Alte Mauer bleibt am neuen Campus

Das Mauerstück an der Grabenstraße muss den
Das Mauerstück an der Grabenstraße muss den
Foto: WP
Ein Stück historische Mauer ist nach Abriss des JVA-Anbaus an der Grabenstraße geblieben. Sie wird Teil der Außenanlagen der neuen Uni-Bibliothek.

Siegen..  Die Mauer soll nicht weg: Das historische Mauerstück, das seit den Abrissarbeiten am Wittgensteiner Flügel des Unteren Schlosses noch an der Grabenstraße steht, wird als geschichtlich bedeutsames Objekt in die Außenanlagen der neuen Uni-Bibliothek integriert. Ähnliches ist für einen alten Brunnen vorgesehen, den die Archäologen direkt hinter dem Mauerstück im Boden entdeckten.

„Es ist ein Wunsch der Denkmalpflege und gehört zur Planung des Konzepts“, sagt Petra Junfermann, Projektleiterin der Maßnahmen am Unteren Schloss beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) Nordrhein-Westfalen, über den Erhalt der Mauer. Die Zugänglichkeit zur Bücherei, die auf der Fläche des abgerissenen Gefängnisanbaus entstehen wird, sei gewährleistet. Die Uni-Bibliothek wird den aktuellen Plänen nach ein sehr zeitgemäßes Gebäude – doch darin, betont Junfermann, liege „Spannungsreichtum“: Die reizvolle Kombination von „alt und neu“.

Eingebaut in die JVA

Die Standsicherheit des Mauerrests sei, trotz anfänglicher Befürchtungen, kein Problem. Allerdings wird das Relikt der Vergangenheit noch saniert, unter anderem wird die Krone abgedichtet. Der Aufwand lohnt sich, ist Stadtbaurat Michael Stojan überzeugt: „Es ist ein wichtiges geschichtliches Zeugnis.“

Das kurze Mauerfragment war in den JVA-Anbau integriert – nur darum hat es dessen Errichtung überhaupt überdauert. Ursprünglich, erklärt Stojan, war es nach Einschätzung von Historikern Teil der äußeren Begrenzung des Gartens der alten Fürstin. Sophie Polixena Concordia von Wittgenstein bewohnte im 18. Jahrhundert während ihrer Witwenschaft das Obergeschoss des 1717 errichteten Wittgensteiner Flügels. Ihr Privatbereich, auch die Außenanlagen, war durch die Mauer abgeschirmt.

Während diese Hinterlassenschaft der Geschichte von Anfang an sichtbar ist, war die Entdeckung des alten Brunnenschachts dahinter eine Überraschung. „Die Archäologen graben immer nur da, wo wir in die Substanz eingreifen“, beschreibt Petra Junfermann den Ablauf – schließlich sind die Ausgrabungen nicht das primäre Ziel der Maßnahmen, sondern eine Möglichkeit, die sich wegen der Bauarbeiten für den neuen Campus ergibt. Gefunden haben die Forscher dabei schon Einiges (siehe Infobox).

Geschichte der Wasserversorgung

Der ebenerdig konstruierte Brunnen, der aktuell mit einer Metallplatte abgedeckt ist, ist wesentlich mehr als ein simples Loch im Boden. „Er ist erhaltenswert, weil auch er ein wichtiges Stück Stadtgeschichte ist“, betont Michael Stojan. Das Thema „Wasserversorgung“ sei spannend, und dieser Brunnen – „der größte in der Literatur erwähnte“, auch wenn seine genaue Lage bisher nicht bekannt war – habe sogar noch heute viel Wasser. Er soll, entsprechend abgesichert, ebenfalls in die neue Grünanlage an der Uni-Bibliothek integriert werden. Davon haben nicht nur die Studenten etwas, sagt Stojan, denn als Teil des Grünflächennetzes in der Stadt ist das Areal nach Fertigstellung des Campus’ öffentlich zugänglich.

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