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Xanten?

19.10.2009 | 20:30 Uhr
Xanten?

Xanten. Was passiert, wenn man im Norden, Süden und Osten der Republik eine Reise in die Römerstadt buchen möchte? Nichts, denn für Münchner, Berliner und Hamburger ist Xanten nicht mehr als ein weißer Fleck auf der Landkarte. Ehrlich!

In Xanten, na klar, da gibt's den Dom. Das weiß doch jeder, oder? Und natürlich ist auch der Archäologische Park jedem ein Begriff. Überhaupt, die alten Geschichten um die Römer haben der Stadt ja ihr Image verliehen. Zumindest am Niederrhein ist dieses absolut geläufig. Doch wie ist das eigentlich, wenn man sich mal in anderen Teilen Deutschlands nach der Siegfriedstadt erkundigt? Was passiert, wenn man in Berlin, Hamburg oder München in ein Reisebüro geht und sagt: Ich möchte nach Xanten! Nun, ob die Reiseexpertinnen aus dem Norden, Süden oder Osten kommen, sie lachen zumindest freundlich, wenn sie dem Wunsch nicht nachkommen können: Nach Xanten? Keine Ahnung.

Nichts außer Achselzucken

Ist Xanten tatsächlich ein weißer Fleck auf der Landkarte? Kann es sein, dass eine Stadt mit über zweitausendjähriger Geschichte in den Metropolen dieses Landes nichts außer Achselzucken hervorruft? So offenbar in Berlin. „Bei mir hat noch niemand nach Xanten gefragt”, erklärt Eva-Maria Deutsch vom Reisebüro Ehlert, „wenn ein Kunde jetzt vor mir säße, müsste ich erstmal in den Katalog schauen.” In der Bundeshauptstadt werden wohl mehr Reisen nach Italien oder Spanien oder Schiffskreuzfahrten verkauft, denn auch „Das persönliche Reisebüro” kann mit schnellen Informationen nicht dienen. „Den Ort kennen wir, aber wie man da hinkommt? Wir vermitteln ja nur die Reisen der Veranstalter, und wenn das von denen nicht angeboten wird”, sagt eine Mitarbeiterin. Die römische Geschichte sei ihr „ein bisschen geläufig”, aber das Halbwissen ist der Dame so unangenehm, dass sie nicht mit Namen zitiert werden möchte.

Wahrzeichen der Römerstadt: der St.-Viktor-Dom. Foto: Ulla Michels

Auch an der Alster kommt der Reisende nicht weit, wenn er sich nach Xanten erkundigt. „Ich wüsste jetzt nicht, was ich da verkaufen sollte”, gibt Katja Heissenberg von der Reisewelt Othmarschen unumwunden zu, „wir haben nicht mal einen Katalog mit Hotels. Hätten Sie mal nach Trier gefragt.” Hilfe kommt da von ihrer Kollegin Kirsten Vorbeck. „Ich weiß, dass es am Niederrhein liegt.” Na bitte, das ist doch schon mal etwas. Aber auch sie schiebt gleich hinterher: „Für weitere Informationen müsste ich jetzt allerdings googeln.” Ihre Kunden ziehe es viel mehr nach Dresden, München und Berlin, oder wenn es sich nicht um eine Städtereise handelt, dann zu verlängerten Wochenenden in Wellness-Hotels. Katja Heissenberg spricht Klartext: „Wenn es in der Touristikbranche um Deutschland geht, ist Xanten völlig außen vor.”

Da gibt's Ausgrabungen, oder?

Dritter Versuch, diesmal München. Die erste Reaktion ist vielversprechend: „Da gibt's Ausgrabungen, oder?” fragt Carolin Winkler vom Reisebüro M45. Volltreffer, weiter so. „Aber sonst…” Tja, scheint wirklich so zu sein: Wer Xanten besuchen will, organisiert Anreise und Bleibe selbst. „Der Deutschland-Tourismus läuft nur wenig über Reisebüros ab”, bestätigt Winkler, „das meiste wird über die Fremdenverkehrsämter geregelt.” Immerhin macht sie potenziellen Xanten-Besuchern aus München Mut: „Wir hätten das bestimmt auf die Reihe bekommen.”

Nun gut, im Reisebüro wird man nicht fündig. Aber richtig beliebt sind ja auch diese Städtereisen mit dem Bus, ob für einen oder mehrere Tage. Mal sehen, was das Internet dafür bereit hält. Die Ernüchterung stellt sich flott ein: Wer bei regionalen Busunternehmen wie Graf's Reisen (Herne), Hafermann Reisen (Witten) oder Job-Tours (Essen) fündig werden will, erlebt die nächste Pleite. Man kann in den Schwarzwald zum Kirschtortenseminar in Oberharmersbach, zum Krabbenpulen nach Sande bei Wilhelmshaven oder zu den Zwiebeltagen nach Bad Breisig – aber Xanten ist offenbar keine Reise wert. „Es ist nicht lukrativ für uns”, erklärt ein Sprecher von Job-Tours und macht nur eine Ausnahme: „Einzig Schulklassen machen das noch häufiger.” Immerhin: Über www.reisebus24.de kann man für den 28./29. November eine Zweitagestour nach Xanten buchen. Mit Übernachtung im Nibelungenhof, Besuch des Römerdorfes und des St.-Viktor-Doms, außerdem schlendert man zum Preis von 159 Euro im Doppelzimmer über den Weihnachtsmarkt.

Wer nach Xanten will, findet auch ein Bett

Hm, miese Ausbeute. Dennoch ist Sabine van der List von der Tourist Information davon überzeugt, dass Xanten kein weißer Fleck ist: „Wir sind über den Niederrhein hinaus bekannt”, sagt sie, führt stetig steigende Übernachtungen als Beleg an und betont: „Im Internet hat www.xanten.de täglich bis zu 20 000 Zugriffe. Da findet jeder ein Zimmer.” Es sei schwierig, in die Kataloge der großen Anbieter zu kommen. „Das kostet Geld”, erklärt von der List, und für eine kleine Stadt wie Xanten sei das zu teuer. Außerdem sei der gesamte Niederrhein nur ein Kurzreiseziel, „der Trend geht zum Wochenend-Tourismus.” Wenn das so ist, dann braucht sich Xanten ja keine Sorgen zu machen: Die meisten Gäste zähle man zwischen April bis Oktober – und an Weihnachtsmarkt-Wochenenden.

Und dafür reist man doch wirklich nicht aus München, Hamburg oder Berlin an . . .

Andreas Berten

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