Zu Besuch bei Rotkäppchen

In der Hees finden Wanderer ihr Ruhe.
In der Hees finden Wanderer ihr Ruhe.
Foto: Schulz
Was wir bereits wissen
Eine Reise von der Römerzeit zum Zweiten Weltkrieg bis heute: Die Strecke durch die Xantener Hees bietet Wanderern auch einen Blick in unberührte Natur

Xanten.. Eine Wanderung, die nicht in einem Waldstück anfängt, sondern mitten in der Stadt, mitten im Trubel – für Hobbywanderer Carsten Ewers ist das etwas merkwürdig, aber gerade deswegen auch besonders. Schon von Kindesbeinen an wandert der 41-Jährige, der unter dem Namen „Walking Eddie“ auch einen Wander-Blog auf Youtube betreibt, verschiedene Routen in ganz Deutschland und weiß, welche Höhepunkte die Wanderroute durch die Xantener Hees hat.

Die Strecke bietet viele Besonderheiten und einen Weg durch vergangene Jahrhunderte, man kommt am Amphitheater und alten Bunkern des Zweiten Weltkriegs vorbei. Die Orientierung fällt leicht, wenn man sich vorher Daten aus dem Internet besorgt hat, denn die Strecke ist nicht ausgeschildert.

Auf den Spuren des 2. Weltkrieges

Verlaufen kann man sich laut Carsten Ewers aber trotzdem nicht. Über Asphalt und Waldboden geht es den Weg entlang. Der Waldabschnitt hinter den Bunkern ist nicht so leicht zu laufen – besonders wenn es vorher geregnet hat. „Ich war mit dem halben Schuh im Morast“, stöhnt Carsten Ewers.

Der Weg durch die Hees wirkt wie eine kleine Wanderung auf den Spuren des Zweiten Weltkrieges. Zwischen alten Bäumen, die weit in den Himmel ragen und mit Moos überwachsen sind, geht es den Weg, immer den Wald entlang, vorbei an vielen Hinweisschildern. „Achtung, Lebensgefahr!“ zeigen einem diese an, während im Hintergrund fröhlich die Vögel zwitschern.

Manch einer mag sich hier unwohl fühlen, für Carsten Ewers ist die Route gerade deswegen etwas Besonderes: „Ich war nicht auf die Bunker vorbereitet, als ich mich für diese Wanderung entschied. Gerade die machen wohl den Reiz der Strecke aus.“

Am Wegrand liegen kreuz und quer Bäume verstreut, die durch starke Winde abgebrochen sind. Dadurch wirkt alles natürlich und unberührt, immerhin wird der Wald abseits der Wege auch nicht betreten. „Da stellt man sich auch mal vor, Rotkäppchen kommt gleich um die Ecke“, sagt der Hobby-Wanderer.

Und dann wird einem plötzlich bewusst, was für ein Trubel doch am Marktplatz in Xanten herrscht. Vom ruhigen Wald geht es auf einmal mitten in die Menschenmenge, zurück in den Alltag. „Das ist schon ungewohnt und etwas eigenartig, wenn man vorher die ganze Zeit mehr oder weniger alleine unterwegs ist.“ Trotzdem findet der Hobbywanderer, dass die Strecke eine der schöneren ist. „Nur der hohe Asphaltanteil stört ein wenig, aber das ist einem vorher bewusst, wenn man sich für diese Route entscheidet.“