Alkohol, Streit und eine Messerattacke

Freispruch: Das Amtsgericht Siegen
Freispruch: Das Amtsgericht Siegen
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Eine 34-jährige Mutter muss sich wegen einer vermeintlichen Messerattacke auf ihren Ehemann vor dem Amtsgericht in Siegen verantworten.

Siegen..  2,0. 1,5. 2,2. Was auf den ersten Blick wirkt wie die Wertung einer misslungenen Eislaufkür, sind in Wahrheit sichtbare Ergebnisse einer durchzechten Nacht.

Und zwar die Blutalkoholkonzentration von drei von vier Menschen, die sich in den Stunden auf den 26. Mai vergangenen Jahres trafen, um zu trinken. Was in dieser Nacht ansonsten geschehen ist, kann oder will niemand der vier allzu genau am Freitagmorgen im Amtsgericht sagen.

Die Anklage wirft Silke B. (34) vor, ihren Mann vor gut einem Jahr mit einem Messer attackiert und verletzt zu haben. Mit einem anderen Messer soll sie ihren Bruder verfolgt und bedroht haben. „So bin ich eigentlich gar nicht“, sagt die Hausfrau.

Sie gibt zu, dass der Abend ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist. Aber ihrem Mann absichtlich das Messer in den rechten Oberarm rammen und mit einem anderen den Bruder bedrohen? Nein, sagt sie, so ist das nicht gewesen.

„Aus Versehen erwischt“

Die Kinder liegen im Bett. Silke B., ihr Mann, ihr Bruder und eine weitere Besucherin (48) machen es sich gemütlich. Irgendwann ist die Feier vorbei. Die 48-Jährige will nach Hause, sagt Silke B. „Du kannst doch bei uns übernachten“, bietet sie ihr an. Allerdings will sie nicht. Sie müsse am nächsten Morgen früh raus, zur Arbeit, „und ihr schlaft doch immer bis eins.“

Da, so hat ihr Bruder laut Amtsrichter Fritzsche bei der polizeilichen Vernehmung gesagt, habe „es bei meiner Schwester ,Peng’ gemacht“. Es kommt zum Streit. Mit dem Messer.

Kinder kommen in eine Pflegefamilie

Der Bruder will die Polizei verständigen. Die Schwester will ihn daran hindern: „Ich wollte nur, dass er aufhört, die Polizei zu rufen“, sagt Silke B. Sie fürchtet, die Beamten würden ihr die Kleinen wegnehmen. Sie dreht sich und erwischt ihren Mann mit der Klinge, sagt sie, versehentlich. „Dann habe ich das Messer in die Spüle geworfen und mich an den PC gesetzt.“

„Das war nur ein Kratzer“, bestätigt ihr Mann (34): „Die Sanitäter haben nur ein Pflaster draufgeklebt.“ Das Messer? Ja, das hat er wahrgenommen, „das war irgendwann in der Hand meiner Frau“. Genaueres kann er nicht sagen. Nur soviel: Die Polizisten sagen ihm, er müsse die Kinder aufwecken. Sie kommen für kurze Zeit in eine Pflegefamilie.

Zehn Tage Hausverbot verhängt

Die 48-jährige Bekannte kann sich an noch viel weniger erinnern: „Ich habe von dem Abend absolut keine Ahnung, ich habe schließlich einiges getrunken“, betont sie. Immerhin, sie ist noch mit Silke B. befreundet. Der Bruder der Beklagten – er ist der einzige, dessen Alkoholpegel nicht erörtert wird – macht von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Amtsrichter Fritzsche spricht die 34-Jährige nach den Schlussvorträgen frei: „Was tatsächlich los war, haben wir heute nicht erfahren.“

Und Silke B.? Die Familie ist wieder vereint. Die Kinder sind längst wieder da, die Mutter durfte nach zehn Tagen wieder zurück in die Wohnung und nimmt inzwischen Hilfen öffentlicher Einrichtungen in Ansprch.

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