Abwanderung droht nicht
09.10.2011 | 16:46 Uhr 2011-10-09T16:46:00+0200Um was geht es bei der Mindestlohndebatte? Mit Sicherheit nicht um die Wertschätzung der Arbeit, sondern um menschenwürdige Bezahlung. Denn so wichtig und richtig Tarifverträge sind – schließlich haben wir Redakteure erst im Sommer dafür gestreikt – decken sie viele Bereiche nicht ab. Und immer mehr Arbeitgeber sind nicht mehr tarifgebunden.
Gesetzliche Mindestlöhne stellen daher nur ein Minimum sicher. Firmen, die nur drei oder vier Euro bezahlen, weil sie sich ansonsten nicht halten können, sollten schließen. Denn sie graben mit Lohndumping den Firmen das Wasser ab, die besser oder nach Tarif bezahlen.
Wir müssen die Spirale nach unten stoppen. Und endlich mit dem Ammenmärchen Schluss machen, dass die Dienstleistungsarbeitsplätze abwandern. Friseure, Supermärkte, Wachschutzfirmen, Pflegedienste oder Reinigungsunternehmen können gar nicht abwandern. Das könnte nur die industrielle Produktion. Und dort sind Mindestlöhne – außer bei der Leiharbeit – kein Thema.
07:52
Es ist richtig, dass Dienstleistung nicht abwandern kann.
Aber wenn in diesem Land "Geiz geil" und Schwarzarbeit an der Tagesordnung ist,
dann braucht man sich auch über die Folgen nicht zu beklagen.
12:16
Dumpinglöhne sind ein gezielter Angriff auf die Würde des Menschen, die u.a. auch darin besteht, dass man sich mit seiner Hände Arbeit ernähren kann. Viele der Unternehmen, die Sklavenlöhne zahlen, machen sich selbst damit die Taschen voll, und das ist nicht nur würdelos, sondern auch kriminell. Im übrigen ist es bemerkenswert, dass dort, wo die höchsten Löhne gezahlt werden, am erfolgreichsten gearbeitet wird. Über diese Zusammenhänge sollten die Möchtegernunternehmer, die keine Unternehmer sondern Ausbeuter sind, einmal nachdenken, wenn sie denn dazu in der Lage sind. Dass die Politik angesichts solcher Machenschaften regungslos zusieht, ist nicht nachvollziehbar, denn sie subventioniert mit ihrer Untätigkeit Gewinne der Sklavenhalter und entzieht dem Land Vermögen wegen nicht gezahlter Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.
Na, sie sind aber ein ganz ein Schlauer, mein Herr. Wenn ihrer Meinung nach die "Möchtegernunternehmer" ja doch so gänzlich unfähig sind, warum gehen sie dann nicht als strahlendes Vorbild voraus? Gründen sie doch selbst ein Unternehmen. Bieten sie ihren Kunden hochinovative Produkte in einer erstklassigen Qualität und zu günstigen Preisen und das alles unter der althruistischen Prämisse, dass sie dabei auf jeden Fall darauf achten, dass sie ihren Mitarbeitern fürstliche Löhne bezahlen. Na, ist doch ganz easy. Nur zu! Auf, auf. Keine Müdigkeit und kein Verzagen vorschützen. Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es, nicht wahr?!