Zwei unter einem Dach in Sonsbeck

Die katholische und die evangelische Kirche in Sonsbeck unter einem Dach: Pfarrer Günter Hoebertz (links) und Helmut Schwerdtfeger, Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Sonsbeck, werten das als gutes Zeichen für die Ökumene.
Die katholische und die evangelische Kirche in Sonsbeck unter einem Dach: Pfarrer Günter Hoebertz (links) und Helmut Schwerdtfeger, Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Sonsbeck, werten das als gutes Zeichen für die Ökumene.
Foto: Christiane Kathrin Dase
Was wir bereits wissen
Katholische und evangelische Kirche teilen sich jetzt ein Pfarrhaus

Sonsbeck..  „Alle unter einem Dach“ – unter diesem Titel könnte wohl der Umzug des katholischen Pfarrhauses in Sonsbeck in das evangelische stehen. Erst Anfang der Woche ist Pfarrer Günter Hoebertz gemeinsam mit Pastoralreferentin Gertrud Sivalingam und Unterstützung ehrenamtlicher Helfer etwa 200 Meter weiter in das Haus an der Herrenstraße 17 umgezogen.

Aber warum? „Das katholische Pfarrhaus muss unbedingt saniert werden“, erklärt Pfarrer Hoebertz. Es sei inzwischen komplett leergeräumt; soll ebenerdig werden und eine Rampe bekommen.

Die evangelische Kirche hat die Katholiken mit offenen Armen empfangen: „Wir sind sehr glücklich, unserer großen Schwester helfen zu können“, sagt Helmut Schwerdtfeger, Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde in Sonsbeck. Die evangelische Pfarrerin
Dr. Maria Pfirrmann habe eine andere Privatwohnung und nutze nur die Diensträume in dem Pfarrhaus an der Herrenstraße. „Jetzt ist das Haus endlich bewohnt und gut genutzt“, findet Schwerdtfeger. Für beide Kirchengemeinden sei es „ein großer Gewinn, dass wir jetzt unter einem Dach sind“.

Zwei Kirchen unter einem Dach – das sei wohl einzigartig im Kirchenkreis und im Bistum, meint Günter Hoebertz. „Es macht aber auch deutlich, dass die Ökumene in Sonsbeck sehr weit ist.“ Konflikte sieht er zwischen den zwei Gemeinden nicht. „Wir handeln ja aus dem gleichen Geist heraus, nur mit unterschiedlichen Schwerpunkten.“ Denn als christliche Gemeinden hätten beide das Gemeinwohl der Menschen in Sonsbeck im Blick – „egal ob evangelisch, katholisch, muslimisch oder ohne Konfession. Uns um sie gemeinsam zu kümmern, das macht uns als christliche Gemeinde glaubwürdig“, betont Pfarrer Günter Hoebertz.

Das sei gerade zu einer Zeit, in der der Trend mehr und mehr zur „Entchristlichung“ gehe, wichtig. „Trotz unterschiedlicher Spiritualität haben wir die Menschen im Blick“, sagt Helmut Schwerdtfeger. Denn: „In der Kirche geht es darum, für die Menschen zu sorgen – egal in welcher Situation sie gerade sind“, erklärt Hoebertz. „Wenn sie trauern, dann trauern wir mit ihnen. Wenn sie feiern, dann feiern wir mit. Und wenn Leute in Not sind, dann helfen wir.“

Das zeige letztlich auch die Geste der evangelischen Christen, ihre Schwestergemeinde bei sich im Pfarrhaus aufzunehmen. „Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben“, sagt Pfarrer Günter Hoebertz. So gerne er dort bleiben würde – „Ende des Jahres geht’s wieder zurück“. Dann sollen die Bauarbeiten beendet sein. Was dann aus dem evangelischen Pfarrhaus wird? „Momentan analysieren wir jedes Gebäude und überlegen, was wir als Kirchengemeinde brauchen“, erklärt Schwerdtfeger. Er geht aber davon aus, dass das Pfarrhaus bleibt. Das könnte dann ab 1. Januar 2016 an Privatpersonen vermietet werden. Voraussetzung: Der Mieter ist der Kirche verbunden, da die Diensträume weiter im Haus bleiben sollen.