Allenbacher Hammerwerk stellt Betrieb ein

Als „Schmiedetechnik Hammerwerk Vorlaender“ firmierte das alte Allenbacher Hammerwerk, das 1997 von der italienischen Metalcam aus dem Konkurs herausgekauft wurde.
Als „Schmiedetechnik Hammerwerk Vorlaender“ firmierte das alte Allenbacher Hammerwerk, das 1997 von der italienischen Metalcam aus dem Konkurs herausgekauft wurde.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
18 Jahre nach der dramatischen Rettung kommt das endgültige Aus: Das Allenbacher Hammerwerk wird zum 30. September geschlossen.

Allenbach.. Bereits am Mittwoch vor einer Woche waren die 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über diesen Schritt informiert und zum Stillschweigen verpflichtet worden, um das allmähliche Auslaufen der Produktion im Sommer und die beabsichtigte „stille Liquidation“ zu ermöglichen und somit eine Insolvenz zu vermeiden. Damit sollte auch noch ein Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter ermöglicht werden.

Zerschlagen hatten sich zuvor Hoffnungen, dass ein Investor das Ruder herumreißen könnte — so wie Metalcam aus dem norditalienischen Breno, die 1997 das Hammerwerk Carl Vorlaender aus dem Konkurs herauskaufte und mit etwa 30 von zuvor rund 170 Mitarbeitern der gesamten Unternehmensgruppe weitermachte.

„Italienische Lösung“ trug seit 1997

Das Unternehmen fertigt Freiformschmiedeteile bis sechs Kilogramm sowie nahtlos gewalzte Ringe bis 1500 Kilo und 2500 Millimeter Außendurchmesser. „In den letzten Jahren verschlechterte sich die Situation für Schmiedeteile und Ringe im Maschinenbau- und Getriebebaumarkt zunehmend“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. „Aufgrund des wachsenden Wettbewerbsdrucks fielen die Preise für Schmiedeteile in dem Produktbereich des Unternehmens erheblich.“

Diese Preisreduzierungen hätten nicht durch höhere Umsatzerlöse aufgefangen werden können. 2012 bis 2014 wurden rote Zahlen geschrieben. „Eine erfolgversprechende Aussicht, in den Produktsegmenten des Unternehmens dauerhaft zukünftig kostendeckende Aufträge zu erhalten, wurde und wird nicht gesehen“, heißt es weiter. „Insbesondere war keine Besserung der Marktsituation zu erkennen.“ Die SMS Siemag, so Geschäftsführer Ralph Roth im Gespräch mit dieser Zeitung, „ist einer unserer größten Kunden.“ Und dort wird, wie berichtet, Kurzarbeit eingeleitet — auch wegen der Ukraine-Krise.

Am 4. April 1997 hatte die damalige Geschäftsführung Konkurs für das Hammerwerk in Allenbach und den mit ihm verbundenen Dreisbacher Hammer in Dreis-Tiefenbach beantragt; Fehler im Management und unterlassene Investitionen wurden als Gründe für die hohen Verluste genannt. In den folgenden Monaten verhandelte Konkursverwalter Dr. Karl-Heinz Maus, der zuvor die Hilchenbacher Lederwerke in einem aufwändigen Verfahren abgewickelt hatte, mit mehreren Investoren und gab der „italienischen Lösung“ den Zuschlag.

Geschichte reicht in das 15. Jahrhundert zurück

Zwischen der Vertragsunterzeichnung am 12. August und dem 15. Oktober entbrannte dann eine Auseinandersetzung, die alten Hammerwerkern heute noch in den Knochen sitzt. Die Metalcam hatte sich eine Frist ausbedungen, in der alle Mitarbeiter, die nicht übernommen werden sollten, auf ihre Rechte verzichten — sie hätten beim Betriebsübergang Anspruch auf Weiterbeschäftigung gehabt. Die meisten folgten dem Appell der Betriebsräte und unterschrieben die „Ausgleichsquittung“. Mit einer Abfindung von 1000 Mark, so ihre Hoffnung, retteten sie ihren Kollegen den Arbeitsplatz.Für Hilchenbach war das Allenbacher Hammerwerk, wie Dr. Hartmut Eichenauer schrieb, nach der Schließung der Grube Stahlberg „das letzte Zeugnis der alten Montanwirtschaft“:
1419 wird die Hütte, 1463 der Stahlhammer erstmals erwähnt. 1781 brennen Allenbach und damit auch Hütte und Stahlhammer ab. Beide werden wieder aufgebaut, 1821 wird die Hütte stillgelegt.
1852 wird Johann Friedrich Vorlaender, Forstverwalter von Stift Keppel, alleiniger Besitzer des Hammers. Schon sein Vater, der Stiftsjäger, hatte Anteile gesammelt, nachdem der Besitz des Stifts auf den Markt gekommen waren.
1912 schließt Carl Vorlaender das Puddelwerk. Es war das erste im Siegerland, das Rohstahl mit Steinkohle statt mit Holzkohle Steinkohle erzeugte. Der Betrieb ging mit Weiterverarbeitung und Veredelung weiter.
1997 ging das seit dem als „Dampfhammerwerk mit mechanischer Werkstätte“ firmierende Unternehmen in Konkurs. Dazu gehörte auch der 1978 von Vorlaender übernommene Dreisbacher Hammer. Inhaber waren zuletzt mehr als 30 Gesellschafter, Nachkommen von Vorlaenders seit 1911 aufgenommenen Teilhabern.