Zeig, was in dir steckt!

Warten auf den bösen Wolf: Die Pantomimengruppe hatte sich „Rotkäppchen“ für ihren Beitrag zum Abschlussfest ausgesucht. Und war so überzeugend, dass die Zuschauer das Stück sehr schnell erraten konnten.
Warten auf den bösen Wolf: Die Pantomimengruppe hatte sich „Rotkäppchen“ für ihren Beitrag zum Abschlussfest ausgesucht. Und war so überzeugend, dass die Zuschauer das Stück sehr schnell erraten konnten.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Das Ferienprogramm der NRZ für Familien mit schmalem Geldbeutel war wieder ein großer Erfolg. Beim Abschlussfest am Samstag bewiesen die Kinder ihr Talent - als Schauspieler, Künstler und Sänger

Rheinberg..  Am Ende der Ferien wird’s meistens deutlich. Dann, wenn die einen auf dem Schulhof gar nicht mehr aufhören können zu erzählen, was sie in diesem Sommer alles erlebt haben. Tolle Reisen mit Mama und Papa, Ausflüge zu exotischen Zielen. Und die anderen? Die stehen stumm abseits, weil sie nichts zu erzählen haben. Weil Mama und Papa es sich einfach nicht leisten können, mit ihnen in Urlaub zu fahren oder etwas Schönes zu unternehmen. Kinderarmut heißt nicht nur, dass der Schulranzen das Modell vom Vorvorjahr ist und die Jeans nicht die angesagte Marke. Kinderarmut bedeutet auch fehlende Teilhabemöglichkeiten - und eben stumm zu bleiben, wenn andere von den Ferien schwärmen.

Das muss nicht so sein, sagten sich vor sieben Jahren Vertreter vom Diakonischen Werk in Rheinberg und Caritasverband Moers Xanten sowie eine ganze Reihe engagierter Menschen. Sie hoben das Ferienprogramm für Familien mit schmalem Geldbeutel aus der Taufe. Unter der Schirmherrschaft der NRZ, unterstützt von zahlreichen Sponsoren, vor allem Firmen aus Rheinberg und Umgebung, sowie ehrenamtlichen Helfern gibt es seitdem immer zu Beginn der Sommerferien Ferienspaß für Kinder aus Familien, denen es finanziell nicht so gut geht. Am Ende des Programms gibt es immer ein großes Abschlussfest. So auch in diesem Jahr. Am Samstag ging im „Haus der Generationen“ eine tolle Woche zu Ende mit vielen Vorführungen, Buffet und Leckereien vom Grill, einem Fotoshooting und einem dicken Dankeschön für alle Helferinnen und Helfer.

Nachmittags

Es war eine heiße Woche, die Kinder und Helfer auf eine harte Probe gestellt hatte. Wurde in den vergangenen Jahren immer vormittags und nachmittags in den verschiedenen Gruppen an Theaterstücken, Bühnenbau oder Liedern gearbeitet, so war das aufgrund der Temperaturen in dieser Woche nur vormittags möglich. Nachmittags gab’s Wasserspaß auf dem Außengelände des Ev. Gemeindezentrums. Doch die fehlenden Übungszeiten merkte keiner der Zuschauer beim Abschlussfest, die kleinen Künstler, Sänger und Schauspieler waren bestens vorbereitet. Außerdem: Was soll’s, wenn mal etwas nicht so gut funktioniert? „Es geht nicht um Perfektion“, sagt Bernard Bauguitte, Leiter des Diakonischen Werkes in Rheinberg. „Sondern darum, den Kindern Mut zu machen, sich etwas zuzutrauen, ihnen zu zeigen, was in ihnen steckt.“ Für ihn und Diplom-Pädagoge Manuel Kutz vom Caritasverband ist außerdem der Teilhabegedanke ein wichtiger Aspekt, um Kindern Zugang zu Bereichen zu ermöglichen, den sie sonst nicht dieser Form nicht haben würden. Für Künstlerin Birgit Kraemer ist es immer wieder erschreckend, wie viele Kinder von Armut betroffen sind. Und zwar nicht weit weg, „sondern hier bei uns in Deutschland. Direkt vor unserer Haustüre, es geht um Kinder, die wir jeden Tag sehen.“

„Ich bau mir die Welt, wie sie mir gefällt“ lautete in diesem Jahr das Motto des Ferienprogramms. In verschiedenen Gruppen wie Pantomime, Theater, Bühnenbau, Musik und Puppenspiel hatten die Kinder für die rund einstündige Aufführung ihre Beiträge einstudiert. Pippi Langstrumpfs Lied durfte natürlich nicht fehlen, dazu gab’s andere Klassiker, unter anderem „Versuch’s mal mit Gemütlichkeit“. Die Pantomimengruppe hatte sich Rotkäppchen ausgesucht und war auch ohne Worte so überzeugend, dass das Publikum schnell erraten hatte, welches Märchen gemeint war.

Komisches Theater

Absurdes, herrlich komisches Theater gab’s mit den Puppenspielern, und die Theatergruppe zeigte „Die blaue Blume“. In diesem Stück macht sich ein kleiner Igel auf die Suche nach der blauen Blume, die sein guter Freund sein soll. Er reist durch viele Länder und Kontinente und stellt am Ende fest, dass der beste Freund doch ganz nah ist. Die Eltern waren begeistert. Kommentar eines Vaters: „Das war toll, ich hätte nie gedacht, dass mein Kind sich das zutraut.“