Abschied ohne Gram und Groll

Hans-Peter Hasenstab im August 2009: Spielt als Zauberer mit bei „Harry Potter und der Rathausschatz“.
Hans-Peter Hasenstab im August 2009: Spielt als Zauberer mit bei „Harry Potter und der Rathausschatz“.
Foto: WR

Hilchenbach..  Er ist zwar noch fast sieben Monate im Amt — aber allein die Ankündigung hat gereicht, um den Abschied von Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab zu einem Hauptthema der Ratssitzung zu machen, in der eigentlich vor allem der Haushalt verabschiedet werden sollte. Sein Wunsch, die Infrastruktur der Stadt nicht einem Spar-Diktat zu opfern, „soll der SPD und mir als eventuellem Nachfolger ein Gebot sein“, erwiderte Sven Wengenroth, „wir werden uns bemühen, aber nicht um jeden Preis.“

Wengenroth, der als Bürgermeisterkandidat der SPD die Haushaltsrede für seine Fraktion hielt, dankte Hasenstab für seine Arbeit: „Er hat die Stadtverwaltung souverän geführt und die Stadt gut und sicher repräsentiert.“ Auch André Jung (CDU) als zweiter Redner wünschte dem Bürgermeister schon einmal „auf dem weiteren Lebensweg alles Gute“. „Wir bedauern sehr, dass er nicht mehr kandidieren möchte“, schloss sich Heinz Jürgen Völkel (UWG) an.

„Grenzen überschritten“

„Hilchenbach steht gut da, und das ist auch Ihr Verdienst“, sagte Dr. Peter Neuhaus (Grüne) und lud zu einem „starken Bündnis der überparteilichen Vernunft“ bei der Suche nach einem Nachfolger ein: „Sven Wengenroth wird als Stadtverordneter dabei sein.“ Er könne sich wohl jetzt die „entspanntere Sicht leisten“, mutmaßte Christoph Rothenberg (FDP) über den Bürgermeister — an den Zahlen des Haushalts könne es nicht liegen: „Was ist es, was unsere Verwaltung so fröhlich stimmt?“

Die vorweggenommenen Abschiedsreden wehrte Hasenstab als verfrüht ab — bevor er zum Schluss der Sitzung dann aber selbst eine Vorab-Bilanz zog, als er die angekündigte Begründung für seinen Verzicht auf eine dritte Amtszeit gab. Dabei nannte er neben den Debatten über den Nothaushalt im vorigen Jahr („geprägt von unfruchtbaren Beiträgen und Diffamierungen“) den Umgang der Politik mit der Verwaltung: „Wir sind Partner des Rates und nicht Menschen, denen man grundsätzlich misstrauen muss.“ Und den Umgang des Rates mit dem Bürgermeister: „Jeder Bürgermeister verdient den Respekt des Rates. Die Würde des Amts ist das Maß der Dinge. Hier wurden Grenzen überschritten.“

Debatte über Dahlbruch

„Ich habe mir das nicht leicht gemacht“, betonte Hasenstab, der sodann mit der Anmerkung irritierte, die genannten Gründe seien „nicht entscheidungstragend“. Elf Jahre habe er die Stadt mitgestalten können, damit habe er sich einen Traum erfüllt. „Ich blicke ohne Gram und Groll zurück.“ Deutlich machte Hasenstab seinen Wunsch, dass auch nach ihm ein Parteiloser die Stadt führe, „dem nicht der Makel anhaftet, Marionette einer Partei zu sein.“ Er selbst wolle nach dem 20. Oktober „etwas anderes machen“, sagte Hans-Peter Hasenstab, der 2004 aus dem hessischen Rodgau gekommen ist. Er werde in Hilchenbach bleiben, „und ich werde Sie sicher mit meinem weiteren Tun überraschen.“

Neben dem Hasenstab-Abschied sorgte ein anderes, ebenfalls nicht geplantes Thema für hitzige Wortmeldungen: der Kulturelle Marktplatz Dahlbruch, über den eigentlich erst im Mai diskutiert werden soll. André Jung (CDU), dessen Fraktion das Projekt bisher ablehnt, überraschte mit der Frage nach dem zweiten Bauabschnitt: „Wie soll der denn finanziert werden?“

Sven Wengenroth (SPD) wies darauf hin, dass Turnhalle, Jugendzentrum und Vereinsräume nicht für den ersten Bauabschnitt vorgesehen seien. Die Vereine, nicht das Kino müssten Vorrang haben. „Ein Armutszeugnis“, erwiderte Dr. Peter Neuhaus (Grüne). Das Kino sei vielfach preisgekrönter „Eckpfeiler unserer kulturellen Infrastruktur“; ohne den zweiten Saal als Ausweich-Spielstätte „werden wir Kino und Theater nicht sichern können“.

Hauptschule soll abgerissen werden

waSPD und CDU beantragen den Verkauf des Dahlbrucher Hauptschul-Geländes. Die Verwaltung soll einen Investor suchen, der die Gebäude abreißt und dort Mehrgenerationen- oder Service-Wohnen verwirklicht.

Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab verwies den im Rahmen der Etatdebatte gestellten Antrag auf die nächste Ratssitzung. Er sei nicht dringlich und stehe auch nicht im Zusammenhang mit dem Haushalt für 2015.