Auftakt mit Kult-Status: Uni Big Band im Deuzer Bahnhof

Deuz..  Vor zwei Jahrzehnten wurde der Alte Bahnhof in Deuz als Kulturstätte eröffnet. „Lasst uns doch mal versuchen, die Uni Big Band zu holen“, hat Heinz Jürgen Göbel damals vorgeschlagen, Mitglied im Förderverein und gleichzeitig Posaunist des Orchesters. Der Versuch war erfolgreich und zugleich Beginn einer dauerhaften Freundschaft. Zum 20. Mal kamen die Musiker in das historische Gebäude, um ihr Semestereröffnungskonzert zu spielen, wie gewohnt bei freiem Eintritt.

Diesmal lag wieder Schnee vor der Tür. Dafür war es im Bahnhof ordentlich warm, nicht zuletzt wegen der gewohnt vielen Besucher. Die bekamen eine Mischung aus überwiegend bekannten Stücken serviert, vornehmlich von Bob Mintzer, nachdem Bandleader Martin Reuthner seine Musiker durch den inzwischen auch schon traditionellen Auftakt mit Thad Jones’ „Groove Merchant“ gesteuert hatte, der stets Gelegenheit für die verschiedensten Soli gibt.

Zusage für die nächsten Jahrzehnte

Es folgte die gewohnte Begrüßung im Alten Bahnhof, diesmal durch Fördervereinsmitglied Udo Siebel als Nachfolger des erkrankten Heribert Lüning. Siebel bekam sogleich das Versprechen Martin Reuthners, dass die Deuzer auch „für die nächsten 20 oder 100 Jahre“ in der ersten Februar-Woche mit der Big Band rechnen dürfen. Dann ging es weiter im „Incredible Journey“ überschriebenen Programm, mit Arrangements von Herbie Hancock, Bob Brookmeyer, Lee Morgan, John Coltrane und nicht zuletzt dem bluesigen „Splanky“, das „Batman“-Komponist Neal Hefti einst für den großen Count Basie geschrieben hatte. Das gab Martin Reuther zugleich Gelegenheit, das Publikum auf das neue Programm der Band einzustimmen. Die Swingfans seien bislang ein wenig zu kurz gekommen. Es werde „einen harten Schnitt“ geben, kündigte er für den 16. August ein großes Count Basie-Konzert am Forsthaus Hohenroth an.

In Deuz konnten sich die Fans einmal mehr an Michael Lindes Sax-Solo bei Coltranes „Naima“ erfreuen, an der „Santana“-Gitarre von Claus-Peter Fritzen, an den Leistungen der „Veteranen“ Achim Weiß (Piano) und Ulli Vollmer (Drums), aber auch an den jüngeren Saxofon-Talenten, wie Dan-Silas Scheidt am Alt oder Lukas von Fugler am Bariton. Martin Reuthner stand wie gewohnt in ständigem Blick- und Zeichen-Kontakt mit seinen Musikern, ließ Michael Linde mal „etwas höher“ und Trompeter Ingo Gieseler später „etwas tiefer“ spielen, genoss die Leistungen seiner Schützlinge und ließ seine eigenen Trompetenkünste vor allem bei „Commencar de Novo“ aufblitzen. Im fünften Jahr nach Reuthners Übernahme des imaginären Taktstocks zeigt sich die Big Band spielfreudiger denn je.