Aus einem Eimer in das kühle Nass der Sieg entlassen

Siegen..  Die Augen zusammengekniffen schauen die Jungen und Mädchen in die schwarzen Boxen. Kleine Lachse tummeln sich darin, schwimmen übereinander und drängen sich am Rand, als würden sie merken, dass bald etwas passiert. „Die werden ganz schön lebendig“, sagt Fischereibiologe Gerhard Feldhaus. Er brachte die kleinen Lachse mit zur Marinekameradschaft. Heute sollen sie in der Sieg ausgesetzt werden.

An das neue Wasser gewöhnen

Das übernimmt die Lachs-AG des Gymnasiums auf der Morgenröthe. Mit Lisa Hofius, Betreuerin der Lachs-AG, haben sie gelernt, wie man die Fische artgemäß in der Sieg aussetzt. Marion Meitzner von der Stiftung Wasserlauf erklärt: „Die Lachse sind sehr empfindliche Tiere. Sie werden relativ kühl gehalten und müssen temperiert werden, damit sie sich an das neue Wasser gewöhnen.“ Seit zehn Jahren setzt sich die Stiftung Wasserlauf NRW für gesunde Gewässer und natürliche Fischbestände in NRW ein. Innerhalb des Leuchtturmprojekts „Finne – Fischwelt in NRW neu entdecken“ werden Schulklassen aus der Region über „Lachspatenschaften“ mit wandernden Fischarten und dem Gewässerschutz vertraut gemacht. Zwölf Schüler schlüpfen nun in Gummistiefel und Wasserhose.„Die ist mir viel zu groß“, ruft ein Junge. „Das muss ja auch nicht gut aussehen, sondern funktionell sein“, entgegnet Lisa Hofius. Die ersten platschen schon durch die Sieg. Gerhard Feldhaus füllt die Lachse in einen weißen Eimer. Ganz vorsichtig, mit kleinem Fischernetz. Langsam tappen die Kinder dann in die Sieg. Der Untergrund ist uneben und das Wasser ganz kalt. Umsichtig müssen die Kinder den Eimer ins Wasser lassen, dürfen dann mit den Händen nachhelfen, um die Lachse ins Wasser zu scheuchen.

Lachse unterwegs zum Nordatlantik

„Jetzt sind die Fische noch sehr klein, aber innerhalb von vier bis fünf Jahren wachsen sie aus“, erklärt Marion Meitzner. Wenn sich die kleinen Lachse an ihre Umgebung gewöhnt haben, schwimmen sie Richtung Rhein und Nordatlantik. Erst wenn sie geschlechtsreif sind, kehren sie wieder an ihre Geburtsstätte zurück. Marion Meitzner: „Das ist oft aber schwierig, weil Wärmedämme oder andere Hindernisse ihnen den Weg versperren.“

Die Sieg ist eine der bedeutendsten Lachsgewässer in NRW.