Aus dem Film auf die Freilichtbühne Freudenberg

„Die Drei von der Tankstelle“ und ihre erste Kundin.
„Die Drei von der Tankstelle“ und ihre erste Kundin.
Foto: Michael Kunz
Was wir bereits wissen
60 Jahre Südwestfälische Freilichtbühne Freudenberg: Da muss ein ganz besonderes Stück für die Erwachseneninszenierung her, hat sich Regisseurin Britt Löwenstrom offenbar gesagt.

Freudenberg.. Mit „Die Drei von der Tankstelle“ hat die Regisseurin ein Stück ausgesucht, das bislang noch nie auf einer nicht professionellen Bühne zu sehen war, wie das Programmheft verrät. Durchaus ein Wagnis in mehrfacher Hinsicht, zumal auch, wie im „Weißen Rössl“ vor einem Jahr, wieder sehr viel Gesang auf dem Programm stand. Aber, um das Ergebnis schon einmal vorwegzunehmen, Regisseurin und Ensemble haben sich glänzend geschlagen.

Frank Kölsch als Willi, Daniel Ermert als Hans und Tim Müller als Kurt zeigen, dass es auch ohne „den Rühmann“ geht. Das Trio spielt, witzelt und singt sich durch den Abend, dass es eine wahre Pracht ist. Die Ohrwürmer kennt auch nach 80 Jahren noch jeder: „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ und vor allem „Ein Freund, ein guter Freund“.

Die Geschichte dürfte ebenfalls vielen bekannt sein. Die drei Lebenskünstler kommen von einer dreimonatigen Reise zurück und müssen feststellen, dass ihr noch gewitzterer Banker mit ihrem Geld verschwunden ist, dafür auf allen Sachen der Kuckuck klebt. Willi, Hans und Kurt fliehen mit ihrem noch kuckucksfreien Auto, landen ohne Sprit bei einer alten Tankstelle „an der Landstraße nach Plittershagen“ und beschließen, ihr Glück in deren Renovierung zu suchen. Nach dem Motto, „Arbeiten? Du würdest aber auch alles für dein Geld tun!“ krempeln die drei Herren wohl das erste Mal in ihrem Leben die Ärmel so richtig hoch, nun ja, fast richtig, verlieben sich unabhängig voneinander in die süße Lilian (Anne Werner) und werden in diverse Intrigen um eine Benzinfirma verstrickt. Related content

Einfallsreiche Bühnentechnik

Britt Löwenstrom und ihre Assistentin Christina Schaab haben nicht nur die Schauspieler bestens motiviert, zu denen am Premierenabend unter anderem noch Stephan Bäumer als Lilians köstlich dröger Papa gehörte, der sich mit einer dominanten Tochter und einer auf die Hochzeit drängelnden-quengelnden Geliebten (Kathrin Krämer) herumschlagen muss, Markus Werner als genervt-verschlagener Dr. Calmus und nicht zuletzt auch Timm Feddersen und Kira Schmitt als verliebtes Pärchen.

Auch Bühnenbild und -technik, in Freudenberg ohnehin seit Jahren ein Hort innovativen Einfallsreichtums, erleben in diesem Jahr noch einmal eine Steigerung. Da wird ein Anwaltsbüro für Telefonsequenzen wie bei einem „Split-Screen“ im Kino mal eben auf die Bühne gefahren, ein Rummelplatz und ein ganzes Café zwischendurch aufgebaut, die Freudenberger lassen es gewittern und sogar regnen (wie schön, wenn sich das dann auf Wunsch auch wieder abstellen lässt!). Related content

Vor allem gibt es eine wahre Parade an Autos und Zweirädern aus den fünfziger Jahren zu sehen. Denn während die Geschichte um die trefflich „Kuckuck“ getaufte Tanke aus dem Film von 1930 stammt, wurde die Handlung des Stückes wie im Remake aus dem Jahre 1955 in eben jene schöne Zeit verlegt, als die Autos noch Form und Geist besaßen und die Worte Kleidung und Klasse auch noch mehr gemein hatten als nur den ersten Buchstaben. Allerdings lassen sich auch genau an dieser Stelle einige wenige Kritikpunkte ausmachen.

Etwa, wenn Hans alias Daniel Ermert laut überlegt, ob sich ein Auto denn im 21. Jahrhundert (!) überhaupt noch halten lasse. Oder wenn das Volltanken 50 Mark kostet, was irgendwie auch nicht mit den Literpreisen jener Jahre korrespondiert. Aber letztlich sind das Kleinigkeiten, die den Gesamteindruck nicht stören können. Zu dieser Tankstelle zu fahren, macht richtig Spaß!