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Kultur

2011 – kein Jahr wie jedes andere

05.01.2011 | 17:53 Uhr
2011 – kein Jahr wie jedes andere
Apollo

Siegen. Menschen, die vom Kulturangebot mehr erwarten als angenehme Unterhaltung, sollten ihrerseits bereit sein, sich die Anstrengungen zuzumuten, welche die Begegnung mit anspruchsvoller Kunst fordert, sofern der Gewinn daraus den Augenblick des Genießens überdauern soll.

Kulturanbieter sollten es ihrem Publikum nicht zu einfach machen. Sonst verpassen sie am Ende nicht nur die Kunst, sondern auch ihr Publikum. Diese Warnung sprach in jüngster Zeit der Dortmunder Musikjournalist Professor Holger Noltze deutlich aus. „Die Leichtigkeitslüge“ betitelte er sein Buch über Musik, Medien und Komplexität.

Bitte kein Missverständnis: Dies ist kein Plädoyer für die Reduzierung des Angebots auf Beethoven, Goethe und Rembrandt. Und kein Versuch, vor dem scheinbar Leichten die Tempel unserer Kunst zu verschließen. Und überhaupt keine Aufforderung, in einer Haltung ästhetisierenden Hochmuts immer gleich zu fragen „Ist das denn Kunst?“, wenn Schöpfungen unserer Zeit ihr Entstehen anderen Rezepturen verdanken, als wir sie von den Klassikern kennen.

Vielleicht müssen wir alle erst lernen, dass eine Haltung von Offenheit gegenüber dem künstlerischen Schaffen noch fruchtbarer ist als Ehrfurcht. Und dass man über Geschmack auch streiten kann – vorausgesetzt, man erwartet nicht, dass der andere am Ende des Streites von „meiner“ Meinung überzeugt ist. Am Ende bleibt die Sentenz: „Chacun à son goût“ (Jeder nach seinem Geschmack). Und dann doch wieder Goethe: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.“ Aber bitte mit Niveau!

Worauf sollten wir in

Siegen 2011 besonders gespannt sein?

Apollo Theater:
„SMS Liebe“

Ein schönes Motto für die laufende Spielzeit: „Virtuosen der Liebe“. Drei Eigenproduktionen lassen uns nacherleben, wie verschiedene Generationen sich ihre Gefühle mitgeteilt haben. „Love Letters“ ist ein Drama in Briefform; in „Gut gegen Nordwind“ konnten wir schon ein Paar erleben, das über E-Mails kommuniziert. Am 18. März 2011 wird die Trilogie abgeschlossen durch ein ungewöhnliches Schauspielprojekt in Kooperation mit den Hauptschulen Deuz und Wilnsdorf: „SMS Liebe“ – ein Liebesdrama, das von der kreativen Kürzel- und Zeichensprache der jungen Generation leben soll. Wir sind sehr gespannt.


Apollo Konzert: 2x
Mahler

1911 starb der Komponist Gustav Mahler auf der Höhe seines Ruhms. Das werden wir in allen Medien und in allen Konzerthäusern dieser Welt gewürdigt hören. Aber Ruhm ist nicht gleich Beliebtheit. Auch heute noch haben viele Musikfreunde ein eher distanziertes Verhältnis zu dem Konvertiten, dessen Werke nach ihrer Unterdrückung im Dritten Reich nur langsam wieder Liebhaber fanden. Wir hören am 11. März die Rückert-Lieder mit Carola Guber und erleben am 6.und 7. Mai Mahlers 5. Sinfonie (die mit dem Adagietto!), mit der sich Russell N. Harris (vorläufig?) von seinem Siegener Publikum verabschieden wird. Wir sind sehr gespannt – und darauf, wer ihm nachfolgen wird.


Apollo Universität:
Big Band...

...Chor und Orchester. Ganz neu ist das Arrangement nicht: Vor einem knappen Jahr präsentierten sich Chor und Big Band mit einem gemeinsamen Auftritt in der Nikolaikirche. Am 19. Januar 2011 können wir sie im Apollo erleben. Und diesmal wird auch das Orchester bei Werken von Nino Rota, Thad Jones und Phil Woods einbezogen. Höhepunkt aber sicher: die Wiederholung von Duke Ellingtons „Sacred concert“ - jetzt visuell-rhythmisch unterstützt durch einen Stepptänzer. Aber die Leitung liegt - wie gehabt - bei zwei Personen: Martin Reuthner dirigiert die Band, Ute Debus den Chor und das Orchester. Wir sind sehr gespannt. Ob das wieder so gut klappt?


MGK Kleines
Jubiläum

Das Museum für Gegenwartskunst feiert. Die Werke der elf Rubenspreisträger in der Sammlung LambrechtSchadeberg, die Fachwerkhaus- und Industriefotografien der Bechers, die regelmäßigen thematischen Ausstellungen von beachtlichem Umfang und bemerkenswert aufgearbeitet – zuletzt und noch kurze Zeit zu sehen „Je mehr ich zeichne“: Schon zehn Jahre lang haben Siegener Kunstfreunde Gelegenheit, im um- und angebauten Haus am Unteren Schloss Kunst unserer Zeit zu sehen und sich in unterschiedlicher Art mit ihr auseinanderzusetzen. Zehn Jahre – eine kurze Zeitspanne, aber Grund zum Feiern. Einen Festakt gibt es am 8. Mai und viele Veranstaltungen. Welche? Wir sind sehr gespannt.


Lyz Theater: „Der
gute Mensch...

... von Sezuan“. „Die Tragödie der Guten war immer, daß sie viel zu selten schlecht genug waren, um gut genug gut sein zu können, damit diese Welt zu einer wirklich guten entwickelt werden kann“ - sagt der Psychologe Rudolf Sponsel anlässlich einer Aufführung von Brechts Parabelstück aus dem Jahre 1943. Am 8. Februar wird die freie Theatergruppe „Drama statt Siegen“ dieses Werk auf die Bühne bringen, in dem es um die Frage geht, ob das Gute im Menschen noch Platz hat in einer Gesellschaft, deren wirtschaftliches Fundament die Gewinnmaximierung ist. Wir sind gespannt, wie die Antwort nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus lauten wird.


Kunst im Sieger- landmuseum

Noch kann man in der Oranienstraße die „Prototypen“ von Lutz Dransfeld sehen; und im Oberen Schloss kann man die Dokumente studieren, welche Marlies Obier zur „Wahlheimat Poesie“ dort versammelt hat. Ab 16. Januar werden dort französische Lithographien und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts ausgestellt: Géricaults Alltags- und Pferdedarstellungen, literarische Motive von Delacroix und Daumiers Karikaturen. Aber auch Blätter von Künstlern, die wir eher als Maler kennen, wird man bewundern können. Eine gute Möglichkeit, grafisches Schaffen aus einer Epoche im Vergleich zu betrachten. Wir sind sehr gespannt.

Knut Lohamnn

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