Auf den Roten Platz statt in die Kita

Kita-Streik: Verdi-Kundgebung in Kreuztal
Kita-Streik: Verdi-Kundgebung in Kreuztal
Foto: WP

Kreuztal..  Die zweite Woche des Streiks im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst: Um die 110 Sozialarbeiter und Erzieher sind auch an diesem Montag wieder im Ausstand und nicht an ihren Arbeitsplätzen in den Jugendämtern, den Jugendfreizeiteinrichtungen, vor allem aber nicht in den Kreuztaler Kitas, die ein Schwerpunkt des Arbeitskampfs geworden sind. Bei Landrat Andreas Müller und dem Siegener Stadtkämmerer Wolfgang Cavelius waren die Streikenden schon am Morgen. Jetzt, gegen Mittag, kommen sie auf dem Roten Platz an.

Die Botschaften auf den Transparenten sind eindeutig. „Wir sind keine Basteltanten“, steht da. Und: „Soziale Berufe werden asozial bezahlt.“ Schließlich: „Löhne rauf, Kita wieder auf.“ Sabine Uhlenkott vom Landesbezirk der Gewerkschaft ver.di stimmt die Anwesenden darauf ein, dass das noch eine Weile dauern könnte. „Es wird auch nach Pfingsten weitergehen müssen“, sagt sie, „wir haben viel zu lang die Füße still gehalten.“ Nicht nur die Bezahlung stimmt längst nicht mehr, sagt Gewerkschaftssekretärin Mechthild Boller-Winkel. Ihre Kolleginnen und — wenigen — Kollegen werden in übervollen Betreuungsgruppen überfordert. „Und dann erwartet man auch noch, dass die Sprachförderung machen.“

Freie Plätze in Notgruppen

Das hören die Erzieherinnen. Aber auch Mütter und Väter, von denen einige sich mit ihren Kindern zu der Kundgebung dazugesellen. Eine Mutter ist zu Hause geblieben, um ihr Kind zu betreuen. Eine andere ist froh, dass es im Eichener Regenbogen die Initiative des Elternrats gibt, eine von Müttern betreute Notgruppe anzubieten: „Da habe ich einen Platz.“

Eines der wenigen Elternpaare auf dem Platz kann die jetzige Situation entspannt verfolgen, weil nur ein Partner berufstätig ist. Die Forderung der Streikenden sei „absolut gerechtfertigt“, sagt der Vater. Nicht ganz so entspannt ist Sarah Bub, die kurz vor Streikbeginn im Namen einer Elterninitiative Bürgermeister Walter Kiß aufgesucht hat, damit der mäßigend auf die Tarifparteien einwirke. „Meinen Arbeitgeber interessiert das nicht.“

Die Sorge, dass die Stimmung sich gegen sie wenden könnte, ist den Streikenden gegenwärtig. „Die Eltern werden zu Spielbällen gemacht“, fürchtet Gewerkschaftssekretär Michael Schnippering. „Das Verständnis überwiegt. Aber wer weiß, wie lange.“ Um diesen Zeitpunkt zumindest hinauszuzögern, laden die Streikenden die Elternräte wöchentlich zu Informationsveranstaltungen ein. Und sie suchen Bündnispartner: In dieser Woche werden sie die Kollegen bei der AWO aufsuchen, die vergleichbare Jobs machen, ohne nach dem kommunalen Tarif bezahlt zu werden. Und die Berufsfachschule, wo der Nachwuchs für ihren Beruf ausgebildet wird. Einen schlecht bezahlten, in dem Teilzeit- und befristete Jobs dominieren, stellt Sabine Uhlenkott fest und warnt: „Kaum noch jemand will den Job machen.“

Von ihren Kreuztaler Eltern müssen die Erzieherinnen keinen Gegenwind befürchten: Zumindest am Montagmittag hatte Amtsleiter Michael Wurmbach sogar noch zwei freie Plätze in den Kita-Notgruppen zu vergeben. Am Rednerpult wünscht Stadträtin Edelgard Blümel den Kolleginnen eine baldige Lösung des Konflikts. „Vielleicht haben Sie sogar schon ein bisschen zu lang gewartet.“ Marc Hofmann, Erzieher in der Krombacher Kita, hat ein Päckchen für die Sozialdezernentin. Schokolade ist drin. Merci heißt Danke.

505 Betreuungsplätze vom Streik betroffen

Von den 667 Plätzen in den zwölf städtischen Kitas stehen derzeit 505 nicht zur Verfügung. Für die betroffenen Kinder werden bis zu 80 Plätze in drei Notgruppen vorgehalten, die wochenweise vergeben werden.

Drei Kitas mit 162 Plätzen sind weiterhin regulär geöffnet.