Anklage gegen Serienbrandstifter von Siegen liegt vor

Der Serienbrandstifter in Siegen zündete unter anderem dieses Wohnmobil an.
Der Serienbrandstifter in Siegen zündete unter anderem dieses Wohnmobil an.
Foto: Jürgen Schade
Was wir bereits wissen
Zwei Kriminalfälle haben Siegen zu Jahresbeginn in Atem gehalten: Ein Brandstifter und ein Mann, der auf seine Tochter geschossen haben soll. Beide müssen sich in Kürze vor Gericht verantworten. Die Anklageschriften liegen vor. Der Prozessbeginn ist in beiden Fällen für Ende Juli vorgesehen.

Siegen.. Sechs Wochen lang terrorisiert der Brandstifter die Menschen in der Innenstadt. Er zündet zunächst Papiercontainer und Lkw-Planen an. Später steckt er auch Autos und Wohnmobile in Brand. Als der mutmaßliche Täter der Polizei am 6. Februar 2015 ins Netz geht, atmen viele Siegener auf. Ein Feuerwehrmann (39) der Freiwilligen Feuerwehr Hammerhütte gibt zu, die Brände gelegt zu haben. Geschockt reagieren seine ehemaligen Kameraden.

Denn der Brandstifter schlägt vor allem im Gebiet der Hammerhütter Wehr zu. Eine Überwachungskamera auf dem Parkplatz des Real-Markts überführt ihn am 3. Februar 2015. Auf dem Film ist das Kennzeichen seines Autos zu sehen. Begonnen hatte die Serie am Abend des 30. Dezember auf demselben Parkplatz.

Feuerteufel „Für den Fall der Eröffnung des Verfahrens ist der Prozessbeginn für den 23. Juli vorgesehen“, bestätigte ein Sprecher des Landgerichts dieser Zeitung. Das Verfahren wird wohl nur zwei Verhandlungstage umfassen. Denn der Tatverdächtige, der in U-Haft sitzt, ist geständig. 15 Mal wirft ihm die Staatsanwaltschaft Sachbeschädigung vor – die in Brand gesetzten Container. In 13 Fällen wird ihm einfache Brandstiftung an Fahrzeugen zur Last gelegt. In drei Fällen erhebt der Staatsanwalt Anklage wegen besonders schwerer Brandstiftung – deshalb, weil die angezündeten Wohnmobile zeitweise dem Aufenthalt von Menschen dienen.

Mit Pistole auf Tochter (13) geschossen

An der Grenze zwischen Weidenau und Geisweid eskaliert am Abend des 3. Februar 2015 ein Familienstreit. Der Vorwurf: Ein Mann (42) greift zur Pistole und schießt auf seine Tochter (13). Das Mädchen wird in die Wange getroffen worden. Das Projektil schlägt bis in den Hals durch. In einer Not-OP retten ihm Ärzte das Leben. Der Vater setzt sich ins Auto und fährt acht Kilometer weiter zum Haus seiner Schwiegereltern in Achenbach. Dort schießt er auf die Schwiegermutter (57) und seinen 22-jährigen Schwager. Beide überleben. Die Polizei nimmt den mutmaßlichen Täter Weidenau fest. Seitdem sitzt er in U-Haft.

In der richterlichen Vernehmung belastet das Mädchen seinen Vater schwer. Er soll zunächst auf seine Frau geschossen haben. Nachdem er sie verfehlte, habe er die Waffe auf das Mädchen gerichtet und abgedrückt. Er wollte offenbar seiner Frau verbieten, ihre Familie in Achenbach zu besuchen. „Es ist eine Frage des kulturellen Hintergrunds. Wie viel Respekt haben Frau und Tochter dem Mann entgegenzubringen?“, hatte der ermittelnde Staatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss dieser Zeitung nach dieser Vernehmung zur Motivlage des aus dem Libanon stammenden Verdächtigen gesagt.

Versuchter Totschlag in vier Fällen angeklagt

„Für den Fall der Eröffnung des Verfahrens ist der Prozessbeginn für Ende Juli vorgesehen“, bestätigt ein Sprecher des Landgerichts auch in diesem Fall. Angeklagt wird unter anderem versuchter Totschlag in vier Fällen. Der Familienvater habe gestanden, dass die Schüsse aus seiner Waffe abgegeben wurden. Im Verfahren muss geklärt werden, ob Vorsatz vorlag. In der polizeilichen Vernehmung hatte er die Schüsse als Verkettung unglücklicher Umstände dargestellt.

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