Andreas Kümmert – Abend voller Blues im Schlosshof Siegen

Andreas Kümmert bei seinem Auftritt in Siegen.
Andreas Kümmert bei seinem Auftritt in Siegen.
Foto: Wolfgang Leipold
Was wir bereits wissen
Nicht wenige Musikliebhaber werden sich am Mittwochabend die bange Frage gestellt haben: Kommt Andreas Kümmert nach Siegen oder kommt er nicht? Er kam – und wie.

Siegen..  Kein Künstler in Deutschland polarisiert so wie Andreas Kümmert. Er wird geliebt, bewundert, verehrt wegen seiner einzigartigen Musikalität und Stimme. Er ist umstritten, weil er unkonventionell, manchmal unberechenbar daherkommt. Noch in vielen Jahren werden sich die Menschen daran erinnern, dass er die Vorausscheidung des ESC mit sagenhaften 79 Prozent gewann. Doch das kümmert(e) ihn nicht: „Ich nehme diese Wahl nicht an“, sagte der The Voice Of Germany-Gewinner. Die Folge: Statt des Meisters fuhr eine Auszubildende nach Wien mit dem bekannten Ergebnis. Deutschland null Punkte. Nicht wenige Musikliebhaber in Siegen werden sich die bange Frage gestellt haben: Kommt er oder kommt er nicht?

„Rocket Man“ voller Weltschmerz

Doch um genau 21 Uhr stehen Andreas Kümmert und seine beiden Kollegen auf der Bühne des überfüllten Schlosshofes und zünden ein musikalisches Feuerwerk,t. Sie spielen kreuz und quer durch die Pretiosen des Blues. Teils traditionell mit einem Hauch Country, teils aber auch, indem sie Pop-Songs als Blues interpretieren. So wird aus Elton Johns „Rocket Man“ ein Stück voller musikalischem Weltschmerz im 4/4-Takt. Selbst „Easy Feeling“ mutiert zu einem Song tiefer Gefühle, bei dem sich Andreas Kümmert die Seele aus dem Leib singt: Gänsehaut erzeugend und beim Zuhörer den intensiven Wunsch hinterlassend, bei diesem Lied möge die Zeit stehen bleiben.

Klar, dass er seinem kürzlich verstorbenen Vorbild Joe Cocker einen Song widmet. Es ist nicht überliefert, ob Cocker Andreas Kümmert gekannt hat. Aber es ist zu vermuten, dass er seine Freude an der Interpretationskunst des 28-jährigen Unterfranken gehabt hätte – und natürlich auch an dem Cocker’schen Urschrei.

Und er schießt direkt einen hinterher. „To love somebody“ der Bee Gees auf seine Art. Andreas Kümmert liebt sein Publikum und bietet ihm Exklusives: Schon nach wenigen Akkorden erkennen und genießen die Zuhörer das Lied, mit dem er den Vorentscheid dominiert hatte, das er jedoch dem ESC-Millionenpublikum vorenthielt: „Give me back my heart of stone.“ Zum Niederknien.

Man muss ihn einfach lieb haben

Das Konzert lebt nicht zuletzt von der musikalischen Qualität des Keyboarders Sebastian Bach und des Gitarristen Tobias Niederhausen. Die Drei kommunizieren vor allem mit den Augen, verstehen sich dabei aber blind und haben reichlich Gelegenheit zu beeindruckenden Soli. Von Song zu Song wird klarer: Andreas Kümmert passt nicht in die musikalische Glitzerwelt der aktuellen Pop-Szene mit ihrer zunehmenden Kurzlebigkeit. Seine Stärke sind nicht geschliffene Moderationen und elegante Redewendungen, sondern allein die Musik, der Blues, ehrlich, bodenständig. Der Mann geht seinen eigenen künstlerischen Weg und für einen Abend wie diesen muss man ihn einfach lieb haben.

Die letzte Zugabe wird allen Besuchern lange in Erinnerung bleiben: Andreas Kümmerts Interpretation von Leonard Cohens „Halleluja“ mit viel kathedralem Hall, aber völlig ohne Licht, der Schlosshof nur beschienen vom Vollmond.

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