18 Monate Haft für einen versuchten Raub

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Was wir bereits wissen
Im Sommer 2013 hat ein Siegener versucht eine 88-Jährige in Obersdorf auszurauben. Sie schrie, er schubste sie zu Boden und rannte davon. Nun stand der Mann vor Gericht.

Siegen..  Ein 45-jähriger Hausmeister ist vom Siegener Schöffengericht zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Ohne Bewährung. Richter Uwe Stark und die Schöffen sahen es als erwiesen an, dass der Mann sich am 29. Juli 2013 als Postbote verkleidete, um so einen alten Mann in seinem Haus in Obersdorf auszurauben.

Der Angeklagte arbeitete im Sommer 2013 als Hausmeister in einem Siegener Wettbüro. Er habe Geldprobleme gehabt und sei von zwei Männern angesprochen worden, ob er sich nicht ein paar Euro verdienen wolle. Der Plan bestand darin, einen alten, reichen Mann in seinem Haus in Obersdorf zu überfallen.

Sein Mandant habe sich darauf eingelassen, sagte Anwalt Christoph Rühlmann. Der Hausmeister klingelte also morgens um 10 Uhr als Postbote verkleidet an der Tür. Zu seiner Überraschung öffnete jedoch die 88-jährige Ehefrau. Der Mann zog sich eine Maske über das Gesicht und die Seniorin begann zu schreien. Er schubste sie zur Seite. Die 88-Jährige stürzte, der Angreifer rannte davon.

Kranke Ehefrau zu Hause

Vor Gericht sagte der Täter, dass er sofort entschieden habe, den Raub abzubrechen, weil die Frau „weiß wie ein Stück Papier wurde“. Die Mittäter hätten ihm Vorwürfe gemacht, sie hätten „seinetwegen ihren Job verloren“.

Der türkische Staatsbürger war als Kind nach Frankreich gekommen, wuchs dort auf und absolvierte eine Lehre als Fliesenleger. Seit 2011 lebt er im Siegerland. Er sei mit Frau und Kindern nach Deutschland gekommen, weil seine Gattin von hier stamme, krank sei und in Deutschland besser versorgt werden könne. Er selbst habe aber keinen Job gefunden.

Der Vorfall tue ihm leid, vor allem auch, dass die alte Frau gestürzt sei. „Es ist ihr glücklicherweise nichts passiert“, sagte Anwalt Rühlmann. Sein Mandant habe die Tat aus Mitleid abgebrochen. Das sei ein anerkannter Rücktrittsgrund, das habe im Übrigen auch die Kammer des Landgerichts bewogen, den bereits dort angeklagten Fall an das Schöffengericht abzugeben. Rühlmann zitierte den entsprechenden Satz aus der Begründung. Der Antrag von Staatsanwältin Bettina Dickel sie „Quatsch“.

Zwölf Jahre wegen Tötungsdelikt

Die Staatsanwältin forderte ein Jahr und sechs Monate ohne Bewährung. Ihrer Meinung nach habe der Angeklagte die Tat nur abgebrochen, weil ihn die Frau gestört habe. Das sei wie ein Zwang gewesen, die Tat abzubrechen, was aber gleichzeitig ein Überlegen und freiwilliges Abbrechen unmöglich mache.

Dem Gericht reichte die Erklärung des Anwalts nicht. Stark bohrte immer wieder beim Angeklagten nach, nachdem der Verteidiger unvorsichtigerweise Nachfragen gestattet hatte. „Natürlich tut es ihm leid“, warf Rühlmann mehrfach ein, während sein Mandant das Wort nicht ausdrücklich über die Lippen brachte. Das wiederum überzeugte Richter und Schöffen in der Auffassung, bei dem Hausmeister keine wirkliche Reue zu erkennen und auch keinen freiwilligen Rücktritt vom Versuch. Bloßes Mitleid reiche da nicht aus, und der Angeklagte habe sich nicht eindeutig geäußert.

Vielleicht spielte ja auch die Erkenntnis mit hinein, dass der 45-Jährige zugab, in Frankreich bereits einmal wegen eines Tötungsdeliktes zu zwölf Jahren verurteilt worden zu sein und davon sieben Jahre abgesessen zu haben; wenngleich diese Strafe nach dem deutschen Recht keine Beachtung finden kann.

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