Angeblicher Spaß endet vor Schöffengericht

Siegen..  „Der Sachverhalt ist klar“, beginnt Schöffenrichter Uwe Stark am Freitagmorgen seine Urteilsbegründung. Wobei die Geschichte eigentlich so klar gar nicht ist. Andererseits scheint es bei allen Beteiligten auf die genauen Einzelheiten aber auch gar nicht anzukommen. Das Urteil lautet ein Jahr wegen Raubes und wird zur Bewährung ausgesetzt. Proteste gibt es keine.

Klar ist der Vorfall an sich. Eine junge Frau aus Siegen wurde am 1. Mai 2013 früh um 5 Uhr von zwei Männern überfallen. Direkt vor der Tür des Gerichtsgebäudes. Staatsanwalt Markus Bender liest die Anklage vor, nach der ein Unbekannter sie zu Boden stieß, ihr das iPhone entriss und weglief. Dann soll der Angeklagte Albert G. (24) gekommen sein, der ihr die Handtasche wegnahm und ebenfalls floh. Sie folgte ihm. In seiner Wohnung wurde später in einer Jacke noch ein verbotener Schlagring gefunden.

Opfer erlitt Schädelprellung

Albert G. gibt durch seinen Verteidiger zu, das Mobiltelefon geklaut zu haben. Das passt nicht ganz zur Anklage, aber keiner widerspricht. Ebenfalls ein Kontrapunkt ist, dass der „unbekannte“ Mittäter längst feststeht und zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt wurde. Sie seien betrunken aus der Disco gekommen, sein „Kollege“ habe vorgeschlagen, dem Mädchen das Handy wegzunehmen, ergänzt G. die Angaben seines Anwalts. Er sei stark angetrunken gewesen, von Bier und Whisky, und habe „bis nach Hause nur gekotzt“. Es tue ihm leid, versichert er in Richtung des Opfers. Der Schlagring sei nur im Besitz des Mandanten gewesen, habe ihm nicht gehört, fügt der Verteidiger an und regt diesbezüglich Einstellung an. „Da bin ich dabei“, stimmt Staatsanwalt Bender zu.

Wegen Raubes und ohne den Sachverhalt noch einmal genauer zu konkretisieren, beantragt der Staatsanwalt ein Jahr und einen Monat auf Bewährung. Außerdem soll Albert G. 150 Sozialstunden ableisten. Für das Opfer fordert Anwältin Simone Göckus ein Schmerzensgeld von 2000 Euro sowie Schadensersatz für das Telefon und zwei Wochen Arbeitsunfähigkeit. Unter anderem hatte die Frau eine Schädelprellung.

Der Verteidiger erinnert an das eine Jahr für den Mittäter und findet, dass diese Höhe auch für seinen Mandanten ausreicht, der außer einer fahrlässigen Fahrt ohne Fahrerlaubnis keine Vorstrafen hat.

Keine Arbeitsstunden

Der Richter und die Schöffen einigen sich auf ein Jahr auf Bewährung. Arbeitsstunden gibt es nicht gegen Albert G., der sein dreijähriges Kind versorgt, während seine Frau berufstätig ist. Allerdings: Der entstandene Schaden müsse wiedergutgemacht werden, „egal, ob man Geld hat oder nicht“, betont der Richter. G. muss monatlich ab April 75 Euro an sein Opfer zahlen.