Arbeitgeber finden Forderungen „unrealistisch“

In der ersten Tarifrunde der NRW-Metall- und Elektroindustrie wird der Funke wohl nicht überspringen: Sowohl Gewerkschaft als auch Arbeitgeber gehen von längeren
In der ersten Tarifrunde der NRW-Metall- und Elektroindustrie wird der Funke wohl nicht überspringen: Sowohl Gewerkschaft als auch Arbeitgeber gehen von längeren
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Tarifverhandlungen der NRW-Metall- und Elektroindustrie starten am Donnerstag in Siegen. Im Vorfeld ist klar: Die Vorstellungen gehen deutlich auseinander.

Siegerland.. Die Forderungen, mit denen die IG Metall am Donnerstag im Haus Patmos in Geisweid in die Tarifverhandlungen der NRW-Metall- und Elektroindustrie einsteigt, gehen dem Verband der Siegerländer Metallindustriellen (VdSM) deutlich zu weit. „In Umfang und Höhe halten wir das Paket für unrealistisch“, sagt VdSM-Geschäftsführer Dr. Thorsten Doublet.

„Die Entgeltforderung ist überzogen.“
Arbeitgeberposition zum Thema Lohnerhöhung um 5,5 Prozent.


Der Ruf nach 5,5 Prozent mehr Entgelt „geht an der realen Lage vorbei“, betont Doublet. „Verteilt werden kann nur das, was auch erwirtschaftet wird.“ Die Konjunkturaussichten für 2015 hätten sich im Metall- und Elektrobereich „eingetrübt“. Vor allem die Nachfrage aus dem Ausland sei problematisch, gedämpft durch internationale Konflikte wie den in der Ukraine und im Nahen Osten oder die Situation in konjunkturschwachen Euro-Ländern wie Italien. Überdies summieren sich nach VdSM-Angaben die Tariferhöhungen der Jahre 2012 bis 2014 bereits auf rund 10 Prozent. Erschwerend komme hinzu, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht einheitlich sei. Während es einigen Unternehmen besser gehe, stünden andere schwächer da: „Es gibt viele unternehmensspezifische Konjunkturen. Eine generelle Branchenentwicklung wird schwieriger vorauszusagen.“ Um die Engpässe zu überbrücken, werde deshalb auch die Zahl der Firmen, die Kurzarbeit anmelden, in der näheren Zukunft steigen.

„Weiterbildung ist in den Unternehmen längst gelebter Alltag“.
Arbeitgeberposition zur Einführung einer Bildungsteilzeit.


Großer Konfliktpunkt in den Verhandlungen dürfte die gewerkschaftliche Forderung nach so genannter Bildungsteilzeit werden. „Einen einklagbaren Anspruch auf allgemeine Weiterbildung halten wir für überflüssig“, sagt Doublet. Die Weiterqualifizierung von Mitarbeitern sei „längst gelebter Alltag. Wie sonst könnten wir so viele Weltmarktführer haben?“ Rund 86 Prozent der Unternehmen böten bereits entsprechende Maßnahmen an, fast 75 Prozent dieser Weiterbildungen erfolgten während der Arbeitszeit.

„Das liegt im ureigensten Interesse der Unternehmer. Aber die Weiterbildung muss betrieblich orientiert sein. Wir sind gegen einen Anspruch abseits des betrieblichen Bedarfs.“ Ein grundlegender, einklagbarer Anspruch, so die Befürchtung des VdSM, könne beispielsweise dazu führen, dass Mitarbeiter sich auf Kosten ihres Arbeitsgebers weiterqualifizieren – und nach Abschluss der Maßnahme zur Konkurrenz wechseln.

„Unser Anliegen ist es, Arbeitskräfte möglichst lange zu halten.“
Arbeitgeberposition zum Ausbau der Altersteilzeit.


Die Erweiterung der Möglichkeiten zur Altersteilzeit, die die Gewerkschaft durchsetzen will, kommt bei den Unternehmern ebenfalls nicht gut an. „Altersteilzeit soll ein Instrument sein, damit Menschen bei gesundheitlichen Problemen früher aussteigen können – aber nicht, wenn sie einfach früher aufhören möchten“, argumentiert Doublet. Die Erfahrung der älteren Belegschaft sei wichtig und gerade in Anbetracht des Demografischen Wandels und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels unverzichtbar.

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