162 Filme aus Nachlass des Kameramanns Herbert Apelt gerettet

Filmemacher Alexander Fischbach (vorn), Kreisarchivar Thomas Wolf, Landrat Andreas Müller und Kulturreferent Wolfgang Suttner mit dem Filmschatz im Kreisarchiv.
Filmemacher Alexander Fischbach (vorn), Kreisarchivar Thomas Wolf, Landrat Andreas Müller und Kulturreferent Wolfgang Suttner mit dem Filmschatz im Kreisarchiv.
Foto: Ilka Wiese
Was wir bereits wissen
Siegen-Wittgenstein und die Filmproduktion mundus.tv haben den Nachlass des Münchner Kameramanns Herbert Apelt übernommen. 1000 Filmdosen, vier Tonnen Material., „ein richtiger Filmschatz“, sagt Landrat Andreas Müller.

Eiserfeld..  Siegen-Wittgenstein und die Filmproduktion mundus.tv haben den Nachlass des Münchner Kameramanns Herbert Apelt übernommen. 1000 Filmdosen, vier Tonnen Material., „ein richtiger Filmschatz“, sagt Landrat Andreas Müller.

Was hat der Kameramann Herbert Apelt mit dem Siegerland zu tun?

Der Schneidetisch in Apelts Wohnung nahm einen ebenso großen Raum ein, wie das Filmemachen in seinem Leben – im übertragenen Sinn. Auf 60 Quadratmetern in seiner Münchner Bleibe stapelte er in Kisten und Regalen mehr als 1000 silberfarbene Filmdosen. Darunter Raritäten, wie das Original-Negativ des Siegerlandfilms „Der Eisenwald“, den Apelt 1952 für die Düsseldorfer Produktionsfirma Dreyer drehte. Drei Jahre lebte er im Siegerland und produzierte in dieser Zeit auch das Sauerland-Pendant „Glocken über den Wäldern“. Der Eisenwald wurde als erster Imagefilm für das Siegerland Anfang der 50er Jahre für mehr als 100 000 Mark in Auftrag gegeben. Er zeigt mit getragen Worten und in schwarz-weißen Bildern die florierende Industrie. Glühende Hämmer, fleißige Menschen, schöne Natur. Die heile Welt der Nachkriegsjahre. „In der Schule haben wir den Film damals auch mehrmals gesehen“, sagt Kreiskulturreferent Wolfgang Suttner.

Wie kommen mundus.tv und das Kreisarchiv an den Filmschatz?

Im Frühjahr 2014 starb Apelt mit 80 Jahren, die Sammlung sollte vernichtet werden. Wie es der Zufall so will, entdeckte die Entrümpelungsfirma eine Notiz mit den Kontaktdaten von Alexander Fischbach, der Apelt 2006 besucht hatte, um mit ihm über die Eisenwald-Verwertungsrechte zu verhandeln. Kurz danach war klar, dass der Filmemacher den Nachlass übernimmt – in Kooperation mit dem Kreisarchiv. Fischbach und Kreisarchivar Thomas Wolf wussten, dass es sich hier um ein kulturhistorisch wertvolles Erbe handelte. Einen groben Überblick verschafften sie sich bereits, die meisten Dosen sind gut beschriftet. Die Detailsichtung folgt nun. Das Material lagert im Kreisarchiv im IHW-Park. Dort ist es kühl, das Klima im Keller konstant. Filme sind empfindlich.

Worin besteht der Filmschatz?

Die Liste umfasst 162 Filme. Darunter Filme der Bergsteiger-Legende Luis Trenker und des Stummfilmstars Harry Piel, mit dem Apelt befreundet war. „Einige dieser Filme galten bislang als verschollen“, erzählt Fischbach. Aber auch die Leni-Riefenstahl-Produktionen Olympia 1 und 2 und Dokumentarfilme aus vielen Regionen Deutschlands: Marburg, Diemelsee, Duisburg, Überlingen...

Was will der Kreis damit?

„Das Material, das unsere Region betrifft, bleibt bei uns“, sagt Kreisarchivar Wolf. Zum Beispiel Schnittreste, die nicht im Eisenwald verwertet wurden, aber als Foto ein Stück Siegen der 50er Jahre zeigen könnten. Das Material wird restauriert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, zum Beispiel bei Filmabenden im Lyz. Die anderen Filme werden an das Bundesarchiv, an das LWL-Archiv oder kommunalen Archive übergeben oder verkauft. „Nach der Feinsichtung werden wir zu den jeweiligen Stellen Kontakt aufnehmen.“ Bedingung wird sein, dass die Filme sachgemäß aufbewahrt werden und dort hinkommen, wo sie hingehören. Die Stadt Überlingen hat sich bereits bei mundus.tv gemeldet.

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