Arzt soll Patientin betatscht haben

Ein Mediziner muss sich derzeit vor dem Amtsgericht in Siegen verantworten.
Ein Mediziner muss sich derzeit vor dem Amtsgericht in Siegen verantworten.
Foto: WR
Was wir bereits wissen
Ein Mediziner muss sich derzeit vor dem Amtsgericht in Siegen verantworten. Der Vorwurf: Er soll sich einer Patientin unsittlich genähert haben.

Siegen..  Es klingt wie ein Alptraum jeder Patientin. Der Arzt nutzt die hilflose Lage seines weiblichen Gegenübers aus und greift unsittlich zu.

Das wirft Oberamtsanwalt Benjamin Schneider einem Mediziner aus dem Siegerland vor. Er soll einer 56-Jährigen während einer Akupunktursitzung an die Brust gefasst haben. Zudem hat er laut Anklage gesagt: „Wer so einen großen Busen hat, hat eben Rückenschmerzen.“ Und er soll ihr auf andere Art verbal näher gerückt sein, als es sich gemeinhin gehört und es das Gesetz erlaubt. Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses nennen das die Juristen.

Das mutmaßliche Opfer hat eine schwere Zeit hinter sich. Probleme in der Familie, Tod eines nahestehenden Menschen, Schmerzen. Sie ist in psychologischer Behandlung, sagt die 56-Jährige am Mittwoch vor Amtsrichterin Nena Roeske. Ihr Arzt rät ihr zur Akupunktur. Ein Kollege gilt als Kapazität auf diesem Gebiet.

Schon in einer der ersten Sitzungen soll der Mediziner auf unflätige – aber noch verbale – Art und Weise zudringlich geworden sein. Trotzdem geht sie zur nächsten Sitzung wenige Tage später.

Sie liegt in Slip und BH auf der Behandlungsliege, sagt sie, und fragt, warum die Akupunktur bislang noch keine Wirkung zeigt. Da fasst der Arzt zu und spielt auf die Größe ihrer Brust an, wiederholt sie die Anschuldigungen von Oberamtsanwalt Schneider. Später erzählt sie ihrem Mann von diesem Nachmittag und vertraut sich einer Sprechstundenhilfe an.

Verfahren ausgesetzt

Und der Beschuldigte? Er streitet die Vorwürfe ab. Zumindest hegte er keine sexuellen Absichten, betont er. Bei der Akupunktur müsse man immerhin überall dort anfassen, wo der Schmerz sitzt. „Wegen Brustschmerzen ist sie zu mir gekommen.“ Das verneint das mutmaßliche Opfer: „Wenn ich Brustschmerzen habe, gehe ich zum Gynäkologen.“ Und: Die Brust werde nicht akupunktiert, sagt der Kollege des Beschuldigten: „Es gibt also keine Veranlassung, sie anzufassen.“

Allerdings gibt es Unstimmigkeiten in Bezug auf den Tattag. Schon in der Anklage ist Mal vom 8. Februar 2013 und Mal vom 8. Februar 2014 die Rede. Ist es 2013, dann könne an den Vorwürfen nichts dran sein, meint Rechtsanwältin Nicola Veit.

Ihr Mandant legt ein Schreiben des St. Marien-Krankenhauses vor, wonach er vom 31. Januar bis 10. Februar 2013 in stationärer Behandlung an der Kampenstraße war.

Die Aufzeichnungen aus der Arztpraxis, wo der Mediziner sozusagen als Gast seine Akupunkturbehandlungen vornahm, liegen am Mittwoch nicht vollständig im Gerichtssaal vor. Was vorhanden ist, wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet.

Amtsrichterin Nena Roeske setzt das Verfahren aus: „Es sind weitere Ermittlungen nötig“, sagt sie. Wann der Prozess wieder aufgenommen wird, ist indes noch offen.

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