27-Jähriger kauft online unter falschen Namen 

Siegen..  Pascal G. hat eingekauft. Online. Geld für seine Shoppingtouren im Netz hatte er nicht. Und seinen eigenen Namen benutzte er auch nicht. Dafür muss er sich vor Amtsrichterin Dr. Hanne Grüttner verantworten. Der Vorwurf lautet Betrug in fünf Fällen.

Im Januar vergangenen Jahres ordert der 27-Jährige erstmals. Weitere Einkäufe folgen im Februar und März. Im Warenkorb finden sich Dinge wie Tischdecken, Kerzen, Müslischalen oder Osterfilzkörbchen sowie Ernährungs- und Diätprodukte, heißt es in der Anklage. Mal gibt sich der Angeklagte als seine Adoptivmutter, mal als sein Adoptivvater aus. Die letzte Bestellung gibt er unter dem Namen seines Cousins auf.

Warum, will Richterin Hanne Grüttner wissen. „Ich wollte zeigen, ich kann auch anders.“ Das Zusammenleben mit seiner Pflegefamilie sei alles andere als harmonisch gewesen: „Ich war Pflegekind, wurde jahrelang runtergebuttert, misshandelt.“ Von zu Hause ist er weg mit 17. Erst sein neuer Partner habe ihm gezeigt, „dass es auch ein Leben ohne Schläge gibt.“

Lehre abgebrochen

Dass nicht nur sein Freund, sondern auch Pascal G. selbst seinem Leben eine neue Richtung geben will, versucht er an diesem Morgen im Gericht deutlich zu machen. Die Haare kurz getrimmt, dunkle Funktionsjacke, Jeans und helle Turnschuhe, sagt er, er habe sich einen neuen Job gesucht. Trotz seiner Erkrankung. Er leidet laut eigenen Angaben an Epilepsie und Depressionen, ein ärztliches Attest bescheinigt ihm eine schwere Persönlichkeitsstörung. Einige Stunden in der Woche schleift er Bohrlöcher in einem metallverarbeitenden Betrieb. Eine abgeschlossene Berufsausbildung findet sich nicht in seinem Lebenslauf. Die Lehre zum Altenpfleger hat er abgebrochen, weil in seinem Ausbildungsbetrieb ein Fall von Krätze aufgetreten sei, sagt er.

Bereits mehrfach ist Pascal G. mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Vier Einträge weist der Auszug aus dem Bundeszentralregister auf. Jedes Mal lautete der Vorwurf Betrug. Diese einschlägige Vorbelastung ist einer der Gründe dafür, dass die Anklage eine Geldstrafe zu 100 Tagessätzen à zehn Euro fordert. Von einer verminderten Schuldfähigkeit geht sie nicht aus. Die Verteidigung wiederum plädiert angesichts der Vorgeschichte auf eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. Und Richterin Hanne Grüttner? Sie folgt dem Antrag der Anklage und verurteilt Pascal G. zu 1000 Euro Geldstrafe. „Die Umstände sind in gewisser Weise nachvollziehbar“, sagt sie. „Der Antrag der Verteidigung reicht im Hinblick auf die Vorstrafen aber nicht aus.“ Das Urteil ist bereits rechtskräftig.