Auf ein Bier mit einem Siegener

Siegen..  Im Hintergrund läuft leise Musik, irgendein Radiosender. Die dunkeln Wände des Camelot sind voll mit Bildern, über der Bar hängen alte Fotos und Geldscheine unter den bunten Glasfenstern. Draußen scheint die Sonne und Thomas Wied kneift ein bisschen die Augen zusammen. Er sitzt am Fenster der kleinen Bar und schaut hinaus auf die Oberstadt. Mit seinem Hemd, der Baskenmütze und dem Gitarrenkoffer passt er gut in seine Umgebung. Ein bisschen rockig und ziemlich lässig eben. Irgendwann steht ein Bier vor ihm auf dem Tisch und er beginnt zu plaudern. „Ich wohne in Eiserfeld. Seit der vierten Generation bin ich Siegerländer. Zwischenzeitlich habe ich in Siegen gewohnt, während des Studiums.“ Sozialwissenschaften hat er studiert, arbeitet jetzt als Transferberater. Er redet nicht lange über seine Arbeit sondern kommt schnell auf ein Thema, das man über einem Bier gut diskutieren kann: Fußball. „Ich bin aktiver Fußballgucker. Heimischen Fußball finde ich interessanter als Bundesliga“, sagt er und bekennt sich im gleichen Atemzug dazu, Fan von den Sportfreunden Siegen zu sein. Er trinkt einen Schluck. „Leider ist es so, dass man wenige Menschen findet, die sich regionalen Fußball anschauen, obwohl man doch einen guten Verein vor der Nase hat“, bedauert der Dauerkarteninhaber. Eine Zeit lang habe er sich die Spiele jedes Wochenende angeschaut, aber durch verschiedene Verpflichtungen würde das nicht immer klappen. Ein Popsong aus dem Radio später spricht Thomas Wied selbst über Musik, seine zweite Leidenschaft neben dem Sport. „Ich hatte immer eine Band, bestehend aus Siegener Jungs“, erzählt er. Aktuell habe er etwas Neues von dem er hoffe, das es bis zum Ende des Jahres bühnenreif sei. „Wir machen Indie-Rock-Schrammel-Musik mit Punk-Rock-Attitude. Nichts großartig filigranes“, beschreibt er den Musikstil seiner Band. Er redet noch weiter über Musik, das Texte schreiben, die Schwierigkeiten mit eigener Musik in der Region Fuß zu fassen und darüber, dass Siegen nicht gerade eine Medienhauptstadt ist. Irgendwann kommt er auf die Stadt zu sprechen, seine Heimatstadt. „Siegen ist eine Universitätsstadt, ja. Ich weiß nicht, ob ich es auf die Ortsschilder geschrieben hätte, vielleicht hätte ich da lieber Krönchenstadt drauf geschrieben“, lacht er. Er habe gerne in Siegen studiert, erinnert sich noch daran wie es war, auf den Gängen der Uni zu rauchen. Doch jetzt weiß er nicht mehr genau, wie der Campus aussieht, sei lange nicht mehr dort gewesen. „War schön damals“, schiebt er hinterher und nickt in Gedanken. Er hat noch nie woanders als in Siegen gewohnt. Darüber nachgedacht, das habe er. Er sei gerne in Berlin oder Hamburg, aber „die Städte sind nur so toll, weil ich immer wieder zurückkommen kann“, sagt er und trinkt noch einen Schluck. Das seien doch auch nur Städte. Thomas Wied zuckt mit den Achseln. Er kennt die Vorurteile, die Auswärtige gegenüber Siegen hegen: „Es fängt bei banalen Dingen an, wie es geht nur bergauf, es regnet nur, der Siegerländer ist unfreundlich, er ist stur... Manchmal gibt es Tage an denen ist nichts los, natürlich gibt es das auch, aber wenn man sich mal darauf eingelassen hat, ist Siegen super sympathisch.“ Sein Glas ist leer, aber Thomas Wied hört trotzdem nicht auf, über Siegen zu reden. Im Hintergrund läuft ein alter Popsong, Gläser klirren. „Das Heimatgefühl zu beschreiben ist schwierig, entweder man hat es oder es ist nicht da. Ich glaube nicht, dasss man das irgendwie erlernen kann“, überlegt er und fährt sich mit der Hand durch das Gesicht. Er unterscheidet zwischen Heimat und einem Zuhause. Heimat, das sei dort wo man zurückgehen, wo man sich gut fühlen könne und solle. Für ihn sei es das typische Klischee, das Siegen zu einer Heimat für ihn mache, das Gemeinschaftsgefühl eben. „Ich weiß nicht, ob ich in Berlin eine Freundschaft von der fünften Klasse ab aufrecht erhalten könnte...“ Dann steht er auf, bezahlt und schultert seinen Gitarrenkoffer, verschwindet wieder in den Straßen der Oberstadt. Ein Siegener unter Siegenern.

Heute: Thomas Wied aus Siegen

Nächster Teil: Marliese Neuser und Christhilde Wagener aus Walpersdorf