Abschied mit Humor und Charme
12.02.2012 | 14:25 Uhr 2012-02-12T14:25:00+0100
Siegen.Mit der „Kraft der Worte“ verabschiedete sich am Samstag Annette Kurschus in der Nikolai-Kirche von den Protestanten des Siegerlandes und des Kreises Olpe. Die 48-jährige Superintendentin des Kirchenkreises Siegen wird im März ihren Dienst als Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen antreten. Sie ist damit die erste Frau in diesem Amt.
Für sie schließe sich hier ein Kreis, sagte die Superintendentin. Die Kraft des Wortes, unter dieses Sinnbild hatte Annette Kurschus ihre letzte Predigt in ihrer alten Funktion gestellt, habe sie vor 40 Jahren an dieser Stelle gespürt.
Als kleines Mädchen tief bewegt
Als kleines Mädchen sei sie wütend auf ihren jüngeren Bruder in den Gottesdienst gegangen. „Ich hätte ihn am liebsten auf den Mond geschossen“, bekannte sie. „Von Nächstenliebe war bei mir keine Spur.“
Doch dann habe die Gemeinde gesungen „So jemand spricht, ich liebe Gott und hasst doch seine Brüder...“. Der Gesang habe sie in diesem Moment so persönlich getroffen und ihr einen „solchen Schrecken eingejagt, dass ich dieses Lied später nie selbst in einem Gottesdienst singen ließ“.
In ihrer Predigt ging Annette Kurschus auf viele Aspekte der Kraft des Wortes ein. Und sie mahnte: „Auf unser Geplapper kann die Welt verzichten, nicht aber auf das Wort Gottes. Das sind wir ihr schuldig.“ Voller Vertrauen in dieses Wort gehe sie nun nach Bielefeld.
Dort warte auf sie ein großes Haus, erzählte sie anschließend beim Empfang in der Martini-Kirche, in der viele langjährige Weggefährten, weltliche wie geistliche, von ihr Abschied nahmen. In einer fast einstündigen Gratulationscour drückte Annette Kurschus Hände – und nahm viele Gratulanten in die Arme.
Und weil zurzeit in ihrem künftigen Zuhause ein „Zimmer frei“ sei, nahmen ihre Amtsbrüder Heiner Montanus und Martin Eckey die künftige Präses in einer Bühnen-Adaption der gleichnamigen Fernseh-Sendung „ins Gebet“. Hier hatte Annette Kurschus viel Gelegenheit, sich von ihrer humorvollen Seite zu zeigen.
Gesungene Frage: „Isn’t she lovely?“
Vor allem, wenn etwas nicht so klappte, wie es sollte. Hatte sie sich gerade nach der Übergabe eines hölzernen Teegeschirrs noch für die Sorte „innere Ruhe“ entschieden, musste sie zur Gaudi der Gäste feststellen, dass es mit der Statik der Tasse nicht weit her war. Statt des Tees führte sie nur den abgebrochenen „Henkel trocken“ zum Mund.
Das „Stößchen“ mit einem Glas Grappa, den Martin Eckey ihr anbot und dessen Sinn in einer Kirche hinterfragte, klappte hingegen sehr gut. Der Grappa sei ebenso wie die Zigarette, die sie einmal bei einem Küster moniert hatte, ein Sinnbild für ein funktionierendes Leben in der Gemeinde. Ihr Mitarbeiter habe ihr seinerzeit gesagt: „Eine Kirche ohne Gemeinde ist ein leerer Raum.“
Als viele Udo Lindenbergs in klassischem Outfit mit schwarzen Mänteln und Sonnenbrillen dankten Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenkreises der Superintendentin und Liebhaberin dieses Instrumentes mit dem Lied „Sie spielt Cello“.
Gelegenheit zu einer Revanche besonderer Art hatte der Musiker Hartmut Sperl, der mit seinem Trio den musikalischen Teil des Empfanges gestaltete. Weil Annette Kurschuss vor über 30 Jahren „mit ihrem Sopran“ seinen Musikunterricht als Lehrer am Evangelischen Gymnasium „erhellt“ habe, spielte er seiner ehemaligen Schülerin „Isn’t she lovely?“ von Stevie Wonder. Und dieser Suggestiv-Frage mochte keiner der Gäste in der Martini-Kirche widersprechen.
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