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Altstadt-Campus entsteht in Siegen für 37 Millionen

02.02.2012 | 19:10 Uhr
Altstadt-Campus  entsteht in Siegen  für 37 Millionen
Das Untere Schloss und das benachbarte Stadtkrankenhaus werden zum Campus Siegen-Altstadt umgebaut. Foto: Alex Völkel

Siegen  Der Campus Siegen-Altstadt kann kommen. Das Untere Schloss und das benachbarte Stadtkrankenhaus werden umgebaut. Dahinter entsteht ein neuer Hörsaal. Der Zeitplan ist mehr als ambitioniert: Zum 1. September 2014 will die Universität ihren Betrieb dort aufnehmen. Das Projekt kostet rund 37 Millionen Euro.

. Bis die Bauarbeiten dafür beginnen können, müssen die Arbeiten am Weidenauer Haus Hüttental abgeschlossen sein: Dort werden 31,7 Millionen Euro investiert. Spätestens zum Herbst 2013 soll der Auszug des Stadtkrankenhauses erfolgen, betont Kreisklinikum-Geschäftsführer Bertram Müller. Dann erst kann der aufwändige Umbau beginnen.

Die Hängepartie ist beendet: Das Studentenwerk hatte sich bislang vergeblich beim Land um Geld bemüht – jetzt springen heimische Baufirmen ein. Für Kauf und Umbau der Immobilie nehmen die Firmen Quast, Runkel und Hundhausen 17 bis 18 Millionen Euro in die Hand.

Es wird eine Nutzfläche von 8500 Quadratmetern geben. 4400 werden an die Uni für Büros und Seminarräume vermietet. Auf 2340 Quadratmetern werden 89 Studentenapartments mit einer Größe von 30 bis 55 Quadratmetern für Wohngemeinschaften entstehen. Allerdings hoffen die Investoren, dass das Studentenwerk doch noch mit ins Boot kommt. Sollte dies nicht klappen, würde der der Quadratmeterpreis bei zehn Euro liegen.

Außerdem wird es dort eine Cafeteria, Gästewohnungen für die Uni sowie die bisher schon vorhandene Chirurgische Praxis und die Physikalische Therapie geben. Zudem ist sicher, dass das Aktive Museum Südwestfalen kostenlos eine zweite Etage im Bunker bekommen kann.

Universität
Mehr Studenten und viele neue Projekte
Mehr Studenten und viele neue Projekte

Neu strukturiert startete die Universität Siegen ins Jahr 2011, und reichlich Neues nahm über das Jahr verteilt Gestalt an.

Zum 1. Januar waren die zwölf Fachbereiche der Uni Siegen Geschichte. An ihre Stelle traten die vier Fakultäten. Im November 2010 hatte der Senat die Reform beschlossen, die Rektor Prof. Holger Burckhart bereits bei seinem Amtsantritt im Oktober 2009 auf seine Agenda gesetzt hatte. Seine Vision: Das Vier-Fakultäten-Modell könne die Anforderungen an einen modernen Forschungsbetrieb besser erfüllen, die Interdisziplinarität stärken und die Uni Siegen auch international für Studierende und Lehrende attraktiver machen.

... machte ernst und schaffte zum Wintersemester 2011/12 die Studiengebühren ab. Damit erfüllte Rot-Grün ein Wahlversprechen, stellte den Hochschulen im Gegenzug aber Kompensationsmittel in Aussicht. Von jährlich insgesamt „249 Millionen Euro plus x“ war für die nordrhein-westfälischen Universitäten die Rede. Dass „x“ sich schließlich als „0“ herausstellte, mag nicht wirklich viele Leute überrascht haben. Die Uni Siegen erhält auf diese Weise rund 8,5 Millionen Euro pro Jahr, also rechnerisch etwa 4,25 Millionen pro Semester. Damit steht sie finanziell schlechter da, als sie es mit den Gebühren getan hätte: Die beliefen sich nämlich beispielsweise im Sommersemester 2011 bereits auf 4,8 Millionen Euro.

Die Zahl der Studierenden stieg deutlich: Vom Sommersemester 2010 zum Sommersemester 2011 von 12 544 auf 13 813. Für das aktuelle Wintersemester 2011/12 weist die Statistik 15 702 Studierende aus. „Wenn der doppelte Abiturjahrgang kommt, reißen wir die 17 000er Marke“, prognostizierte Rektor Burckhart beim jährlichen Empfang der Uni im November. Der doppelte Abi-Jahrgang kommt 2013. Auf die Herausforderungen, die damit verbunden sein werden, bereitet die Uni sich bereits seit Längerem vor – unter anderem durch Anmietung zusätzlicher Räume.

... nahm 2011 konkretere Gestalt an – zumindest in der Planung. Dass im Zuge des Regionale-Projekts „Siegen – Zu neuen Ufern“ die Wirtschaftswissenschaften ins Untere Schloss einziehen sollen, war schon länger bekannt. Immer konkreter nahmen allerdings die Pläne Gestalt an, dass in den mittelfristig leer stehenden Gebäuden des benachbarten Stadtkrankenhauses ebenfalls Hörsäle und Seminarräume, außerdem ein Studentenwohnheim und idealerweise eine Mensa entstehen sollen. Der „Campus Mitte“, so die Hoffnung von Stadt, Kreis und Uni, wird mit über 3000 Studierenden Siegen endlich auch sicht- und spürbar zu einer Universitätsstadt machen. „Ein sehr interessantes Projekt“, befand auch NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze im Februar bei einem Besuch in Siegen. Die Finanzierung zumindest für den das Untere Schloss betreffende Teil des Vorhabens ist schon länger gesichert. In jeden Fall soll der Campus zum Wintersemester 2014/15 den Betrieb aufnehmen.

Eine zentrale Rolle wird für die Uni aber weiterhin der Campus Adolf-Reichwein-Straße spielen. Darum wählte die Uni-Leitung auch ein Grundstück an der Robert-Schumann-Straße als Standort für das neue „Student Service Center“ (SSC). Anfang des Jahres fanden Abholzungsarbeiten auf dem Gelände statt, im Juli folgte der erste Spatenstich. Dabei war zeitweise sogar schon von der Suche nach einer Standortalternative die Rede: Anwohner hatten Protest angekündigt und Klage gegen die Errichtung des 70 Meter langen, dreigeschossigen Gebäudes eingereicht. Eine Richterin vom Verwaltungsgericht Arnsberg lehnte einen Eilantrag allerdings nach einem Ortstermin und Gesprächen mit den Beteiligten ab. Schließlich wurden nach Angaben der Uni alle Klagen zurückgezogen. Das SSC, in dem 2012 der Alltag einziehen wird, bündelt alle studentischen Service-Einheiten wie Studierendensekretariat, Studienberatung und Akademisches Auslandsamt. Bisher sind diese Einrichtungen über die Stadt verteilt.

Drei M illionen für neues Hörsaalgebäude

Die Zeichnungen zeigen den Hörsaal Campus Siegen-Mitte.

Bislang war nur der Umbau des Unteren Schlosses in trockenen Tüchern. Dafür hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW bereits 15,9 Millionen Euro für den Umbau zugesagt. Das Gefängnis wurde bereits vor einem Jahr geräumt. Allerdings wurde bislang noch kein neuer Standort für das Arbeitsgericht gefunden, das bislang im Schloss untergebracht ist. Die Suche danach läuft auf Hochtouren.

Weitere rund drei Millionen Euro für ein neues Hörsaalgebäude kommen von Stadt, Kreis, Sparkassenstiftung und Uni. Dafür wird die bisherige Isolierstation abgerissen. Erst mit diesem Gebäude kann der Platzbedarf befriedigt werden: Bis zu 4000 Studierende und 200 Lehrkräfte, darunter 50 Professoren, sollen zum Wintersemester 2014 auf dem Altstadt-Campus zu Hause sein.

Für Stadt und Kreis ist es eine „Jahrhundert-Chance“, die der Region neuen Schub verleihen wird und einen wichtigen Standortfaktor darstellt. „Andere Städte würden sich danach die Finger lecken“, betonte Landrat Paul Breuer bei der Vorstellung. „Es wird dem Oberzentrum für lange Zeit ein jüngeres Gesicht geben.“ Außerdem sichere die Uni den akademischen Nachwuchs für Unternehmen und Behörden .

Das Stadtkrankenhaus zieht im Herbst 2013 aus. Foto: Völkel

Wichtigste Entscheidung

Für Siegens Bürgermeister war der Altstadt-Campus bei seinem Amtsantritt vor vier Jahren „ein Traum, der jetzt Realität wird. Es ist die wichtigste Entscheidung für die Stadt, seit die Universität überhaupt in Weidenau gegründet wurde.“ Für Uni-Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart ist das Vorhaben ein wichtiger Standort- und Marketingfaktor. „Das ist ein richtiger Campus, der Leben, Studieren und Forschen gleichermaßen verbindet.“ Gleichzeitig machte er deutlich, dass sich die Uni außer mit den akademischen Verdiensten dann auch mit einem Schloss werben könne.

Städte wie Münster oder Bonn rückten die historische Bausubstanz gekonnt in den Mittelpunkt. „Die Bildungssilos auf der grünen Wiese haben sich nicht bewährt“, sagte er mit Blick auf die 70er-Jahre-Architektur auf dem Haardter Berg. „Bildung kann man nicht kasernieren.“

Alexander Völkel

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