50 Jahre Freibad in der Gambach

Freudenberg..  Kalt und regnerisch war es am Tag der Eröffnung des Freibads am 30. Mai 1965, einem Sonntag. Doch das beeindruckte die Freudenberger herzlich wenig. Zu Hunderten strömten sie in die Gambach, wo Bürgermeister Erich Stahl die feierliche Übergabe der seinerzeit gegen einige Vorbehalte realisierten Freizeiteinrichtung vornahm. Trotz der Wassertemperatur von nur 14 Grad wurde schon ausgiebig gebadet, zeigten die Weidenauer „Pinguine“ und Sporttaucher ihre Künste.

Eigentlich wollten die Freudenberger Stadtväter ja das wenige Geld, das der kleinen Stadt – damals noch Teil des Amtes Freudenberg – zur Verfügung stand, in den Bau einer Turnhalle investieren. Doch bei einer denkwürdigen Demonstration (wie 53 Jahre später für den Erhalt des Hallenbades) am 1. Juni 1959 machten rund 100 Freudenberger Jugendliche sich während einer Sitzung des 18-köpfigen Stadtrates für den Bau eines Freibades stark. Als „Drahtzieher“ dieser Aktion bekannte sich Jahrzehnte später der jüngst verstorbene Dr. Herbert Krämer, der auch Freudenberger Bürgermeister war und später RWE-Vorstand.

16 Mal wurde in der Folge über das Thema beraten, bevor eine Entscheidung fiel. Die jungen Leute, von denen vier vor dem kleinen Stadtparlament ihre Vorstellungen darlegen durften, überzeugten die Feierabendpolitiker nachdrücklich. Dieser frühe Jugendprotest wurde sogar überregional registriert: Selbst die „Bild“-Zeitung berichtete davon und kommentierte das Geschehen im sonst so unauffälligen Freudenberg.

Planung durch Kreis Siegen

So wurde die „Super-Freilicht-Badewanne“, wie es in einem Artikel von „Freudenberg im Zeitgeschehen“ hieß, auf dem Gelände des Mühlenteiches beschlossen. Die Planung übernahm der Kreiskulturbaumeister Böcking, bei dem die notwendigen Kapazitäten für ein solches Projekt lagen. Wegen der Kosten, die sich auf sechshunderttausend Mark beliefen, musste das Bad auf dem 11 000 Quadratmeter großen Gelände in mehreren Abschnitten errichtet werden.

Mit einer Größe von 50 Mal 16 Metern fehlten zwar einige Zentimeter an internationalen Wettbewerbs-Ausmaßen. Aber nach Jahrzehnten des relativ eingeschränkten Badespaßes im benachbarten Gambachsweiher, der auch damals schon total verschmutzt war, war die Freude über das neue Freizeitangebot groß, wie Reporter Gerhard Weber – späterer Schriftführer des Heimatvereins – für diese Zeitung berichtete. Die Eröffnung geriet daher zu einem regelrechten Volksfest: Ein Festzug führte durch die Stadt ins Gambachtal, wo allerlei Prominenz dem Ereignis beiwohnte. Groß gefeiert werden soll auch am Samstag, wenn ab 13 Uhr ein buntes Programm geboten wird (siehe Infobox).

Ganzjahresbad als Wunsch

Seit Eröffnung wurden 2,87 Millionen Besucher gezählt, die das idyllisch gelegene und nach den beschränkten Möglichkeiten der Kommune stets auf Vordermann gebrachte Bad besuchten, wo von Mai bis Saisonende ein auf 23 Grad aufgeheiztes Schwimmerbecken auf das Publikum wartet, fürsorglich überwacht von Schwimmmeister Gerhard Schütte und seinem Team. Auch dieses Jahr werden wieder einige zehntausend Euro für technische Verbesserungen und Ausstattung des Geländes ausgegeben, um die Attraktivität des einzigen öffentlichen Badeangebots der Stadt zu steigern.

Im Hintergrund steht nach Schließung des Hallenbads vor drei Jahren der Ausbau des Freibades zu einem Ganzjahresbad. Allerdings hat der Kämmerer ausgeschlossen, dass dies vor 2019 geschehen kann – mit Rücksicht auf die Vorgaben des Haushaltssicherungskonzeptes. Gleichwohl ließen sich die politischen Gremien zeigen, wie solche Anlagen aussehen und was sie kosten – unerschwinglich zum jetzigen Zeitpunkt.

All dies wird die Freudenberger nicht davon abhalten, zur 50. Wiederkehr des Eröffnungstages, in die Gambach zu pilgern und „ihr“ Bad zu feiern. Und das bei diesmal hoffentlich besserem Wetter.