„Apollo10“ startet am Samstag
23.09.2010 | 18:42 Uhr 2010-09-23T18:42:00+0200
Siegen.„Apollo10“ – ein attraktiver Name für eine neue Attraktion des Siegener Theaters. Der Apollo-Saal fasst gut 500 Besucher, das Apollino 150. Mit Apollo10 gibt es nun einen Raum, in dem etwa 300 Menschen Platz haben.
Dafür musste nicht neu gebaut werden. Es genügte, das Vorhandene zu unterteilen – durch einen großen Vorhang, der über entsprechendes Gestänge variabel zu handhaben ist.
Das klingt einfach, verlangte aber von Bühnenmeister Robert Schäfer und seinen Mitarbeitern viel Fantasie, Fleiß, Handwerksgeschick und dazu noch Glück bei einer Internetversteigerung, damit das Ganze bezahlbar blieb. Unterm Strich: 17 000 Euro.
Ästhetik und Akustik durften dabei nicht leiden, und die komplizierten Sicherheitsbestimmungen forderten Respekt. Der Name „Apollo10“? Ganz banal: Abtrennung nach der 10. Reihe. Eigentliche Motivation: ein praktisches Angebot für Apollo-Gäste, die einerseits die komplette Bühnentechnik nutzen möchten, andererseits lieber vor kleinerem Saal spielen würden. Zudem die richtige Atmosphäre für Kammerkonzerte und Kammerspiele.
Liebe im Internet
ohne vis-a-vis-Kontakt
Ein solches Kammerspiel ist die neue Eigenproduktion „Gut gegen den Nordwind“, ein Schauspiel von Daniel Glattauer und Ulrike Zemme. Das Zweipersonenstück hat am Samstag ab 19 Uhr Premiere. Eine Liebesbeziehung per E-Mail. Damit beginnt eine Apollo-Trilogie, die im Laufe dieser Spielzeit ihre Fortsetzung findet mit „Love Letters“ und „SMS Liebe“.
In „Gut gegen den Nordwind“ spielt ein Druckfehlerteufelchen den Liebesgott. Judith van der Werff und Jan Becker stellen die beiden Personen dar. Sie agieren in einem zweigeteilten Bühnenbild (Petra Georg-Achenbach), in dem jeder sein eigenes Revier hat, ihres weiblich, seines männlich ausgestattet. Sie haben keinen physischen Kontakt, sie begegnen sich nicht – sie schauen sich nicht einmal an.
Rasante Dialoge auf
der Datenautobahn
So wollen es die beiden Autoren, die selbst aus ihrem Erfolgsroman ein Bühnenstück gemacht haben. Die verknappten Auszüge aus den E-Mail-Botschaften des Romans erlauben rasante Dialoge, deren Stimmungswechsel in den schnell aufeinanderfolgenden Sequenzen von Beleuchtungseffekten unterstützt werden.
Es ist Sache des Regisseurs Mario Andersen, aus dem Feuerwerk der Dialoge Theater für Zuschauer zu machen. Wenn ihm das so erfolgreich gelingt wie in der vorigen Spielzeit mit „Der Gott des Gemetzels“, dürfen sich Apollo-Freunde in neuer Umgebung auf ein interessantes Bühnenerlebnis freuen – gemäß dem Saison-Motto „Virtuosen der Liebe“.
0mitdiskutieren