen. Das betrifft auch hauptamtliche Mitarbeiter der Gemeinde. Entlassungen wird es nicht geben, weil die Angestellten freiwillig ihre Arbeitszeiten reduzieren und so eine volle Stelle einsparen.

Ausgaben höher als Einnahmen

Zum letzten Mal begann am vergangenen Sonntag ein Gottesdienst im Gemeindezentrum Neue Dreisbach mit Pfarrerin Susana Riedel-Albrecht und in Niederschelderhütte mit Pfarrer Rolf Fersterra, die im Beisein der Gemeindeglieder die Gottesdienststätten entwidmeten. Danach machten sich die Gemeindeglieder auf den Weg zum Kirchberg in Niederschelden, wo in der Evangelischen Kirche der Gottesdienst fortgesetzt wurde.

Künftig ist die Ev. Kirche Niederschelden und die angrenzenden Gemeinderäume sowie das Pfarrhaus mit dem Gemeindebüro das Zentrum, wo sich die Gemeinde zum Gottesdienst sammelt und wo die vielen Gruppen und Kreise ihr neues Zuhause haben. Gottesdienste, Chöre, Jungscharen, Konfirmanden, Mädchenkreise, Frauenhilfen, Gymnastikgruppen sind nur einige der 30 Gruppen, die die Räume benutzen. Pfarrer Dr. Christoph Burba: „Alle müssen gemeinsam neu anfangen. Alle Gruppen müssen sich verändern. Alle müssen ihren neuen Platz erhalten.“

Begonnen hat das Zusammenwachsen der drei Gemeindebezirke vor acht Jahren. Damals empfahl der ehemalige Pfarrer für Gemeindeentwicklung Jürgen Dusza, nicht mehr drei, sondern ein Gemeindefest im Jahr zu feiern, um stärker aufeinander zuzugehen.

Vor zweieinhalb Jahren wurde deutlich, dass der Kirchengemeinde ein Haushaltssicherungsverfahren drohte. Die Ausgaben waren höher als die Einnahmen. Unter Mithilfe des Kreiskirchenamts wurde eine mittelfristige Finanzplanung erarbeitet. Alle Einnahmen und Ausgaben kamen auf den Prüfstand. Einsparungen wurden beschlossen. In vier Jahren will man wieder schwarze Zahlen schreiben. Die Unterhaltung der beiden Gemeindezentren kostete jährlich 80 000 Euro.

Pfarrstellen bis 2018 reduziert

Zurzeit stehen der Gemeinde noch zweieinhalb Pfarrstellen zur Verfügung. Ab 2018 sind es nur noch zwei, Tendenz sinkend. Auch die Pfarrstellen sind an die Gemeindegliederzahlen gebunden. Pfarrstellen müssen allerdings nicht aus dem Gemeindehaushalt finanziert werden. Ein Förderverein mit 100 Mitgliedern und dem Kreis „Gemeinde gemeinsam tragen“ mit etwa 180 Mitgliedern unterstützt die Gemeinde. Betroffen von der Schließung sind aber auch der Gemeinde nahestehende Organisationen, wie die Gemeinschaft, die Sonntagsschule oder das Blaue Kreuz.

Die Pfarrhäuser bleiben in den Seelsorgebezirken bestehen, sodass der Kontakt der Pfarrerin und des Pfarrers zu den Gemeindegliedern und umgekehrt ortsnah gepflegt werden kann, so der Kirchenkreis Siegen. Was mit den nicht mehr genutzten Gemeindezentren geschieht, steht noch nicht fest.