18-jährige schlagen und treten auf Busfahrer ein

Vor Gericht müssen sich die jungen Männer für ihre Gewalttat verantworten. Mehrere Zeugen hatten den Angriff gesehen – aber niemand kam dem Familienvater, der von mehreren Angreifern zusammengeschlagen wurde, zu Hilfe.
Vor Gericht müssen sich die jungen Männer für ihre Gewalttat verantworten. Mehrere Zeugen hatten den Angriff gesehen – aber niemand kam dem Familienvater, der von mehreren Angreifern zusammengeschlagen wurde, zu Hilfe.
Foto: Irmine Skelnik
Was wir bereits wissen
Zu fünft schlugen sie in Hilchenbach auf einen Busfahrer ein, nun müssen sich zwei der jungen Männer vor Gericht verantworten. Zeugen sahen dem Angriff zu – und taten nichts.

Siegen..  Oktay Ö. fürchtete um sein Leben, als die Schläge auf ihn einhämmerten. Fünf junge Männer, alle um die 18 Jahre alt, schlugen und traten zu, erzählt der Busfahrer und dreifache Vater im Zeugenstand, als er am 27. Juni vergangenen Jahres mit seinem Linienbus spätabends Halt machte am Hilchenbacher Marktplatz.

Zwei Angreifer, Dominic F. und Patrick L., müssen sich vor Amtsrichterin Antonia Kuhli verantworten. Der Vorwurf: gemeinschaftliche Körperverletzung. Das Urteil: acht Monate Haft auf Bewährung für den Auszubildenden Dominic F. und zwei Wochen Dauerarrest für Praktikant Patrick L.

„Ich habe um mein Leben gekämpft“

Es ist ein warmer Freitagabend. Oktay Ö. freut sich auf seine Familie. „Ich wollte nach Hause zu meinen Kindern“. Nach der letzten Tour durch Hilchenbach. Gegen 23 Uhr lenkt er seinen Bus an die Haltestelle vor dem Rathaus. Er will losfahren. Jemand schlägt gegen das Gefährt. Oktay Ö. steigt aus und stellt zwei Jungs, Dominic F. und Patrick L., zur Rede, fordert sie – offenbar nachdrücklich – auf, diesen Unsinn sein zu lassen. Dominic F. geht auf ihn los, will ihn schlagen, trifft aber nicht. „Da habe ich ihm eine Ohrfeige gegeben“, sagt der Busfahrer. Der Beschuldigte behauptet, Oktay Ö. habe ihn mit einem Polizeigriff aufs Kreuz gelegt.

Dann, so die Schilderungen des Opfers, geht die Schlägerei richtig los. Drei weitere junge Männer sollen von der Rathaustreppe Richtung Haltestelle gelaufen sein. Der Familienvater will sich in den Bus retten: „Ich wollte den Notfallknopf drücken.“ Über den Schalter wird die Zentrale informiert und verständigt die Polizei. Er kommt aber nicht ran. Die Angreifer traktieren ihn mit Schlägen und Tritten. „Ich habe um mein Leben gekämpft.“ Irgendwann schafft er es, die Ordnungshüter per Mobiltelefon zu rufen. Und wieder aus dem Bus hinaus.

Polizei Was unternehmen die drei Fahrgäste, die den Tumult miterleben, der nach Ansicht des Gerichts rund 15 Minuten getobt haben muss? Nichts. „Ich bin fassungslos“, sagt Antonia Kuhli. Ein 47-jähriger Kaufmann sagt, er sei „sehr stark angetrunken“ gewesen. Ein 18-jähriger Azubi, den der Busfahrer offenbar näher kannte, zieht es vor, mit seiner Freundin zu chatten und auf dem Mobiltelefon zu spielen, als einem Menschen zu helfen, der wenige Meter entfernt verprügelt wird: „Ich wollte eigentlich nichts damit zu tun haben.“ Ein Ehepaar, das den Kampf von seiner Wohnung aus beobachtet, verständigt die Polizei. Eingreifen indes wollen auch die beiden nicht.

Seit der Attacke arbeitsunfähig

Dominic F. sagt aus, dass er gemeinsam mit seinen Freunden auf dem Marktplatz getrunken hat. Und zwar nicht zu knapp. Die Polizei stellt bei ihm einen Alkoholwert von 1,96 Promille fest. Vieles, was er eher zäh als auskunftsfreudig preisgibt, weiß er nur vom Hörensagen. Seine Erinnerungslücken sind zu groß. Der Schnaps scheint seine volle Wirkung entfaltet zu haben. Für Amtsrichterin Kuhli ist der junge Mann kein Unbekannter. Zwei Mal ist er bereits wegen Körperverletzung verurteilt, insgesamt zu 75 Tagessätzen à 20 Euro. Patrick L. macht keine Angaben. Beide entschuldigen sich unmittelbar vor der Urteilsverkündung bei ihrem Opfer. Nach der Tat hatte sich keiner bei Oktay Ö. gemeldet. Der Busfahrer verbrachte fünf Tage im Krankenhaus. Seit der Attacke ist er arbeitsunfähig.

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