Annäherung an ein Musik-Wunder

Siegen..  Sie haben die Musikwelt des letzten Jahrhunderts auf den Kopf gestellt, die Beatles, die fabelhaften Vier. Dabei dauerte ihre Karriere gerade mal zehn Jahre, von 1960 bis 1970, wobei sie ihr letztes Konzert im August 1966 in San Francisco gaben. Ihre späteren Songs waren durch bis zu 120 Streicher und Bläsergruppen so aufwändig produziert, dass sie für Livekonzerte unspielbar wurden. Vor allem ihre frühen Titel haben eine Unkompliziertheit und Frische, dass sie ein dankbares Betätigungsfeld für die unzähligen Beatles-Cover-Bands sind. Doch dazu später.

Famose Darsteller und Musiker

Die Beatles begreifen sich zunächst als Rock’n’Roll-Band, die vorwiegend Titel von Chuck Berry, Buddy Holly und Elvis Presley spielen. Ihre Erfolge sind bescheiden. So bekommen sie in Hamburg pro Abend 40 DM als Begleitband von Tony Sheridan. Ihr Manager: Bert Kämpfert, später erfolgreicher Orchesterchef. Der Durchbruch geschieht durch Brian Epstein, den neuen Manager, und den ersten mit ihm produzierten Titel „Love me do“. Der Erfolg ist so riesig, dass Epstein sofort eine LP nachschießen lässt. Elf Songs an einem Tag. Mehr Stücke können sie damals noch nicht.

Auch in den USA werden sie Stars. „I want to hold your hand“ wird Nummer 1 der Charts, hängt Elvis Presley ab. Eine USA-Tournee folgt. 73 Millionen Zuschauer am Fernseher und 55 000 Zuhörer in einer Arena sind gefesselt. Ein Riss geht durch die Gruppe, als Brian Epstein 1967 mit nur 32 Jahren stirbt und die Beatles meinen, sich nun selbst vermarkten zu können. Die Folge ist ein Kleinkrieg: Paul gegen die anderen Drei. Dass diese nervende, kurze Zeit bis zur Auflösung 1970 die beste, weil kreativste, wird, gehört zu den Wundern der Musikgeschichte.

Dies alles stellen vier famose Beatles-Darsteller und Musiker mit drei zusätzlichen Schauspielern auf der Bühne der Siegerlandhalle dar. Wichtige Informationen werden durch originale Filmsequenzen auf einer großen Leinwand unterstützt.

Man sieht Scharen hysterischer weiblicher Fans und ganz kurz, aber unverwechselbar, auch Prinz Charles mit vollem Haar und Milchgesicht auf dem Weg zu einem Beatles-Konzert. Im Vordergrund steht natürlich die Musik. 40 Beatles-Hits mindestens, die die Band präsentiert: Mit einem Sound, der bei geschlossenen Augen die wiederauferstandenen und wiedervereinigten Fab Four vermuten lassen. Sie, die aus zerbrochenen Familien der unteren Mittelschicht Liverpools stammen und mit ihrer Musik einen beispiellosen sozialen Aufstieg geschafft haben.

Am Ende des Abends Pauls „Yesterday“, Georges „Something“ und John mit einem seiner psychodelischen Songs, jeder Titel allein schon das Kommen wert, getoppt nur durch das gemeinsame „All you need is Love“. Und die Vier wissen damals: Das ist ihr Abgesang und ihr musikalisches Vermächtnis.

Eintrittspreise haben es in sich

Die Show als Musical anzukündigen, greift etwas zu hoch. Es war eher ein sehr unterhaltsames Beatles-Spektakel, bei dem das Publikum begeistert mitsang. Dass sich dabei unübersehbare Lücken im ohnehin nur teilweise bestuhlten Saal zeigten, ist sicherlich auch den sehr hohen Eintrittspreisen geschuldet. Die hatten wirklich Musical-Niveau.