Aufregung über Rektoren-Abschied

Heile Welt präsentieren die Stahlberg-Grundschüler im Sommer 2014 der Wettbewerbskommission „Unser Dorf hat Zukunft“. Dass sich dunkle Wolken zusammenbrauen würden, war da hinter den Kulissen längst bekannt.
Heile Welt präsentieren die Stahlberg-Grundschüler im Sommer 2014 der Wettbewerbskommission „Unser Dorf hat Zukunft“. Dass sich dunkle Wolken zusammenbrauen würden, war da hinter den Kulissen längst bekannt.
Foto: WP

Hilchenbach..  Das „Gegrinse“ der beteiligten Akteure für das auch in dieser Zeitung veröffentlichte Foto bringt für FDP-Fraktionschef Ernst Heinrich Hofmann das Fass zum Überlaufen: „Man lässt uns im Regen stehen.“ Denn die Freude, mit der Jochen Schreiber als scheidender Rektor der Eichen/Littfelder Adolf-Wurmbach-Grundschule seinen Nachfolger präsentierte, wird in der Nachbarstadt keineswegs geteilt. Mit dem Weggang von Thomas Bosch verliert die Stahlberg-Grundschule zum Halbjahreswechsel ihren Rektor. Zugleich warf aber auch seine Stellvertreterin die Brocken: Die Konrektorin habe sich „entpflichten“ lassen, berichtete Fachbereichsleiter Werner Krönert im Rat.

Die Verwaltung habe gegenüber der Bezirksregierung ihr „Unverständnis“ geäußert und verlangt, die Rektorenstelle „in jedem Fall“ zum neuen Schuljahr zu besetzen. „Wir hätten erwarten können, dass wir beteiligt werden“, kritisierte Krönert die „ganz unglückliche Entscheidung“. Denn nach den Sommerferien werden auch zwei Klassen aus der dann geschlossenen Grundschule Allenbach in Müsen integriert.

Kaufmann: Stadt ist selbst schuld

Bereits für diesen Freitag ist ein Krisentreffen mit Schulleitungen und Schulaufsicht im Rathaus geplant. Dann dürfte es darum gehen, wem die Leitung der Müsener Schule übertragen wird — einzige etatmäßige Grundschulleiterin im Stadtgebiet ist noch Anja Koch. Bevor sie ihren Dienst an der Florenburgschule antreten konnte, musste Thomas Bosch die Schule schon von Müsen aus mitsteuern. Die Allenbacher Grundschule wird in ihrem letzten Jahr kommissarisch von der Kredenbacher Konrektorin Sandra Klein geleitet. Andernorts nutzt die Schulaufsicht solche Vakanzen, die Bildung von Schulverbünden anzuregen. Das spart eine Rektorenstelle und ermöglicht der Schule, gleichmäßig große Klassen zu bilden. Sie entscheidet dann selbst, an welchem Teilstandort ein Kind eingeschult wird.

Helmut Kaufmann (SPD) erinnerte daran, dass der Versetzung des Rektors zum Halbjahreswechsel „ein ganz normales Bewerbungsverfahren“ vorausgegangen sei. „Wenn einer keine Lust mehr hat, dann soll er gehen“, kommentierte Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab den Vorgang. Dass er für sich keine Zukunft mehr in Müsen sah, hatte Thomas Bosch aber schon vor fast zwei Jahren klar gemacht. Da hatte der Rat beschlossen, das Allenbacher Grundschulgebäude dem Elternverein zu überlassen, der dort nun mit der bilingualen „b school“ startet. Sorge beider städtischer Grundschulen: Die Kinder, die dort zur Schule gehen, würden ihnen fehlen.

„Voreilig“ sei die Schließung der städtischen Grundschule beschlossen worden, sagte Ernst Heinrich Hofmann (FDP), „nicht zielführend“ seien „unsere Beschlüsse“ gewesen — allerdings war es die damalige FDP-Stadtverordnete und Schulausschussvorsitzende Marianne Feindler-Jungbluth, die das b-school-Projekt ausdrücklich unterstützt hatte. Helmut Kaufmann (SPD) ließ durchblicken, dass er die nun entstehende Empörung für unangemessen hält: „Wir haben doch kein Interesse an der Grundschule Müsen gezeigt.“

Rechnungen mit Unbekannten

84 Kinder wurden im Herbst als Lernanfänger für das Schuljahr 2015/2016 angemeldet. 52 in Hilchenbach und 32 in Müsen. Müsen könnte somit soeben zwei Eingangsklassen bilden. Neun Kinder waren aber zugleich auch an der privaten b school in Allenbach vorgemerkt. Und weitere neun noch nirgendwo.