65. Jahrestag der Befreiung vom Nazi-Regime
09.05.2010 | 20:25 Uhr 2010-05-09T20:25:00+0200Siegen. Auf dem Hermelsbacher Friedhof gedachten zum 65. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus Bürger der Opfer des NS-Regimes.
In Siegener Fabriken wurden 691 Menschen aus Russland Opfer von Zwangsarbeit und menschenunwürdigen Lagerbedingungen. Von ihnen liegen 377 auf dem Hermelsbacher Friedhof begraben. Zahlen, die allein kaum anschaulich sind und nur schwerlich auf die Einzelschicksale verweisen. Dahinter Menschen wie der 21-jährige Wasil Domkou oder Maria Scherant, 19 Jahre alt. Unter den Opfern finden sich auch Kleinkinder und Säuglinge wie Jofia Wysoka. An je drei der Opfer erinnert ein einzelner Stein auf dem Gräberfeld.
Straßen sind noch nach Antisemiten benannt
Bei der Gedenkveranstaltung legten Mitglieder verschiedener Gruppierungen, darunter die VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten), Kränze am Mahnmal und am Grab Walter Krämers ab. DGB-Vorsitzender Willi Brase und Torsten Thomas von der VVN forderten, dass in Siegen das Andenken an Krämer gewahrt werden müsse. Dies solle durch die Benennung einer Straße geschehen. Thomas: „Nach Adolf Stöcker ist bis heute eine Straße in Siegen benannt. Anträge, diesen Namen zu entfernen, blieben erfolglos.” Stöcker war glühender Antisemit, der Ende des 19. Jahrhunderts in Siegen als Rechts-Konservativer große Wahlerfolge feierte.
Brase warnte vor einem Wiederaufkeimen des Faschismus, wie es sich in den Morden von Rostock-Lichtenhagen und anderswo zeige. Er zitierte Kurt Schumacher: Dieser habe schon 1932 gewarnt, dass es Jahrzehnte dauern werde, bis die von der NS-Agitation geschlagenen Wunden verheilt seien.
Mutiger Einsatz gegen Krieg und Faschismus
Torsten Thomas verwies auf den Anschlag auf das Parteibüro der Linken in der Nacht zuvor. „Dies teile ich euch am 65. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus mit.” Walter Krämer, so Thomas, sei schon früh in die offene Auseinandersetzung mit dem Faschismus getreten. Dabei sei er mutig und konsequent gegen Militarismus vorgegangen. Im Gegensatz zu einer Ehrung Krämers gebe es jedoch in Siegen immer noch eine Hindenburgstraße. Trotz einer Anordnung der Alliierten 1954 und einer Verfügung des NRW-Innenministeriums 1949 zur Namensänderung habe der Rat der Stadt immer an der Bezeichnung „Hindenburgstraße” festgehalten. es