27,6 Kilometer für 1,4 Milliarden Euro
16.05.2008 | 19:00 Uhr 2008-05-16T19:00:00+0200
1,4 oder 2,2 Milliarden für eine Ortsumgehungskette von insgesamt 27,6 Kilometern: Der Unterschied liegt darin, ob die B 508/62 neu drei- oder vierspurig wird. Offensichtlich läuft es aber auf die dreispurige Variante hinaus.
Der Landesbetrieb Straßen NRW nennt den Ist-Zustand der beiden Bundesstraßen zwischen Kreuztal und Erndtebrück für „eine Zumutung”, wie Behördenchef Ludger Siebert auf der SPD-Veranstaltung in Kredenbach sagte (wir berichteten). Deshalb sei die Südumgehungskette für Kreuztal, Hilchenbach und Erndtebrück unverzichtbar. Vom Tisch ist spätestens seit Vorstellung der von NRW und Hessen gemeinsam veranlassten Machbarkeitsstudie eine Nordtrasse.
Ziel der Planer ist es, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre eine kreuzungsfreie Passage aus dem nordwestlichen ins östliche Kreisgebiet mit Tempo 80 bis 100 möglich wird. Die heute im Durchgangsverkehr erstickenden Ortschaften zwischen Krombach und Schameder würden bis zu 50 Prozent entlastet. Erreicht werden soll dies durch Ortsumgehungen, die im Wesentlichen in der „Kammlage” verlaufen, also auf den Höhen.
Während die drei Kilometer lange Kreuztaler Südumgehung für 32 Millionen Euro bald schon planfestgestellt und möglicherweise ab dem Jahr 2010 gebaut wird, reicht der Zeitrahmen für die anderen vier Südumgehungen bis in die zweite Hälfte des nächsten Jahrzehnts. Zwischen Ferndorf und Allenbach (6,6 km) werden zwei Varianten untersucht, wobei der Trassenverlauf „in Nähe des Kamms”, also knapp unter der Höhenlinie der südlich gelegenen Hügelkette angelegt werden soll. Doch: „Die Schieberei hat ihre Grenzen”, machte Ludger Siebert deutlich. Zwischen Kredenbach und Unglinghausen gibt es noch keine abschließende Lösung. Dort sei ungewiss, ob für die Südumgehung ein Geländeeinschnitt erforderlich wird. Schwierig indessen gestalte sich die Hilchenbacher Südumgehung (5,5 km), weil es im Bereich um Grund und Ruckersfeld große Höhenunterschiede gibt.
Doch beide Ortschaften werden die neue Straße weder hören noch sehen, sicherte Siebert zu: „Sie verläuft hinter dem Berg.” In Lützel (6,3 km) wird ein FFH-Naturschutzgebiet tangiert, weshalb mit Brücken, zweistreifigen Tunnels oder Galerien über dem Niveau der B 62 gearbeitet werden muss. Ebenfalls teilweise unterirdisch wird die Südumgehung um Erndtebrück (6,2 km) herum verlaufen, um Wasserschutzgebiete zu umfahren. Mit Brücken wird das Benfetal überwunden. An der B 480 endet der Planungskorridor.
Der Realisierungszeitplan sieht schon für den ersten Teilabschnitt östlich von Kreuztal im nächsten Jahr die Linienabstimmung vor. Die Bürgeranhörung ist bereits für 2008 geplant. Die Südumgehungsfortsetzung von Hilchenbach bis Erndtebrück indes brauche noch Zeit und werde nicht vor Ende 2009 linienbestimmt; dann folgen zwei bis drei Jahre Entwurfsbearbeitung und 2012 frühestens die Planfeststellung. Im Jahr 2015 könnte Baurecht bestehen.
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