Auf den Spuren der Vorfahren
26.01.2011 | 19:05 Uhr 2011-01-26T19:05:00+0100Kreuztal. Amitai Meir und seine Ehefrau Edna Spivak sind in diesen Tagen Gäste der Stadt Kreuztal. Das in der Nähe von Tel Aviv lebende Ehepaar wird dabei sein, wenn Kreuztal am heutigen Donnerstag des jüdischen Jungen Fred Meier gedenkt, der als Dreijähriger von den Nazis aus Littfeld deportiert und ermordet wurde. Amitai Meirs Großvater war Hugo Meier, der Onkel des kleinen Fred.
Gerade für die älteren Littfelder ist Hugo Meier, einer der jüdischen Metzger aus dem Ort, noch gegenwärtig, weiß Martin Fick, Vorsitzender des Heimatvereins Littfeld-Burgholdinghausen: „Es gibt so viele Geschichten.“ Und manche von denen werden in den nächsten Tagen wohl erzählt, wenn die Besucher sich auf die Littfelder Spuren ihrer Vorfahren begeben. „Eine Chance auch für den Austausch über die Gegenwart“, glaubt Bürgermeister Walter Kiß, der die Gäste am Mittwoch in der Weißen Villa begrüßt hat, „ohne die Vergangenheit zu vergessen.“
Buch kommt in einigen
Monaten heraus
Seit Monaten arbeitet der Siegener Historiker Dieter Pfau an der Geschichte der Juden im Amt Ferndorf; seine Recherchen führten schließlich auch nach Tel Aviv. Die dortige Friedhofsverwaltung ermöglichte den Kontakt zu den Nachkommen Hugo Meiers; kurz darauf sprach die Stadt ihre Einladung aus. „Unwirklich“ sei ihm das vorgekommen, berichtet Amitai Meir. Er habe das Dokument erst einmal bei der deutschen Botschaft überprüfen lassen.
Heute wird in der Littfelder Kapellenschule eine Ausstellung mit Ergebnissen der historischen Erforschung eröffnet. Das geplante Buch muss noch ein paar Monate warten. Denn Dieter Pfau wird nun noch eine Vielzahl von Dokumenten auswerten, die Amitai Meir aufbewahrt hat, unter anderem die Heiratsurkunde des Großvaters, in der, wie in Israel üblich, Hugo Meiers Herkunft und Lebenslauf festgehalten sind. Auch Fotos kommen hinzu, die in Littfeld aufgenommen wurden. Pfau: „Jetzt gelangen wir endlich auch an private Dokumente.“
Die Verbindung der Littfelder zu Hugo Meier, einem der beiden einzigen Überlebenden der drei Familien Meier, ist nie abgerissen. Von 1949 bis 1951 kehrte Hugo Meier nach Littfeld zurück, um die Rückübertragung des von den Nazis geraubten Eigentums zu regeln. Bis in die 1980er Jahre haben persönliche Kontakte nach Israel bestanden. Amitai Meir selbst war erst fünf, als Hugo Meier starb. Onkel und Großmutter hätten ein wenig erzählt über die deutsche Herkunft der Familie, berichtet Meir. Alon Sander, Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Siegen, übersetzt: „Sein Vater hat nicht viel darüber erzählt.“ Nun wird der heute 30-Jährige sich selbst ein Bild machen. Fred Meier wäre sein Großcousin gewesen.
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