„Angst in den Köpfen nehmen“
17.01.2011 | 18:42 Uhr 2011-01-17T18:42:00+0100
Siegen-Wittgenstein.Es ist ein heimtückischer Krankheitserreger. Es stammt von afrikanischen Schimpansen und zieht seit rund 30 Jahren um die Welt: HIV.
In Deutschland infizierten sich 2010 etwa 3000 Menschen mit dem Virus, in Siegen-Wittgenstein gehen Experten von etwa 120 bis 150 Erkrankungen aus. Die Aidsberatungsstellen haben alle Hände voll zu tun.
Das war nicht immer so. Zu Beginn der 1980er Jahre war die Immunschwäche ein Thema der Drogenberatung: „Verunreinigte Spritzen waren damals das große Problem“, erläutert Katrin Bamberger, verantwortlich für Aids-Aufklärung und HIV-Tests beim Kreis. Das wandelte sich aber im Laufe der Jahre, so die Sozialpädagogin weiter, bis 1985 die erste Aidshilfe etabliert wurde. Gleichzeitig legte Gesundheitsministerin Rita Süßmuth ein Aufklärungsprogramm auf, das über die Krankheit informierte und – der vielleicht wichtigste Punkt – die Infektionswege erklärte. Denn die Reaktionen der Öffentlichkeit muteten aus heutiger Sicht seltsam und bisweilen gar hysterisch an. So verhinderten Vermieter und einige Nachbarn 1989 erfolgreich das Anbringen eines Hinweisschilds an der ersten Geschäftsstelle der Aids-Hilfe Siegen-Wittgenstein in der Weidenauer Straße.
Viel Feingefühl
Auch heute noch macht Aufklärung einen großen Teil der Arbeit in der Aidsberatung aus. Insbesondere in Schulen. „Wir haben mehr Anfragen, als wir abdecken können“, sagt Katrin Bamberger. Auffällig: „Die Jugendlichen fragen viel und sind dem Thema gegenüber offen.“ Meist aufgeschlossener als „Menschen im höheren Alter“. Trotzdem gelte es auch in den Schulen, „die Angst in den Köpfen zu nehmen“.
Seit gut 20 Jahren bietet die Aidsberatung kostenlose HIV-Antikörper-Tests. Neu hinzugekommen ist die Untersuchung auf Syphilis. „Immerhin gibt es 3000 Neudiagnosen“, sagt Katrin Bamberger. „Mann-zu-Mann-Kontakte und Prostitution“ stellten die größten Risikofaktoren dar. Das Angebot gilt vorerst nur für 2011; das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit finanziert die Aktion. Neu ist auch der HIV-Schnelltest. Das ist ein wenig Blut auf einen Teststreifen geträufelt: Nach einer halben Stunde kann eine Infektion ausgeschlossen werden. Wenn der Streifen reagiert, wird Blut entnommen und untersucht. Gewissheit herrscht nur, wenn eine mögliche Infektion mindestens drei Monate zurückliegt.
Schwerpunkt Nummer drei ist die Beratung von Menschen, die mit HIV infiziert sind. „Ein positives Ergebnis ist für die Betroffenen noch immer ein Schlag ins Gesicht.“ Trotz moderner Kombinationstherapien, die den Krankheitsverlauf zwar nicht aufhalten, aber positiv beeinflussen können. Es erfordere viel Zeit und Feingefühl, „damit Menschen wieder in ihren Alltag zurückkehren und mit der Diagnose leben können“.
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