Wird Rheinberg zerschnitten?

Was wir bereits wissen
Die Wahlkreise für die Landtagswahl 2017 sollen neu zugeschnitten werden. Die Rheinberger müssten dann in zwei verschiedenen Landtagswahlkreisen abstimmen

Rheinberg..  Noch ist es nur eine Vorlage und die Stellungnahmen der Parteien stehen ebenfalls noch aus, doch die Pläne liegen auf dem Tisch: Zur Landtagswahl 2017 sollen einige Wahlkreise neu eingeteilt werden - unter anderem auch der Wahlkreis 57 Wesel II mit Rheinberg, Alpen, Xanten, Sonsbeck, Kamp-Lintfort und Neukirchen. Dabei würde Rheinberg geteilt, rund 35 Prozent des südöstlichen Stadtgebietes im Bereich Orsoy und Eversael würden an den Wahlkreis 63 in Duisburg fallen. Laut Landeswahlgesetz müssen die Wahlkreise neu abgegrenzt werden, wenn die Einwohnerzahl mehr als 20 Prozent vom Durchschnitt abweicht.

Und dennoch stößt das Vorhaben bei den hiesigen Landtagsabgeordneten auf große Ablehnung. „Ich bin komplett dagegen, so schaffen wir doch nur einen Flickenteppich“, sagt Rheinbergs CDU-Landtagsabgeordnete Marie-Luise Fasse. „Wir sind hier der Niederrhein und nicht das Ruhrgebiet.“ Man habe schon die Trennung in Neukirchen-Vluyn, wo Neukirchen zum Kreis 57 gehöre, Vluyn aber zum Kreis 59 mit Moers. Dinslaken und Oberhausen und Moers mit Krefeld seien weitere Beispiele. „Das kann man den Bürgern nicht plausibel machen, da gibt es einen anderen Abgeordneten, der auch nicht den Bezug zum Wahlkreis hat.“ Schwierig sei es auch für den Bürgermeister, der sich im Zweifel mit zwei Abgeordneten abstimmen müsse.

„Man verliert ein Stück weit seine Identität“, sagt der Kamp-Lintforter SPD-Landtagsabgeordnete Rene Schneider, der für den hiesigen Wahlkreis zuständig ist. Auch er hält nichts von den Plänen, wenngleich es „der Bürger unterm Strich nicht merken würde.“ Dennoch besteht die Gefahr, dass dem Duisburger Landtagsabgeordneten im Zweifelsfalle das Hemd näher ist als die Hose, ihn das Anliegen „seiner“ Duisburger mehr tangiert als die Wünsche der Rheinberger.

„Der kümmert sich dann eher um das Kraftwerk in Walsum als um die Probleme in Orsoy“, glaubt der Rheinberger SPD-Ortsvereinsvorsitzende Jürgen Madry. „Und wie erkläre ich den Orsoyern, dass Rene Schneider bei der nächsten Landtagswahl nicht mehr für sie zuständig ist?“ Das könne für reichlich Unmut in der Bevölkerung sorgen.

Als „äußerst unglücklich“ bezeichnet auch Rheinbergs Bürgermeister Hans-Theo Mennicken die Pläne. „Rheinberg so zu zerschneiden und einer Großstadt zuzuschlagen ist nicht nachvollziehbar.“ Man wolle doch in Rheinberg vielmehr in der Mitte zusammenwachsen.